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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

versehenen Büchern und in sechsundfünfzig Kapiteln untergebracht. Erbeginnt mit der Erlösung und gibt dann nach Fortunat und Pseudo-Melitoeinige Daten über die Apostel und diesen wird unmittelbar Amandus an-gereiht. Das Leben des Heiligen wird in einfacher und ungekünstelterSprache erzählt, ohne daß auf frühere Dichter mit Ausnahme von Vergilund Sedulius viel Rücksicht genommen würde.

Ueberlieferung. Das Gedicht wird in alten Katalogen außer zu St. Amand auch inAnchin und St. Bertin genannt, s. Neues Archiv 32,684. Hss.: Valentian. 414 s. IX ex. (= Aus-gabe an Haimin). Valentian. 502 s. XI; Havn. Tottianus 520 s. IX (Fragmente); Bruxell.8721bis 8728 s. XII; Duacensis 857 s. X — XII. Außerdem eine Hs. von Hautmont s. XI, die f.92bbis 124 die Vita S. Amandi und f. lb —65 b das Carmen de sobrietate enthält, vgl. Anal. Bol-land.15,280.278. Ausgaben: Migne 121,927. Kritische Ausgabe vonTraube, PL. 3,561—609.Vgl. Dümmler, Neues Archiv 4, 522.

Carmen de sobrietate. Das Gedicht knüpft in seinem Eingang andie in der Praefatio 16—31 erwähnten Verhältnisse an und richtet sichinsofern nach Aldhelms Lehrgedicht, als es, wie dieses, die Beispiele derBibel entnimmt, und zwar die des alten Bundes im ersten, die des neuenBundes im zweiten Buche darstellt. Allerdings weicht Milo insofern vonseinem Vorbilde ab, als sein Stoff nicht nur das Lob der Mäßigkeit, sondernauch der Tadel der aus Unmäßigkeit entstehenden Laster bildet. Es istnicht unmöglich, daß der Dichter, gemäß der Erklärungsweise seiner Zeit,für die einzelnen vorgebrachten Beispiele die historische, allegorische undmoralische Bedeutung erläutern wollte, wie dies 1, 71. 152 dartun könnte. 1 )Doch erschien ihm wohl diese Deutung zu ausführlich, und ich glaube nicht,daß das Werk, dessen Verszahl 2,1086 f. angegeben wird, unvollendet hinter-lassen wurde, 2 ) da ja auch schon die Widmung an den König beim TodeMilos fertig vorlag; allerdings ist das Gedicht erst nach 875 von Hucbalddem neuen Kaiser überreicht worden. 3 ) Milos Hauptquelle ist natürlichdie Bibel, daneben hat er die Auslegungen Augustins, Hieronymus' undGregors benutzt; außerdem sind viele seiner Stellen ähnlich mit Pseudo-Melito und mit Isidors Allegorien, somit mit Hraban. Hierzu kommen diechristlichen Dichter, besonders Sedulius und Juvencus, aber auch Prudentius,Arator und Fortunat, ferner Aldhelms Lehrgedicht und, was besonderswichtig ist, das Commonitorium des Orientius.*) Endlich verwendet Milodas Lehrgedicht Aldhelms und Servius und Macrobius. 5 ) Die Einteilungdes Stoffes in zwei Bücher gliedert sich im ersten in dreißig Abschnitte,deren letzter von Jonathan handelt, während die zehn vorhergehenden sichnicht an bestimmte Personen anschließen, sondern im allgemeinen überTugenden und Laster handeln. Das zweite Buch zählt vierundzwanzig Ab-schnitte und beginnt mit Maria und kommt sehr bald auf die weiterenmenschlichen Laster und auf die christlichen Tugenden zu sprechen. OhneZweifel fehlt es innerhalb der beiden Bücher an einer festen Disposition,

') Aber sollten die Worte Longum est . ..monstrare nicht das Gegenteil erweisen?

2 ) Wie Traube p. 560 n. 1 fragweisebemerkt.

3 ) Die Aufschrift der Widmung besagtKarolo Imperator! Augusto Hucbaldus.

4 ) Nachgewiesen von Manitius, Philol.

Supplembd. 7,763 f., wo vorher von der Kennt-nis des Orientius bei andern karolingischenAutoren (Paulus, Micon).

'•>) Die Quellen sind äußerst sorgsam nach-gewiesen von Traube in den Noten zur Aus-gabe.