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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
drei zu einem Reimschema zusammengefaßt werden, so daß innerhalb diesesGanzen alle Cäsur- und Schlußsilben den gleichen Reim aufweisen, mehr-fach aber dieser einsilbige Reim durch zweisilbigen verstärkt wird. 1 ) Dreiweitere Gedichte verfaßte Godescalc in Italien 2 ) (N. 4—6). Sie sind vonähnlicher Richtung wie die früheren. Im ersten wendet sich der Dichterhilfesuchend an Christus und geht dabei im Anfang auf das doxologischeGebiet ein; die Form ist genau nach Prudentius Cathem. 3 und Peristeph. 3gebaut, nur daß alle sechs Strophen der gleiche Endreim bindet. N. 5 isteine Beichte an Gott, die beinahe den Glauben erwecken könnte, daßGodescalc seine religiös abweichenden Lehren hätte widerrufen wollen. DasGedicht besteht aus zwanzig Strophen mit stets gleichem Eingang undgleichem Refrain; auf den Eingang folgen trochäische Distichen, aus Halb-zeilen bestehend und rhythmisch gebaut. 3 ) N. 6 erfüllt den Wunsch einesjungen Freundes, vielleicht eines Mönches aus Orbais, 4 ) der den Abwesendenum ein Gedicht auf die Dreieinigkeit gebeten hatte; die Erfüllung desWunsches wird kurz mit einer Strophe abgetan, während sich fast dasganze übrige Gedicht mit dem Aufenthalt des Dichters in der Fremdebefaßt. Es enthält zehn künstlich gebaute Strophen, in denen auf vierjambische Halbzeilen fünf trochäische und ein trochäischer Refrain an-schließen 5 ) und alle Zeilen (vielfach auch die Halbzeilen) den gleichen Reimbesitzen. Das Gedicht an Ratram wird durch 32 anakreontische Verse(nach Prospers Gedicht ad coniugem) eingeleitet, 6 ) die in mehreren Ab-sätzen von ungleicher Verszahl gereimt sind und in denen Klio 7 ) aufgefordertwird, zu Ratram zu eilen und ihn zu begrüßen. In den sich anschließendenHexametern kommt Godescalc auf persönliche Verhältnisse zu sprechen,indem er sich glücklich preist, daß ihm der Freund ein Gedicht gesandthabe, und nach Beleuchtung seines eignen Verhältnisses zur Poesie überdie Sendung seines Bekenntnisses anMatcaud, Jonas 8 ) und Lupus und derenErfolg spricht. Das erste dieser sieben Gedichte ist später von unbekannterSeite kompiliert worden.
Hss. der Gedichte: Guelferbyt. 1164 s. X (vielleicht aus Hildesheim) f. 226. Paris. 1154s.IX f. 98. 106 b. 108. 131b. Augustodun. semin. 33 s. X. Paris. 3877 s.Xf.4. Kritische Aus-gabe mit wertvoller Einleitung von Traube. PL. 3,707—737. Benutzung von 1 im Cantabr.Gg. 5. 35 s.XI f. 445 (Ausgabe von Traube p.737f.).
Theoduls Ekloge. Bei der Verfolgung, die Godescalc erlitt, ist dieBenutzung eines Pseudonyms bei einem zur Hälfte antik gedachten Ge-dichte nicht unwahrscheinlich. Nimmt man die auffällig stimmende Namens-form sowie die Kenntnis des Griechischen und die oben erwähnte Neigungzur Antike hinzu, und vergleicht damit die von Osternacher (Theoduli
*) So 3,1 f. (p. 727). 10,2. 11,2. 12,1 f.
2 ) 4, 3, 3 Nos et in exilio esse doles, Adpatriamque redire mones. 5, 2, 4 Ego miser tedimisi et longe abivi. 6,1,4 Cum sim longeexul valde; 9, 1 JExul ego diuscule hoc in maresum: annos nempe duos fere.
3 )Vgl.W.Meyer,Münch.SB. 1882 S. 108und 69. 93.
4 ) Vgl. hierzu 3, 2. 9, 3 f.
6 ) Vgl. W. Meyer S. 108 XV, 1.
6 ) Es besitzt also eine ähnliche künst-liche Komposition wie das Gedicht Walah-frids an Godescalc PL. 2, 362 N. 18, das (Vs.5—9 p. 363) auch hier 18—24 nachgeahmtwird.
') Dies wie Vs. 8 erinnert an die Hervor-kehrung der antiken Mythen 'in der EklogeTheoduls.
8 ) Matcaud ist unbekannt, Jonas vielleichtBischof von Autun, s. Traube p. 717 n. 3.