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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Agius von Korvei. 581

aber die klare und gewandte Sprache sowie die vielfach zur Schau getragene

Gelehrsamkeit bewirkten, daß das Werk doch öfters abgeschrieben wurde;

auch ist ein Vers, wie auch ein solcher der Vita S. Amandi, frühzeitig in

das Florüeg Micons hineininterpoliert worden. — Die Tatsachen, daß Milo

der Lehrer Hucbalds war und daß er 2, 162 ff. eine besondere Kenntnis der

Musikinstrumente zeigt, könnten vielleicht damit vereinigt werden, daß in

alten Katalogen zwei Aufschriften 1 ) eines musikalischen Werkes unter

Milos Namen erscheinen.

Ueberlieferung. Genannt wird das Lehrgedicht in alten Katalogen zuCorbie, St.Amandund Canterbury. Im Bruxell. 10066-10077 s. XII wird 2,795 hinter Vs. 91 im Florileg Miconseingesetzt. 2 ) Hss.: Valentian. 414 s. IX, 415 s. X; Leid. bibl. univ. 190 s. XI (unvollständig);Mus. Brit. Reg. 5 A. XI 2 s. XI; Cantabrig. Gg. 5. 35 s. XI; Bruxell. 5254—5264 s. XV—XVI.Ausgaben: A. Desplanque in M6m. de la soc. des sciences etc. de Lille 1872 und besondersL.Traube, PL. 3, 610—675. Ueber Milo im allgemeinen s. Jul. Desilve, De schola Elnonensisancti Amandi p. 75 ff., über die Vita S. Amandi p. 78 ff., über De sobrietate p. 88—93.

Hierzu kommen einige kleinere Stücke, die sich auf den heiligen Amandusbeziehen. Nämlich zuerst ein Anhang an das von Milo benutzte Leben desHeiligen. Er besteht hauptsächlich aus Komputationen nach den Regierungender Päpste und der merovingischen Könige, und hat insofern einigen ge-schichtlichen Wert; benutzt wird darin (Migne 121, 971 B) Bedas Chronik.Dann eine Predigt zur Übertragung des Leibes des Heiligen und endlich einesolche über die Erhebung des Heiligen aus dem Jahr 855 (vgl. Migne 121,980 C).

98. Agius von Korvei.

Als im Jahre 874 Hathumod, die Tochter des sächsischen Grafen Ludolf,die erste Äbtissin von Gandersheim, starb, beschrieb ein ihr im Leben nahe-stehender Geistlicher namens Agius, der höchstwahrscheinlich Mönch inKorvei war, wo er unter Abt Warin eintrat, das Leben der Äbtissin. Viel-leicht ist Agius dort mit Gerold befreundet gewesen, der auch sein Lehrergewesen sein kann; doch ist auf diese Vermutungen von G. Hüffer 3 ) wenigGewicht zu legen, der dem Gerold ja auch ohne irgendwelche Sicherheit dieAbfassung der Annales Einharti zuschreibt. 4 ) Nur das scheint Hüffer (S. 18)richtig erkannt zu haben, daß Agius nicht der Bruder Hathumods gewesenist. 5 ) Jedenfalls war er in seinem Kloster Presbyter geworden und alssolcher hat er das Leben der Äbtissin von Gandersheim beschrieben.

Diese Lebensbeschreibung entbehrt zwar nicht der persönlichen Züge,ihr allgemeiner Wert scheint mir aber bedeutend übertrieben worden zu sein.Nämlich ihr Stil und ihre Darstellungsweise sind doch völlig legendarisch,in ermüdender Breite werden die christlichen Tugenden der Verstorbenengepriesen. Hierbei ist Agius nicht einmal selbständig verfahren, sonderner lehnt sich allerorten an das in dieser Beziehung vielbewunderte Muster

') Bei Richard von Fournival und in derSorbonne, s. Neues Archiv 32, 684.

2 ) Als Vs. 310 erscheint Vita S. Amandi1,71 (Traube, PL. 3,786).

3 ) Korveier Studien, Münster 1898, S.255.

4 ) Daselbst S. 6—13.

5 ) Agius erwähnt nämlich weder im erstennoch im zweiten Kapitel, wo er von Hathu-

mods Familie spricht, daß er in irgendeinerverwandtschaftlichen Beziehung zu Hathumodgestanden habe; außerdem fehlt in Kapitel 12,wo ebenfalls Veranlassung gewesen wäre,jederHinweis darauf. — Die Worte von Pertz,MG. SS. 4, 165 n. 5 sind durchaus nicht zu-treffend.