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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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600 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

der Dichter den glänzenden Schmuck der Großen besingen, wird aber durchdie Tiere daran verhindert, was ihm Gelegenheit gibt, Vögel. Insekten,Säugetiere und Reptilien aufzuzählen und dabei öfters der Tierstimmen zugedenken, die, wie er am Schluß bemerkt, zur Ehre Gottes ertönen. Daszweite Gedicht behandelt im asklepiadeisehen Maße die Winde 1 ) und imAnschluß daran erzählt der Dichter von der für ihn gefahrlosen Schiffahrtauf kleinem Fahrzeuge; hieran knüpft er kurze Bilder vom Garten-, Feld-und Weinbau und läßt die verschiedenartige Verwendung des Weines nichtohne Geschick und Humor am Leser vorüberziehen. Das vierte gibt imAnschluß an Reg. 3, 5 und 6 und an Ezech. 40 ff. ein ziemlich lebendigesBild von der allmählichen Entstehung, vom Aufbau und der späteren Be-nutzung des Tempels. 2 ) Die vier weiteren Gedichte behandeln die Arith-metik, Musik, Astronomie und Geometrie meist in so engem Anschluß anMartianus Capeila 6—9, daß der Text, der hier nur lückenhaft überliefertwird, öfters aus der benutzten Quelle ergänzt werden kann. Bei der Arith-metik, Astronomie und Geometrie handelt es sich nur um versifizierte Prosa,dagegen lassen die Reste der Musik erkennen, daß hier ein freierer Tonangeschlagen wurde; allerdings ist von der Geometrie nur der Anfang er-halten, aber es lassen sich von hier aus Schlüsse auf die Art und Weiseder verlornen Fortsetzung ziehen. Wie aber die einzelnen Stücke meistnur fragmentarisch vorliegen, so wird es beim Ganzen auch der Fall sein,denn ohne Zweifel hat der Dichter die drei fehlenden Künste ebenfallsnach Martian behandelt. So würden wir zu einer Sammlung kommen, dieschulmäßig behandelte und für den Unterricht bestimmte Stoffe mit freierbehandelten und dichterisch mehr gelungenen Stücken vereinigte.

Ueberlieferung. Hs.: Bern. 358 s. IX. Ausgaben: H. Hagen, Carmina medii aevip. 12 ff. 3 ) v. Winterfeld, PL. 4, 243—260. Die benutzten Stellen aus Martian u. a. Quellensind in v.Winterfelds Ausgabe in den Noten sorgfältig verzeichnet.

4. Lios Monocus. Aus keltisch-britischer Sphäre stammt ein morali-sierendes Epos, das in der einzigen Handschrift einem Lios Monocus bei-gelegt wird, dessen Namen sonst nur noch einmal durch die Subskriptioneiner Orosiushs. 4 ) bekannt ist. Das Gedicht besitzt eine Menge keltischerGlossen und verwendet vielfach die gesuchten Ausdrücke der Hispericafamina; dadurch ist die Herkunft sichergestellt. Aus den Eingangsversenaber ergibt sich, daß Lios — Ducange vermutete in ihm einen Elias —seinen Libellulus sacerdotalis, wie er das Gedicht nennt, kaum selbständiggearbeitet hat, sondern wohl als Unterlage ein Prosawerk benutzte, das erin Verse umsetzte. Das Gedicht wäre daher mit den Bibelversifikationenzu vergleichen, und es ist möglich, daß es auf Grundlage einer pelagianischenSchrift 5 ) fußt, in der die häufigen Bibelzitate wesentlich geändert waren.Nur an einer Stelle wird (Vs. 481) ein doctor qtiidam, d. h. ein Kirchenlehrer

') Einige Verschiedenheiten lassen er-kennen, daß Einharts Vita Karoli 29 nicht dieVorlage ist, vielleicht eher Isidor Et. 13,11oder De nat. rer. 37.

3 ) Da auch Isaias und Exodus benutztwird, glaubt v. Winter fei d, PL. 4, 242, 4eher an patristische Vorlage.

3 ) Vgl. L. Havet, Komania 6, 273.

4 ) Reifferscheid, Bibl. patr. Ital. 1, 388aus Vatic. reg. 296 s. IX (oder X, dann Ab-schrift) Expl. septeni libri saneti Orosii guosLios monocus iussit pingi diaconus.

6 ) So nach v. Winterfeld, PL. 4, 277,der sich auf Vs. 246 bezieht.