Gesta Apollonii.
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Umdichtung kein weitergehendes Interesse, sie ist durchaus im Rahmender üblichen Schulpoesie gehalten. Das lassen auch die häufig eingestreutenseltenen Wörter erkennen, die aus der Glossenliteratur stammen. Undnamentlich zeigt sich gelehrter Aufputz in den vielen griechischen Wörtern,die der Dichter wohl nicht ohne Stolz angebracht hat. Weil aber die Dich-tung durch solche Dinge für das gewöhnliche Verständnis zu schwer war,hat der Dichter den seltenen Ausdrücken Glossen hinzugefügt, um auchauf solche Weise zu prunken. Von diesen Glossen hat Froumund von Tegern-see um das Jahr 1000 eine große Anzahl in seine Handschrift des Boethiuseingetragen, und zwar finden sich hier fünfzehn Interpretamente mehr, alsdie einzige erhaltene Handschrift der Gesta Apollonii aufweist. Außerdemhat Schepss x ) nachgewiesen, daß dem Redaktor der sog. Glossae Salomonisbei deren Zusammenstellung das ganze Gedicht auch über die von Froumundnotierten Stellen hinaus bekannt gewesen ist. Wahrscheinlich aber hatder Zusammensteller jenes Glossenwerkes seine Kenntnis des GedichtsFroumunds Exzerpten zu verdanken, die an einer andern Stelle vollständigergewesen sein müssen, als sie jene Boethiushandschrift Froumunds überliefert.Da nun die Genter Handschrift der Gesta Apollonii zeitlich später fällt alsFroumund, so wird damit erwiesen, daß Froumunds Exzerpte von ihr un-abhängig sind, und es ist wahrscheinlich, daß ein Exemplar der Gesta vonTegernsee nach Gent gebracht wurde, daß sie also nicht aus Lothringen,sondern eher aus Bayern stammen. Allerdings dürfte es nach den vonE. Klebs gewonnenen Resultaten 2 ) nicht mehr möglich sein, mit Traube 3 )anzunehmen, daß die Gesta mit der alten Tegernseer Handschrift derHistoria 4 ) in Verbindung stehen, denn Klebs hat festgestellt, daß die Gestazwar auf die Klasse B zurückgehen, was schon Traube vorher begründethatte, 5 ) daß sie aber nicht jener Münchener, sondern der Leidener Hand-schrift (b) folgen. Von den weiteren Schicksalen der Gesta im Mittelalterist außer ihrer Verwendung bei Froumund und in der Glossae Salomonisnichts bekannt, und wenn der Verfasser für Schulzwecke das Gedicht ver-faßt hat, so hat ihn seine Hoffnung durchaus getäuscht. Richtig ist jeden-falls, was S. Singer 6 ) sagt, daß wir ein sehr umfangreiches, aber auchlangweiliges Epos besitzen würden, wenn der Dichter die Paraphrase desganzen Romans vorgenommen hätte und diese erhalten geblieben wäre.Die Form weist, wie schon gesagt, das Machwerk ins 10. Jahrhundert,denn die Verse sind alle gereimt und besitzen keinen Hiat und keine Elision.Zeugnisse. Die Form der Verse ergibt ihre Datierung, vgl. Traube, Neues Archiv10,382, wo die Ecbasis captivi zum Vergleich herangezogen wird. Zur Ausdehnung desGedichts s. Traube, Lit. Zentralbl. 1878 Sp. 883, wo angenommen wird, daß die Gesta wohlnie viel mehr umfaßt haben, als heute vorliegt, da der Dichter wohl mit der Versöhnungdes Antiochus mit Apollomus geschlossen habe, die auf Drängen der Untertanen des Antiochuszustande kam. Dümmler, PL. 2,483 läßt die Entscheidung im unsicheren. S. Singer(Apollonius von Tyrus S.217) hält Traubes (nicht Dümmlers!) Vermutung für unglaub-
*) Neues Archiv 9,178 ff., 182 f.
2 ) Am a. O.S. 337.
3 ) Neues Archiv 10,382.
4 ) Nämlich Monac. 19148 s. X.
5 ) Vgl. Literar. Zentralblatt 1878 Sp. 883;Dümmler, PL. 2,483; Klebs S.336.
6 ) Apollonius von Tyrus S. 217. — Eine
sicher auf die Gesta Apollonii zielende Auf-schrift habe ich in alten Katalogen nirgendsentdecken können. In Gorze s. XI (Rev. Be-ned. 22,11,225) steht Vita Appollonii et gestaehts, ähnlich aus Lobbes 1049 (Rev. des bibl.1,13,138) Vita sive gesta Apollonii Tirii.