Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Seite
601
Einzelbild herunterladen
 

Lios Monocus. Audradus Modicus.

601

angeführt, von Dichtern scheinen nur Juvencus 1 ) und Aldhehn 2 ) benutzt

zu sein. Der Inhalt des Gedichts ist durchaus didaktisch, Lios will den

Klerus belehren und zu einem rechten Leben führen. Er beginnt mit der

Aufforderung an die Priester, rechtschaffen zu leben und sich nicht dem

Teufel zu überantworten. Darauf folgen Apostrophen an Maria und an das

Paradies, das mit dem christlichen Himmel identifiziert wird. Hierauf geht

der Dichter zur Auslegung von Bibelstellen in breitem Predigtstile über,

die Vs. 386 durch eine längere Beschreibung der Hölle unterbrochen wird,

aber nach der Vs. 430 eintretenden Lücke ihre Fortsetzung findet. Den

Schluß oildet eine kurze Erläuterung der sieben Seligkeiten. In diesem

Gedieh, ist vor allem die Form merkwürdig, da Lios nicht nur jene seltenen,

den Hisp. famina entlehnten Wörter gebraucht, 8 ) sondern auch der Sprache

sonst alle Gewalt antut. 4 ) Die Ausdrucksweise erinnert sehr stark an die

gleichförmige und eintönige poetische Diktion Aldhelms und eine besondere

Verliebe zeigt Lios für langsilbige Versausgänge (neunundzwanzig fünf-

shbige, zwei sechssilbige). So ist die Dichtung durchaus ungewandt, sie

scheint dem Verfasser große Mühe verursacht zu haben. Die Überlieferung

ist unvollständig, da in der Handschrift drei Blätter ausgeschnitten sind

und der Schluß offenbar fehlt.

Ueberlieferung. Einzige Hs.: Paris. 13386 s. IX f. 208—219. Einzige Ausgabe vonv.Winterfeld, PL. 4, 278—295 mit genauem Hinweis auf die Quellen in den Noten.

5. Audradus Modicus. Im Jahre 847 wurde der Presbyter zu St. Martinvon Tours Audradus Modicus Chorbischof von Sens und empfing die Weihedurch Erzbischof Wanilo. Mit dessen Genehmigung unternahm er 849 eineReise nach Rom und überreichte dort dem Papst Leo IV. am 29. Juni einvollständiges Exemplar seiner Schriften, das sofort auf die Rechtgläubigkeitdes Inhalts geprüft und durch den Papst den Gläubigen empfohlen und aufdessen Befehl in der Archivbibliothek von St. Peter niedergelegt wurde.Dort sind später mehrere Abschriften davon genommen worden, die abernur fragmentarisch erhalten sind. Doch fußt der Hauptteil der erhaltenenSchriften nicht auf dieser römischen Überlieferung, sondern geht von Ab-schriften aus, die in Westfranken von einem zweiten Exemplar Audrads ge-nommen wurden, das zum Teil Erweiterungen erhalten hatte. Die nichtunbeträchtlichen Fragmente sind von L.Traube (PL. 3, 67 ff.; vgl. daselbstS. 739 ff. Abhdl. d. Bayer. Akad. 19, 374 ff.) mit großem Scharfsinn erläutertworden und diese Aufstellungen haben durch einen neuen handschriftlichenFund von A. Gaudenzi (Ballett, dell' istit. stör. ital. 1889 N. 7, 39—45) völligeBestätigung erfahren. Die Sammlung bestand aus dreizehn Stücken, indenen poetische Form mit Prosa verbunden war, doch so, daß die erstere

') Die sieben Seligkeiten Vs. 540 ff. sindwohl nach Juvenc. 1,454 ff. gearbeitet, wört-lich stimmt allerdings nur 553 f. mit Juvenc.1. 465 Pacificos deus in numerum sibi proHsadoptat.

2 ) v.Winterfeld bemerkt nur zuVs. 19De laud. virg. 89. Außerdem: 47 laud. virg.1587 (vgl. 2287); 121 de aris b. Mariae 7,13;144 laud. virg. 2160; 263 laud. virg. 328; 522laud. virg. 584.

3 ) Vgl. v.Winterfeld p. 277.

4 ) Vgl. 20 suntote. 114 antlete. 117 men-tax. 127 ocli. 139 altudo. 165 summere. 206quorum (für eorum; 207. 354). 290 vatis (No-minativ). 312 dis = dives. 339 lar = ignis.361 herus = deus. 405 Lucina = luna (vgl.hiermit Remigius im Genesiskommentar beiMigne 131, 56 D). 419 papti, pocli. 297 bea-bit == beabitw. 454 haben' = magni haberi.