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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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582 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

des Heiligenromans, an das Leben des heiligen Martin von Sulpicius Severusan, wie ich schon früher dargelegt habe. Meiner Ansicht nach entbehrtdiese Schrift des Agius fast aller Originalität und ist kaum höher zu be-werten als Dutzende der zeitgenössischen Heiligenbiographien. Doch hatAgius diesem Leben ein größeres Gedicht angehängt, das mehr Interesseerfordert als die Prosadarstellung.

Er lernte nämlich im Kloster das Leben Adalhards von Radbert kennenund dies gab ihm Veranlassung der Biographie Hathumods einen ähnlichgehaltenen Dialog hinzuzufügen, wie Radberts Ekloge. So ist er auch indieser Beziehung nicht selbständig verfahren, sondern hat sich in derKomposition des Gedichts an ein Vorbild angelehnt; und inwieweit dieDichtung sonst selbständig ist, läßt sich nicht einmal ermessen, da ermanches dem Totenrotulus, der an Konfraternitätsklöster geschickt wordenist, entlehnt haben kann. Er legt dem Gedicht die Gespräche zugrunde,die er bei der Bestattung Hathumods mit den Gandersheimer Nonnen ge-führt habe, und daraus hat er eine ergreifende Totenklage gestaltet, derenInhalt von weitergehendem Interesse ist, während ihre poetische Formziemlich tief unter dem Niveau der Zeit steht.

Agius ruft den verlassenen Nonnen zu, daß sie zwar allen Grund zurTrauer hätten, aber das Wort ne quid nimis 1 ) habe auch hier sein Recht.Die Nonnen entschuldigen ihren Schmerz mit der Größe ihres Verlustesund Agius tröstet sie und sich mit 1 Thess. 4, 12 f. und 2 Kor. 5, 16. Erermahnt sie, vom Weinen abzulassen und die Verstorbene mit frommenGesängen in den Himmel zu geleiten. Auf ihre Einsprache, daß Tränendas einzige Heilmittel seien, erwidert Agius, der Tod sei allen Menschenbestimmt. Er führt das durch Beispiele aus dem Alten Testament untersteter Benutzung von Fortunat (Carm. 8, 3 und 9, 2) weiter aus und gehtdann auf das Neue Testament über und verweilt bei den Heiligen undMärtyrern der Kirche. Dem Einwand der Nonnen, der Verlust lasse sichnicht verschmerzen, begegnet er mit der Aufforderung, daß sie die welt-liche Liebe in sich zurückdrängen sollen; außerdem seien sie ja nicht tat-sächlich verwaist. Gott und die Verklärte würden stets mit ihnen sein.Endlich versprechen die Nonnen, ihren Schmerz bezwingen und sich überden Tod der Seligen freuen zu wollen. Die Heilige werde ihnen Trostgewähren durch Gegenwart in ihren Träumen; Agius selbst möge sich ihrerin Liebe annehmen. Dieser ist über die Sinnesänderung hocherfreut undgedenkt der schon verstorbenen Verwandten Hathumods. So sei ihr Vatertrotz der vielen Versuchungen, die ihm seine hohe weltliche Stellung ge-boten habe, stets auf sein Seelenheil bedacht gewesen, wofür Agius zweiTräume Ludolfs anführt. Auch ihm selbst komme die teure Gestalt wederim Wachen noch im Schlafe aus den Augen, und er erzählt von einerVision, die er am siebenten Tage nach ihrer Bestattung gehabt habe; erlegt das Gesicht so aus, daß die Verklärte zur Nachfolgerin ihre SchwesterGerberga ausersehen habe. Mit der Aufforderung des Agius, der neuenHerrin in allen Stücken Gehorsam zu leisten, schließt das Gedicht.

] ) Das Wort scheint kaum auf die Kennt- [ wohleherHieron.ep.60entnommen;s.Traubenis von Terenz zurückzugehen, sondern ist [ (PL. 3, 373) zu der Stelle.

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