Poeta Saxo. 583
Ob Agius noch anderes geschrieben hat, ist nicht bekannt, denn dieBehauptungen von Hüffer (S. 22ff. 51 ff. 62ff.), daß er die Übertragung desheiligen Liborius nach Paderborn und die metrischen Gesta Caroli verfaßthabe, sind durchaus nicht erwiesen. 1 )
Zeugnisse. Der Vater Hathumods Ludolf, s. Vita Hatli. 2 (MG. SS. 4,167,13) Patereius ex illustrissimo Saxonum genere oriundus dux orientaliam Saxonum fuit. Zu Agius,Mönch von Korvei, s. Traube, PL. 3, 370 N. 2. Zum Eintritt unter Warin s. Nomina fratr.Corbei. (MG. SS. 13,275,19), wo ein Mönch Agicus erscheint, der mit Agius jedenfalls identischist. Zur Stellung s. Vita Hath. 1 (MG. SS. 4,166, 31) Honorabiliter diligendis ... sanctissimisin Christo Gandeshemensis monasterii sororibus Agius quamvis indignus gratia Christi sacer-dos. Zur Berichterstattung Vita Hath. 1 (166, 36) quia hoc siwml vobis gratum fore non dubi-tamus vitam eius breviter inculto licet sermone transscriptam vobis mittere dignum duximus ...Unde lectorem primo omnium monemus ut noverit nos non falsa aut dubia de ea esse dic-turos . . . Neqne enim alia scribimus quam quae omnes minores clamant maiores probant.Zur Benutzung der Vita Martini s. Neues Archiv 14,166 f. und Hüffer S. 30 ff. Zur Ent-stehungsweise des Dialogs s. Traube, PL. 3, 371 und Dial. 1 Cum praesens ego supremisfortasse fuissem Sanctae abbatissae unxius Hathumodae, Inter nie sanctasque eius dignasquesorores Sermo satis lugubris tunc fuerat habitus ... Haec quae tunc flendo retuli, nunc versibusedo, His quoque non nulla adiciens alia. Der Dialog besteht zunächst aus kurzen Einfüh-rangsversen des Dichters und geht dann zum Zwiegespräch über, das von Agius und derResponsio (den Nonnen) geführt wird. Die Form ist insofern wenig zu loben, als ungebühr-lich viel falsche Messungen und sehr viele Hiate begegnen. Anlehnungen an Vorbilder (Se-dulius, Fortunat, Aldhelm außer Vergil) hat Traube, PL. 3, 372 ff. in den Anmerkungennotiert. Daß aber Agius in der Vita den Tacitus (Annal. 3,1 f.) benutzt haben soll, wieHüffer S. 27 bemerkt, ist keineswegs erwiesen.
Ueberlieferung. Das Werk findet sich allein im Bamberg. E. III. 9 s. XV, von demBruxell. 8960 s. XVII und ein bei Pez, Thes. anecd. 1, LXXXIV erwähnter OchsenhusanusAbschriften sind. Ausgaben: Pertz, MG.SS.4,166 (nach Bamberg.) und Pez,Thes. anecd.l,3, 311. Kritische Ausgabe des Dialogus von Traube, PL. 3, 372. —Vgl. Dümmler, NeuesArchiv 4. 527. Wattenbach 1, 306 f. Ebert 2, 294 ff.
99. Poeta Saxo.
In der ersten Zeit des Königs Arnulf verfaßte ein Mönch in Korveiein großes geschichtliches Gedicht über Karl den Großen, dessen erstenvier Büchern er den Titel Annales de gestis Caroli Magni imperatoris gab,während er das fünfte mit De vita et obitu eiusdem bezeichnete. Das Werkist erfüllt von Liebe und Bewunderung zu dem großen Kaiser, dessenMissionstätigkeit in Sachsen, dem Geburtslande des Dichters, besondersrühmend hervorgehoben wird. Leider ist das Ganze völlig unselbständig,denn mit Ausnahme der wenigen Eingangsverse zu Buch 1 und der Einleitungund des Schlusses zu Buch 5, die von allgemeinen Gedanken getragenwerden, wobei besonders die geistliche Phrase reichlich hervorquillt, beruhtdas Werk auf den großen Geschichtsquellen der früheren Zeit. NämlichBuch 1—3 und von Buch 4 die Indiktion 8 sind lediglich Paraphrase dersogenannten Annales Einharti, deren breite Erzählung von 771—801 voll-ständig aufgenommen wird. Die weitere Erzählung im vierten Buche wirddann auffällig kürzer und beruht auf Annalen, die den Hersfelder Jahrbüchernverwandt sind und wohl in Halberstadt aufgezeichnet wurden, wie B. Simson
') Traube war PL. 3, 371 der Ansicht, ; Verschiedenheit in der dichterischen Form be-
daß Agius und der Poeta Saxo (Verfasser der I tont wird. Doch scheint Winterfeld wieder
Gesta Caroli) identisch seien, zog aber p. 754 unsicher geworden zu sein, s. die Praeterita
diese Ansicht zurück; vgl.P.v.Winterfeld, zu PL 4,1.PL. 4, 1 f., wo mit vollem Recht die große