Abbo von St. Germain-des-Pres.
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100. Abbo von St. Germain-des-Pres.
Abbo war Mönch im Kloster St. Germain-des-Pres und verfaßte alsDiakon dort wohl beinahe gleichzeitig ein episches Gedicht über die Be-lagerung von Paris durch die Normannen vom November 885 bis ins Jahr 886und über die weiteren Feindseligkeiten mit den Normannen bis 889. Erscheint die Stücke des Gedichts einzeln seinem Lehrer Aimoin vorgelegtzu haben, dem er dann auch das Ganze mit einigen alkmanischen Versenüberreichte. Er setzte das Epos dann bis 896 fort und verband mit denzwei ersten Büchern noch ein drittes, das aber inhaltlich ganz außerhalbdes geschichtlichen Rahmens fällt, wie er es auch nur wegen der Zahlder Dreieinigkeit hinzugefügt hat. Das ganze Werk 1 ) widmete er etwa 897dem Diakon Gozlin, der in seinem Kloster lebte und die Widmung vonAbbo erbeten hatte, 2 ) die dieser mit einem in äußerst gesuchtem Lateingeschriebenen Briefe ausführte. Er berichtet hierin, daß er beim Beginnseines Werkes noch unerfahren gewesen sei und Vergils Eklogen gelesenhabe. Das Gedicht aber habe er der Übung wegen geschrieben und dann,weil es ein Beispiel für die Verteidiger andrer Städte in der Gefahr ab-geben könne. Weiter äußert er sich in dem Briefe über die von ihm bei-gesetzten Glossen und über die Metrik seiner Verse. Außerdem schriebAbbo auf die Bitte der Bischöfe Froterius von Poitiers und Fulrad vonParis eine Sammlung von siebenunddreißig Predigten, die er erst nach 922verfaßt haben kann. Über seine weiteren Schicksale ist nichts bekannt,nur geht aus dem Nekrologium seines Klosters hervor, daß er als Presbytergestorben ist.
Zeugnisse. Der Dichter stammte aus Neustrien, s. die Glosse zu 1, 624 p. 97 Nustri-gena enim fuit hie metricus. Er war Mönch in St. Germain, s. die Subskription des Paris.13833 in PL. 4,121 und Bouillart, Hist. de l'abb. royale de s. Germain des prez p. CX (PL. 4,72) VII id. Hart, depositio Abbonis sacerdotis et monaehi S. Germani. Der Beiname Cernuus 3 )(vgl. die Aufschrift des Briefes p. 77 Cernui Abbonis, die Versic. ad magistrum 6 (p. 78) Cer-nuus Abbo, und die Subskription des Parisinus (p. 121) Cernui ... Abbonis) findet sich auchin der verlorenen Hs. der Amploniana (s. Manitius, Neues Archiv 32, 680) Codicellus AbbonisCernui. Er war noch Diakon bei der Widmung an Gozlin, vgl. p. 77,1 conlevita indignusAbbo. Zur Autopsie vgl. 1, 25 Nonne tuis idem vidisti oculis? liefer ergo! Vidi equidem und594 siquidem nemo nil verius ullus Expediet, quoniam propriis obtutibus hausi. Der Titel:Bella Parisiacae urbis (mit polis variiert p. 77, 4 und in der Hs. von Peterborough (genanntin der Zeit zwischen 963—9,84, s. Gottlieb S. 409 N. 1121) bei Dugdale, Monast. Anglic.1, 382). Zur Chronologie s. v.Winterfeld, PL. 4,72 f. und Freeman, Z.Gesch. d. Mittelalt.Ausgewählte hist. Essays, übers, v. G. J. Lochner S. 120 —135. Zur Entstehungsweise desGedichts s. die Glosse zu Versic. ad mag. 10 (p. 79) Sepe discipidus ferebat magistro corri-gendos versus qnos per ineuriam neglec/ebat. Das Gedicht an Aimoin — Lehrer, Vs. 1 O peda-goge sacer meritis Aymoine piis radians — PL. 4,78 f.; das alkmanische Versmaß, nach Prud.Cat. 3 und Peristeph. 3, ist selten in jener Zeit. 4 ) Zum Zweck und der Verschiedenheit desdritten Buches bemerkt Abbo im Briefe an Gozlin p. 78.5 Qui autem supplet trinitatem terciushonimee ignarus constat, während er den Inhalt von 1 und 2 darstellt Porro triadi nostroscredidi biblos visu et auditu modo decusatos. Quorum duo quidem tarn preliisParisia.ee urbis,Odonis quoque regis, quam profecto almi ae heroys praesertim mei Germani eiusdem sedis
') Und zwar mit dem daktylischen Ge-dicht, s. PL. 4,78,19.
2 ) Auf Aimoin schien das Gedicht keinenEindruck gemacht zu haben, vgl. die Glossezu Vs. 10 der Versiculi ad magistrum (PL. 4,79 unter Linguae) und besonders die Wortedes Briefes (p. 78, 20) Verum quod haud apud
magistrum, saltem mereantur nancisei penesgermanum.
z ) Er wird zweimal als humilis erklärt,s. p.77 und 78.
4 ) Vgl. den Hymnus Hrabans N. 3 (PL. 2.246) und die Verse Godescalcs PL. 3,738 N.4.