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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Bischof Konrad von Utrecht. Sicher wurde das Gedicht seit der Zeit in der Schule gelesen.denn von s. XII werden sehr viel Aufschriften genannt und haben sich viele Hss. erhalten.Dazu stimmt, daß das Gedicht in den Autorenkatalogen von Walther von Speier und vonAimericus noch nicht genannt wird, hingegen bildet es die Grundlage für größere Partiendes Messias des westfränkischen Dichters Eupolemius (s. Manitius, Ztschr. f. vergleich. Lit-teraturgesch. NF. 15,158), 1 ) der von mir Roman. Forsch. 6, 509—556 hrsg. wurde. So er-scheint vom Ende des 11. Jahrh. das Gedicht auch in den Literaturgeschichten, die freilichnur Fabeleien über den Autor vorbringen; Sigebert erwähnt die Ekloge de Script, eccl. 134(ed. Miraeus p. 151) und sagt vom Autor Hie sub clericali normo, obiit immatura morte etideo librum situm non emendavit. Da nun auch Bernhard von Utrecht 2 ) (s. Frey p. 8) Aehn-liches erzählt, desgleichen die im 12. Jahrh. schreibenden Anonymus Mellicensis 36 (ed. Ett-linger p. 68) und Conrad vonHirschau im Dial. super auetores (ed. Schepss p. 43,19 ff.), unddie im Monac. 19475 s. XII und 19474 s. XII — XIII enthaltenen Accessus ad poetas fastGleiches überliefern, so muß man an eine von allen diesen Schriften benutzte Quelle denken,die wohl aus dem 11. Jahrh. stammt und als Einleitung zur Schullektüre von einem Lehrerabgefaßt wurde.
Jedenfalls bildete die Ekloge für lange Zeit neben Cato (und Avian) die erste Schul-lektüre, 3 ) vgl. hierzu die von Specht, Gesch. d. Unterr. i. Deutschland S. 250 und Frey p.3angeführten Urkunden aus Breslau von 1267 und 1293 (aus G. Korn, Bresi.Urkundenbuch1,35 N. 32 und 59 N. 69). Daher finden sich in einem Lexikon (Turic. 58/275 s. XII f. 51bbis 61a, vgl. J.Werner, Beitr. z. Kunde d. lat. Lit. d. Mittelalt. 2 S. 100) aus s.XII als Belegeauch angeführte Stellen aus Theodul, und in der prosodischen Chrestomathie des Monac. 4643s. XIII f. 153 b stehen als Vs. 6 und 7 die Verse aus der Ekloge 246 und 28 + 26.*)Im 13. Jahrh. wird Theodul auch unter den wichtigen Autoren von Eberhardus Teutonicusim Laborintus genannt (Gottlieb, Ueb. mittelalt. Bibl. S.444) und Hugo von Trimberg führtihn im Registr. mult. auet. 520—531 an (Wien. SB. 1888, 175), in dem er die Fabeln überseine Herkunft und seine Person wiederholt.
Als Nachahmungen der Ekloge ergeben sich der Synodicus des Warnerius von Baselaus Anfang des 12. Jahrh. (s. Huemer, Roman. Forsch. 3, 316 ff., Wiener Stud. 14, 156; Hau-reau, Not. et extr. de quelques mscr. 6,78 ff.) und nach Hugos von Trimberg Registrum 562ff.(p. 176 H.) das Gedicht Pistilegus.
Zu den äußerst zahlreichen Aufschriften aus alten Katalogen, die ich a. a. O. zusammen-stellte, 5 ) kommen noch s. XII Göttweih (Czerny, Die Bibl. von St. Florian S. 235) und 1365Jean de Saffres (Bibl. du Bibliophile 1857,477 N. 139); es sind im ganzen 48 Aufschriften,während Osternacher (1902 p. 14—23; 1907 p. 52) 125 Hss. aufführt. Von diesen sindwichtig Eton. L. 6. 5 s. X (langobardisch), 6 ) die Fragmente von Linz (s. Osternacher 1902,17 N. 24), Bern. A 92 N. 9 f. 2 b—6 b, Einsidl. 34 s.XII, Mus. Brit. Harlei. 3093 s. XI—XII.Monac. 19462 und 19483 s. XII, Oxon. Bodlei. Auct. F. 2.14 s. XII, Prag. 1625 s. XII. KritischeAusgabe von Osternacher, Theod. eclogamrec. et proleg. instr., Ripariae prope Lentiam 1902;der Text') wiederholt in der kommentierten Ausgabe Quos auetores Latinos et bibl. sacr.locos Theod. imitatus esse videatur ... Urfahr prope Lentiam 1907. 8 ) — H.Vollmer, Monats-schrift f. d. kirchl. Praxis 1904, 321. 472. G. L. Hamilton, Theodulus: a mediaeval textbookin Modern Philology 7 (1909), 2, 169—185 (wichtige Zusammenstellung der Geschichte desWerkes bis in die neuere Zeit). A. Tobler, Ztschr. f. roman. Philol. 22, 92. A. Thomas, Ro-mania 35, 495.
96. Otfrid von Weißenburg.
Obwohl Otfrid als lateinischer Schriftsteller nur ganz wenig in Betrachtkommt, so ist er doch hier keineswegs zu übergehen, da sein Gedicht nicht
') Die Benutzung erstreckt sich nur bisVs. 180. Nämlich 69—76 vgl.Eupol. 2,72—75.85-92 1,666-678. 109 1,381. 117—124 2,617-622. 125—132 1. 397 ff. 141—148 1,501 ff. 149—156 2,46ff. 165—172 2,88—92.173—180 2,275-288.
2 ) Sein Werk wird schon 1128 in Eg-mond genannt, s. Manitius 16,234.
3 ) Diese drei Autoren beginnen auch dieReihenfolge der Autoren bei Eberhardus Teu-tonicus.
4 ) Huc ades, frenosis, sedeas pro iudicenobis. Zu späteren Kommentaren — der desBernardus Silvestris ist unwahrscheinlich —
S.Hamilton, Modern Philology 7,173 ff., woauch S. 175 ff. über Erwähnung des Werkesin der Schullektüre des Mittelalters.
6 ) Sie werden im 15. Jahrh. sehr selten,trotzdem mindestens 46 Hss. aus dieser oderspäterer Zeit stammen.
6 ) Ich konnte nur eine einzige Aufschriftaus Italien anführen, nämlich Montecassinos. XV (Bibl. Casin. 1, LXXXII).
') Die Orthographie scheint in dieser Aus-gabe öfters nach der antiken abkomgiertzu sein.
8 ) Eine Bibliographie früherer AusgabenbeiOsternachei-1902,24—29 (54 Ausgaben).