Florus von Lyon. 561
hiermit äußern könne. Er will zwar die landesherrliche Gewalt hierdurchnicht herabsetzen oder mindern, bemerkt aber, daß in den kanonischenBestimmungen der Väter sich nichts hiervon finde. Wohl noch vor 834und zwar im Gegensatz zu Amalars Lehre ist die Erklärung der Messeentstanden. Florus verbreitet sich im Anfang der Schrift an der Handvon Vaterstellen 1 ) ganz im allgemeinen über die Messe, mit Kap. 12 setztdann die ebenfalls hauptsächlich nach diesen Quellen gegebene Erklärungder einzelnen Worte der Meßhandlung ein; den Kern des Ganzen bildetdie Abendmahlslehre, in der er keinen Genuß von Leib und Blut als durchden Glauben kennt. Schon vorher hatte er mit dem Presbyter Hildigiszusammen den Bischof Agobard in der Beantwortung von Bartholomäus vonNarbonnes Anfrage unterstützt, was bei den in Uzes in letzter Zeit häufigauftretenden epileptischen und andern Zufällen zu tun sei. Wurde Florushier wie dort zur Stellungnahme bei geistlichen Zeitfragen aufgefordert,so sollte er bald zur Beteiligung an den wichtigsten theologischen Fragenhinzugezogen werden. Als nämlich Agobard nach der Restitution Ludwigsdes Frommen aus Lyon weichen mußte, führte der damalige Abt Amalarals Bistumsverweser eine neue Liturgie in Lyon ein. Hiergegen trat Florusin schärfster Weise auf. Er wandte sich in einem längeren Schreiben 2 )an die Bischöfe Drogo von Metz, Hetti von Trier, Aldric von Le Mans,Alberich von Langres und an den Abt Hraban von Fulda und beklagtesich bitter über die Neuerungen Amalars, der zuerst ein gewaltiges Werkin vier Büchern über die kirchlichen Offizien, dann ein neues Antiphonar,von ihm verbessert, vorgelegt habe; demnächst werde er ein drittes Werkwahrscheinlich dem Kaiser vorlegen, das er Zusatzwerk nenne und dasdie törichtsten Dinge enthalte. Im weiteren Verlauf des Schreibens decktdann Florus die hauptsächlichen Abweichungen 3 ) Amalars vom katholischenGlauben und Ritus auf und beschwört die fünf Kirchenfürsten, diesen Tor-heiten kein Ohr zu leihen. Doch war das Wirken Amalars hiermit nichtlahmgelegt, sondern Florus mußte durch eine weitere kleine Schrift dieSynode von Diedenhofen beschwören, der Ketzerei ein Ende zu machen,da Amalar in der Kirche öffentlich erklärt habe, die auf der Reichssynodeversammelten Kleriker hätten sämtlich seine Schriften mit eigner Handunterschreiben wollen. Als sich dann bald darauf noch 838 in Kiersi eineSynode versammelte, um über diese Neuerungen zu beraten, erwirkte Florusvon dieser die Verurteilung von Amalars Schriften und schrieb alsbaldeinen genauen Bericht über die Verhandlungen mit Heraushebung der ammeisten ketzerisch erscheinenden Ansichten; Florus vertrat hierbei tat-sächlich die Kirche von Lyon, die, wie er sagt, damals einen Bischof ohneMacht und einen Leiter ohne Wahrheit habe. 4 ) Als nun Agobard, an dessen
Die Adressaten waren in Diedenhofen zu einer
') In c.l (Migne 119, 15 C) stellt Florusseine Quellen zusammen. Es sind Cyprian,Ambrosius, Augustin, Hieronymus, Gregor,Fulgentius, Severianus, Vigilius, Isidor, Bedaund Avitus. Siehe über das Werk R.Mönche-meier, Amalar von Metz (Münster 1893)S. 206 ff.
2 ) Siehe darüber Rud. Sahre, Der Lit-urgiker Amalarius (Dresden 1893) S.XXXVIff.
Synode versammelt.
3 ) Siehe R. Sahre a. a. 0. S. XXXVII f.
4 ) Kap. 8 (Migne 119, 88 A) ut habeatepiscopum sine potestate, magistrum sine veri-tate. Kurz zuvor spricht sich Florus über seinVerhältnis zur Lyoner Kirche aus: ecclesiaehuius dominae meae et nutricis meae loquor,cui non solum ... exhortationis verbum sed et
Handbuch der Mass. Altertumswissenschaft. IX, 2. 3b