584 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
nachgewiesen hat; hier wird die Geschichte Karls bis 813 fortgeführt. Aufdiese Darstellung der politischen Geschichte folgt nun im fünften Buchedie Schilderung der persönlichen Verhältnisse des Kaisers nach EinhartsVita Karoli, jedoch so, daß im Eingange manches Frühere rekapituliert wird.Dabei gibt der Dichter nur wenig Zusätze zu seinen Quellen, 1 ) sie beschränkensich auf Schilderungen von Gebäuden und Örtlichkeiten, sowie auf den Aus-druck von Empfindungen. Auch verrät er an einer Stelle die Kenntnis vonVolksliedern auf merovingische und karolingische Herrscher. Seine Versesind, nach dem Maßstab der Zeit gemessen, im allgemeinen gut, sie unter-scheiden sich durch reinere Prosodie und Metrik vorteilhaft von denen desAgius. Doch es ist zu betonen, daß dies historische Epos, dessen fünftesBuch in Distichen geschrieben ist, lediglich ein formales Interesse besitzt,und auch dies nur in untergeordnetem Maße, da der Dichter seinen Stoffvollkommen fertig vorfand.
Zeugnisse. König Arnulf wird erwähnt 5, 135 Prae cunctis igitw tibi cura nepotibusuna, Quaesumus, Arnulfus 1 ) sit Ums omonimus. Fac, ut regnanti Christus sit previus auctorund 415 Nunc tarnen Arnidfo merito sub principe gaudes; diese und die folgenden Wortedeuten auf den Regierungsanfang, wie auch v. Winterfeld, PL. 4,1 und n. 2 erläutert. Obv. Winterfeld n. 2 recht hat, daß die vier ersten Bücher schon unter Karllll. gedichtet sind,steht dahin, vgl. auch dessen Praeterita zu S. 1. Daß der Dichter in Korvei lebte, hat Hüffer(Korveier Studien S. 22—63) erwiesen, s. auch v. Winterfelds Praeterita zu S. 1, doch istnicht zuzugeben, daß er die sämtlichen S. 63 f. genannten Autoren benutzt habe. 3 ) Anna-lium de gestis Caroli Magni imperatoris Über secundus explicit. inclpit III gibt der Guelf.Heimst. 553, s. PL. 4, 31 und 46 sowie 55, 4 ) wo G als Inskription für Buch 5 hat Incipitquintus de vita et obitu eiusdem, während der junge Bruxell. 1638—1649 p. 86 hat Vita etgesta sancti Karoli Magni regis Francorwm et imperatoris Bomanorum metrice. Zum Ur-sprung des Gedichts 5, 21 Sed nie magnus amor, praesentis carminis auctor, Ignarum fandinon reticere sinit. Daß der Autor Sachse war, ergibt sich aus 5, 25 Is gentem nostram fideicognoscere lucem Fecerat, 31 ff. und besonders 37 Usus enim gemina Saxonum saxea cordaArte suadebat subdere se domino. Die ganze Stelle 5, 23—42 handelt von der BekehrungSachsens. Die Einleitung zu Buch 5 erstreckt sich von 1 —110, der Schluß von 645—694;hier allein spricht der Dichter. Die Arbeit von Simson steht Forsch, z. deutsch. Gesch. 1,301—326, 5 ) wo sich der Verfasser gegen die Tatsächlichkeit des Friedens von Salz wendet.der von Hüffer S. 72—222 als wirklich geschlossen zu erweisen gesucht wird. Zuweilenhat der Dichter sein Prosavorbild nicht verstanden, wie z. B. 2,79 f., wo ihm die livianischePhrase sed niaior Francis quam pro numero iactura ficit 6 ) Schwierigkeiten bereitete. DieStelle über die Volkslieder heißt (5, 117) vulgaria carmina magnis Laudibus eius avos etproavos celebrant, Pippinos Carolos Hludowicos et Theodricos Et Carlomannos Hlotharios-que canunt; hiervon sind Hludowicos (Chlodowech), Theodricos (Theuderich) und Hlotharios(Chlotacharius) merovingisch. Der Dichter braucht die vorgefundenen Worte der Annalenund der Vita Karoli zumeist ganz wörtlich. Die Prosodie ist meist richtig, nur die Eigen-namen sind zwangsweise oft falsch gemessen; zur Metrik s. Winterfeld, PL. 4, 2 n. 1.
Ueberlieferung. Hss.: Guelferbyt. Heimst. 553 s. XII (Anfang) mit vielen Inter-polationen. Bruxell. 1638—1649 s. XV (1494), beide voneinander unabhängig, aber mit den-selben Lücken. Im 12. Jahrh. war das Gedicht in Paderborn bekannt, da der Verfasserder Vita Meinwerci c. 1 (MG. SS. 11,107) 1,1 anführt. Ausgaben: Pertz. MG. SS. 1, 227.Jaff 6, Bibl. rer. Germ. 4, 542. Kritische Ausgabe: v. Winterfeld, PL. 4, 1—71. — Vgl.Ebert 3,125-129.
') Ein wichtigerer ist 3, 14 ff., der aufGregor von Tours hist. Franc. 2, 6 zurückgeht(Sic veteres memorare solent).
Der Bischof von Metz, der Ahnherr
so unwahrscheinlich bei Sueton (S. 64).
4 ) Außerdem heißt das Werk Annales inBuch 5, 201 priores Quattuor annales iam re-tulere libri.
des karolingischen Hauses, wird als Schutz- ! 6 ) Hierauf beruht besonders Brie den
patron für den König Arnulf erbeten.
3 ) So ist das mindestens sehr fraglichbei Tacitus (S.64) und bei Plinius (25 f.), eben-
D. gesch.Wert desPoetaSaxo, Arnsberg 1878.6 ) Vgl. meinen Nachweis Neues Archiv 7,524.