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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

falscher Datierung), Vindob. 289 s.XV (danach Vindob. 9949 s. XV, und aus gleicher QuelleLips. 1589 s. XIII), außerdem Bruchstücke aus Engelberg, aus Innsbruck und im Chron. Nova-liciense; vgl. die Ausgabe von Althof 1,33 ff. und von Strecker S. lXff. Ausgaben vonR. Peiper (Berl. 1873), von H. Althof (Leipz. 1899 und 1905), von K. Strecker (Berl.1907).von J. W. Beck (Groningen 1908). Uebersetzung von Simrock (Das kleine Heldenbuch 191)und von Althof, Das Waltharilied (Leipz. 1902). Die umfangreiche Literatur stellt zusammenH. Althof 1, 60 ff. und 2, VIIXVII. Vgl. Baechtold, Gesch. d. deutsch.Lit. i. d.'Schweiz4358. Kögel, Gesch. d. deutsch. Lit. 1, 2, 275342,

105. Gesta Apollonii.

Die wohl aus dem 5. Jahrhundert stammende l ) Erzählung HistoriaApollonii hat im Laufe des 10. Jahrhunderts bei einem unbekannten Geist-lichen soviel Interesse erweckt, daß dieser wenigstens einen Teil desRomans in leoninische Verse umsetzte. Vielleicht ist diese Umdichtung inTegemsee entstanden, denn dorthin weisen die ältesten Spuren der Über-lieferung. Erhalten sind nur 792 Verse, und es ist durchaus nicht sicher,ob das Gedicht jemals viel weiter gereicht hat als jetzt, wo es nur noch denAnfang bis zum achten Kapitel der Prosaerzählung begreift. Seltsam istjedenfalls seine Einkleidung, es stellt sich als Ekloge mit den InterlokutorenSaxo und Strabo dar. Nämlich zum Ausgangspunkt für diesen letzterenNamen führt der Dichter im Anfang ein Zitat aus irgend einem WerkeWalahfrid Strabos an und hat dieses Zitat wie den Anfang der ganzenDichtung einem Strabo in den Mund gelegt. Dieser fordert einen Saxoauf, mit dem Weehselgesange zu beginnen, ganz nach dem Vorgange Vergils. 2 )Saxo aber weigert sich und überläßt dem Strabo die Priorität und beidewenden sich an die Trinität und bitten um ihren Beistand im Gesänge. 3 )Darauf beginnt die poetische Paraphrase des Romans, die im Weehsel-gesange wieder dem Strabo und dem Saxo in den Mund gelegt wird. Dashat zu dem Irrtum Veranlassung gegeben, als ob Walahfrid oder einerseiner Schüler das Gedicht verfaßt hätte; viel eher aber ist anzunehmen,daß der Dichter sich dieses Pseudonyms bedient hat, um durch dessenBerühmtheit seinem Werke Ansehen zu verschaffen. Dies, sowie der Ein-gang, setzt unbedingt Bekanntschaft mit Walahfrids Werken voraus, wozuja auch der wohl süddeutsche Entstehungsort des Gedichtes passen würde.Jedenfalls aber ist nicht mit E. Klebs 4 ) anzunehmen, daß erst ein Abschreiberden Interlokutornamen Strabo an allen den Stellen hinzugefügt habe, woer heute in der Genter Handschrift steht. Auch ist durch L. Traube 5 )sichergestellt, daß das Gedicht nach seinen formalen Eigentümlichkeitenerst dem 10. Jahrhundert angehört.

Der Umdichter hält sich meist eng an seine Vorlage, hat sie aberzuweilen durch Gleichnisse (Vs. 141154) oder durch frei erfundene Aus-malungen (Vs. 220250. 537569) erweitert, wobei er sich dann stets ansein auch sonst häufig erkennbares Vorbild Vergil hält. Sonst bietet diese

') Vgl. El. Klebs, Die Erzählung vonApollonius aus Tyrus S. 227.

2 ) Vgl. dessen Ekloge 5,10 und 3,58.

3 ) Die Bitte Vs. 28 Pectora Pef/asici po-tetis flumine rivi läßt erkennen, wie der Dichter

antike Elemente mit christlichen verbindet.

4 ) a. a. O. S. 335.

5 ) Neues Archiv 10,382. Vgl. aufäerdemEbert 3, 330 und Klebs S. 335.