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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

war jedenfalls froh, als der Tod den unglücklichen Dulder erlöst hatte(zwischen 866 und 869).

Es ist nun nicht ausgeschlossen, daß Godescalc die Ekloge des so-genannten Theodulus verfaßt hat. Erstens war jene Zeit mit Versteck-namen freigebig, wie das Epitaphium Arsenii von Godescalcs ZeitgenossenRadbert beweist und aus Walahfrids Gedicht 5, 18 (PL. 2,362) deutlichhervorgeht. Daß Godescalc etwas Griechisch verstand, ist bei der RheimserSphäre und den Beziehungen zu Corbie ohne weiteres anzunehmen undergibt sich auch aus seiner Anfrage an Lupus (MG. Ep. 6,39,5 ff.). 1 ) Nunist Theodulus die einfache Gräzisierung von Godescalc, der vielleicht be-sondere Ursache hatte, das Gedicht hinter einem Pseudonym zu verstecken.Daß das Gedicht in der Mitte-des 9. Jahrhunderts geschrieben ist, hatOsternacher fast zur Evidenz erwiesen. Mit dieser Zeit stimmen aber vorallem die Einkleidung in die Eklogenform und die griechischen Namens-formen der beteiligten Personen. Und da die metrischen Eigentümlich-keiten der Ekloge mit den Besonderheiten, die Traube in Godescalcs Ge-dichten auffand, völlig übereinstimmen, so liegt es nahe genug, den Theodulmit Godescalc zu identifizieren. Das Gedicht stellt sich als ein Wettgesangzwischen Alithia und Pseustis 2 ) dar, zu dem am Ende noch die Fronesishinzugezogen wird. Der Stoff beruht auf wissenschaftlicher Grundlage, indemPseustis, die Vertreterin des falschen Heidentums, Saturn und das goldneZeitalter zu rühmen beginnt, während Alithia, die Zeugin biblischer Wahr-heit, das erste Menschenpaar im Paradiese dem entgegenhält. Und soerzählt Pseustis weiter eine große Anzahl antiker Mythen, denen Alithiastets ähnliche oder doch zu vergleichende biblische Ereignisse an die Seitestellt. Am Schlüsse bittet Pseustis die Fronesis, die zu Anfang als Richterineingeführt wird, die Schwester Alithia zum Schweigen zu bringen, da sie sichfür besiegt erkläre. So spricht Fronesis die Schlußworte, wobei sie sichaber auch antiker Reminiszenzen bedient. 3 ) Die letzten acht Verse, indenen Alithia das Bekenntnis ihrer Rechtgläubigkeit vorbringt, scheinenspäterer Zusatz zu sein, obwohl diese Doxologie durchaus zu den persön-lichen Verhältnissen Godescalcs stimmen würde. Hinsichtlich der Form istzu bemerken, daß jede Rede und Gegenrede der handelnden Personen vierHexameter umfaßt. Solche Tetrastichen finden sich schon früh, nämlichim Dittochaeon des Prudentius und ebenfalls in Verwendung für die Eklogebei Godescalcs Zeitgenossen Sedulius Scottus im Wettkampf zwischen Roseund Lilie. Möglich ist, daß die Parallelisierungen antiker und jüdischerSagenstoffe in dem Messias des französischen Dichters Eupolemius durchdie Ekloge Theoduls angeregt und in manchen einzelnen Beispielen be-einflußt worden sind.

Zeugnisse. Ueber das Leben Godescalcs hat in kritischer Weise gehandelt L. Traube,PL. 3, 707—720, dem ich mich hier fast ganz anschließe; s. auch H. Schrörs, Hinkmai',Erzb. von Reims S. 90—108. 153—161. Als Quellen kommen zunächst Auszüge aus Hrabans

') Vgl. außerdem die Scedula Gothescalci,die Hincmar in den Prolog seines Werkes Deuna et non trina deitate aufgenommen hat(Migne 125, 475 ff.)

2 ) 'Ab'jOeia und x Fevar7^g (männlich nach

Vs. 34 Perge prior, Pseusti, qnia masculus).3 ) Ueber den Inhalt s. Jos. Frey, Ueb.d. mittelalt. Gedicht Theoduli ecloga und denKommentar des Bernhardus Ultraiectensis(Münster 1904) S. 3—7.