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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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598 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters, Erster Teil.

Titel s. XII Vocabularius Salomonis episcopi et abbatis huius loci. Dies ist die einzige An-deutung über den Verfasser oder Redaktor; zur Person Saloraos vgl.Usener, Rhein. Mus. 24,388 f. Einziger Abdruck (s. 1. e. a.) aus einer Vorlage, die wohl von Abt Heinrich von Augs-burg (1175—81) angefertigt wurde und viele deutsche Glossen enthielt. So auch im Monac.22201 s. XII (aus Windberg) f. 4 a—184 b 1 ) (beginnt A interiectio dolentis heu) sehr reichlicheGlossen (s. Steinmeyer u. Sievers, Althochd. Glossen 4, 27—123). In der sog. RedaktionSalomos ist die alphabetische Ordnung ziemlich genau durchgeführt und die Quellen werdenmeist an der Seite der Hss. angegeben. Daß das Original aus Prankreich stammte, ergibtdie Heimat der ältesten Hss. (der Bernensis aus Pleury s. IX, Paris. 11529 s. VIII), Isidorist die späteste benutzte Quelle, s. Usener, Rhein. Mus 24, 382—391. Die Schreiber des San-gall. 905 (1070 Seiten, zweispaltig) waren Deutsche, aber die romanische Abkunft ergibt sichaus dem Vorschlag i vor anlautendem sc, st, sp, s. Scherrer, Verz. d. Hss. d. Stiftsbibl. vonSt. Gallen S. 323. In dem Druck finden sich Stellen aus den poetischen Gesta Apollonii, dieFroumirad von Tegernsee in seine Boethiushs. eintrug, s. Schepss, Neues Archiv 9,173f.Dem Redaktor des Lexikons im Monac. 14429 waren aber die Gesta Apollonii viel weiterbekannt, als in jener Hs. Proumunds. Zusammenhang mit den Derivationes wies Traube(Archiv f. lat. Lexikogr. 6, 264) mit Hilfe von Vesper nach. Ueber den Liber glossarum alsdie Quelle und über die Glossae Salomonis s. G. Goetz, Leipz. Abhdl. Phil.hist. Klasse 13,245 ff. (1893).

103. Kleinere Gedichte und Sammlungen aus der Karolingerzeit.

1. Carmen de Timone comite. Ein im Anfang unvollständigesGedicht, das in Freising oder in dem benachbarten Weihenstephan baldnach 834 entstand — Vs. 60 und 62 setzt die Gründung von Weihenstephanund die Übertragung des heiligen Alesander 2 ) voraus —, handelt von derrechtsprechenden Tätigkeit des Pfalzgrafen Timo, 3 ) die besonders mit demrechtlichen Walten Davids und Hiobs verglichen wird. 4 ) Dabei gedenktder Dichter der häufig angewendeten Gottesgerichte, die er im Sinne dermenschlichen Vernunft und des göttlichen Gesetzes vollständig verwirft.Im zweiten Teile beschäftigt sich das kleine Gedicht mit einer wunder-tätigen Quelle, die auf dem Südabhang des Klosterhügels entsprang und,nachdem sie schon vielen Kranken Gesundheit gebracht hatte, plötzlichversiegte, als das Stück Land verkauft worden war und Hunde aus derQuelle getrunken hatten. Ein Bittgang des gesamten Volkes und der Geistlich-keit ließ das Wasser wieder hervorsprudeln, aber als bei einer Gerichts-sitzung Timos Lieblingshund daraus getrunken hatte, verendete das Tieralsbald. Mit einer Nutzanwendung aus dem Erzählten schließt das ungelenkeGedicht, das an vielen Stellen Kenntnis von Vergil und Ovid verrät undauch am Ende unvollständig zu sein scheint.

Zeugnisse und Ueberlieferung. Das Gedicht ist aus einer (Preisinger) Rotel ab-geschrieben und trägt am Rande den Vermerk Versuum istorum initium non neglegentiavel ignavia est relictum sed pocius vetustate deletum in rotula scilicet antiquitus compositaunde hec sunt transscripta. Vs. 5 wird König Ludwig von Bayern erwähnt, David Vs. 17 ff.,Hiob 23 ff. 5 ) Die Gottesgerichte Vs. 69—82, hier 75 Nam si obstrusa queunt retegi prodentibus

') f. 4 a—184 b das erste, f. 185 a—223 adas zweite salomonische Glossar (beginntÄbacti magistratus dicebantur qui coactl de-

Thesaur. aneedot. 1, 3, 245 (J. 837) bekannt.4 ) Dabei wird der aus Plato de rep. 5,473 stammende Spruch angeführt, der hier

posuerant Imperium), f. 223 a die Henneneu- (Vs. 41 f.) der Passung bei Prudent. contra

mata Monacensia bis 235b (Goetz, CG1L. 3,119—220).

2 ) Sie erfolgte im Jahr 834, vgl. MG. SS.24,320.

3 ) Er ist aus zweiürkunden bei Meichel-beck, Hist.Frising. 1,2, 293 (J.831) und Pez.

Sym. 1, 30 ff. bedeutend näher steht als demmeist verwendeten Wortlaut bei Boeth. con-sol. phil. 1, 4 p. 16 ff.

s ) Hier begegnet Vs. 31 die merkwürdigeForm adentes von adsum.