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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Godescalc. Th.eod.ulus.

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Bischof Noting von Verona und dann an Graf Eberhard von Friaul, indessen Gebiet Godescalc sich längere Zeit aufhielt. Nach Deutschland zurück-gekehrt, sandte dieser an seinen Freund Walahfrid ein Gedicht, doch erwurde auf der Mainzer Synode im Oktober 848 der Ketzerei beschuldigtund mit seinen Anhängern öffentlich ausgepeitscht, und Hraban sandte ihnan Hincmar nach Rheims, aus dessen Erzsprengel er sich entfernt hatte.Im folgenden Jahre hatte sich der unglückliche Mönch vor einer neuenSynode in Kiersi zu verantworten, wo man ihn seines Priesteramtes beraubteund wiederum körperlich aufs härteste züchtigte. Nun brachte ihn Hincmarin das Kloster Hautvilliers und hielt ihn in strengem Gewahrsam. Trotz-dem setzte Godescalc seine Untersuchungen über die Prädestination fortund sandte sein (nicht erhaltenes) Werk an den Mönch Gislemar von Corbie.Auch mit Lupus stand er jetzt im Briefwechsel und fragte bei dem Abtvon Ferneres an, wie die Stelle bei Augustin De civ. dei 22,29, 6 überdas Erschauen Gottes nach der Auferstehung zu verstehen sei, sowie überdie Bedeutung einiger griechischer Wörter. Als er aber von Hincmar auf-gefordert wurde, von seiner Auffassung der Prädestination zurückzutreten,übersandte er dem Erzbischof ein umfängliches Glaubensbekenntnis undsprach darin den Wunsch aus, sich wegen seiner Auffassung einem jedenGottesurteil zu unterziehen. In dieser schweren Zeit verkehrte Ratramvon Corbie mit ihm in Gedichten. Damals hatte Godescalc seine Bekenntnisan eine Reihe von hervorragenden westfränkischen Klerikern gesandt, dochantwortete ihm nur Lupus mit seiner eben entstandenen Schrift De tribusquaestionibus. 1 ) An Ratram sandte Godescalc sein Bekenntnis mit einemlängeren Gedicht und mit der Schrift des Lupus; das Gedicht besteht auseinleitenden anakreontischen Versen und 154 durchaus gereimten Hexa-metern, wie überhaupt alle von ihm erhaltenen Gedichte 2 ) gereimt sind.Zu dieser damals noch seltnen Form 3 ) wurde er vielleicht durch seineBekanntschaft mit Walahfrid veranlaßt, der einige seiner späteren Gedichteja auch durchgehend gereimt hat. Die theologischen Streitigkeiten derZeit nahmen nun an Heftigkeit zu, indem die gelehrten Mönche von Corbie,wie Ratram und Radbert, obwohl auch untereinander uneinig, doch dererzbischöflichen Autorität Hincmars gegenüberstanden, die auch von Godescalcin Briefen und Sendschreiben zu untergraben versucht wurde. Endlichließ sich Hincmar in mehreren großen Werken deutlich vernehmen, durchdie er die Aufstellungen seiner Gegner unbedingt zu vernichten gedachte.Aber auch der neue Papst Nicolaus scheint nicht ohne weiteres mit derBehandlung des Mönches einverstanden gewesen zu sein, der jedenfallsunter den Mönchen von Corbie Anhänger und Freunde besaß. 4 ) Der Ver-such Hincmars, den Godescalc vor seinem Tode zu bekehren, mißlang völlig,der Mönch wies jeden Vermittlungsvorschlag zurück, und der Erzbischof'

x ) Carm. 7,122 (PL. 8,736) Qui cum sitcautus simul et catus est moderatus Sic iamterna sui librans responsa libelli, Ut demptoiwitri pleno discrimine parti Congruat.

2 ) Daß nicht alle erhalten sind, zeigtWalahfrids Gedicht an ihn PL. 2, 363 Vs. 8 f.

3 ) Etwas später fällt das gereimte Ge-

dicht über Cassianus (aus Laon?), MG. PL. 4,181 ff.

4 ) Damit hängt es wohl zusammen, daßman in Corbie von Werken Hincmars an-scheinend nichts besaß. Die alten Katalogedes Klosters nennen nicht eine einzige Auf-schrift seiner zahlreichen Werke.