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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Streit mit den Juden Florus ebenfalls teilgenommen hatte, wie sich ausseiner kleinen Kanonsammlung ergibt, von Ludwig begnadigt worden warund im Jahr 840 starb und ihm Kaiser Ludwig im Tode nachfolgte, schrie]}Florus ein längeres Klaggedicht über den Tod des Kaisers, in dem er dieNatur auffordert, zu weinen und zu trauern, denn Recht sei jetzt in Unrechtverkehrt, die Kirche erhalte nicht die ihr gebührende Ehre, die weltlichenGroßen seien in Kampf miteinander geraten und Bistümer ständen verwaistda. Im Gegensatz zu diesem Zustand des Jammers, den der Dichter ohneZweifel beträchtlich vergrößert hat, findet sich im weiteren Verlaufe desGedichts eine glänzende Schilderung der früheren blühenden Zeiten desReiches, worauf ein trauriges Bild von dem politischen Zerwürfnis derGegenwart folgt; das Gedicht schließt mit geistlichen Betrachtungen überdie Schrecknisse der Zeit.
Außer jener mehr politischen Wirksamkeit hat Florus aber auch biszum Tode Ludwigs Zeit gefunden, sich in Arbeiten andrer Art zu vertiefen.Schon vor längerer Zeit hatte ihn Abt Hyldrad von Novalese um die eigen-händige Verbesserung seines Psalters gebeten. Hierbei ging nun Florusgründlich zu Werke. Er verglich nämlich den Text (in der Übersetzungdes Hieronymus) mit dem der Septuaginta und dem hebräischen Originaleund suchte durch die verschiedenen Lesarten der Codices hindurch zurrichtigen Überlieferung zu gelangen und vor allem die kritischen Zeichenan die richtigen Stellen zu setzen. In dem Begleitbriefe an Hyldrad aberlegt er diesem eine ganze Reihe von Abweichungen der Übersetzung vomhebräischen Original vor und gibt außerdem eine Menge Anweisungen füreine neue Abschrift des Psalters, die sich Hyldrad vorgenommen hatte;diese Anweisungen bezeugen, daß es Florus mit der Abschrift des bibli-schen Buches sehr ernst nahm und nur eine hervorragend reine und schöneArbeit entstehen sehen wollte. Von ein wenig Eitelkeit zeugt es allerdings,daß er dem Hyldrad riet, auch den Brief mit abzuschreiben, den er ihmgeschickt, und sogar das Gedicht 1 ) zu kopieren, das er mit dem Briefean ihn übersendet hatte und in dem Florus dem Abte gleichfalls von seinerbedeutenden Arbeit schreibt, die er bei jenem mühsamen Werke ver-richtet hatte.
Auf das kanonistische Gebiet hingegen führten den Florus die Streitig-keiten mit den Juden und die Übergriffe des Bischofs Modoin von Autun.Mit letzterem hatte sich Florus ehedem gut gestanden, er dankt ihm ineinem Gedicht (N. 25), daß er die Beschäftigung mit heidnischer Poesieaufgegeben und sich zur christlichen Dichtung gewendet und daß er ihnmit einem Gedicht beglückt habe. Und ein zweites, sehr höfliches und vonLob überquellendes Gedicht des Florus spricht dessen Dank für ein weißes
omne debeo caritatis et pietatis obsequium.Ueber die Reihenfolge der drei Schriften desFlorus gegen Amalar s.R.Sahre S. XXXVIII f.Auf eine weitere Streitschrift des Florus imSangall. 681 s. XI p. 6 ff. macht aufmerksamR. Mönchemeier, Amalar von Metz (Münster1893) S. 37 ff. Derselbe gibt S. 44 ff. wesent-lich andere Bestimmungen für die Ansetzung
der drei anderen Streitschriften, vgl. S. 49;der Abdruck der vierten Schrift erfolgt S. 235bis 254.
*) Es ist Carm. 22, PL. 2, 549 f. — DasGedicht fehlt aber in der Hs., die jenen Psalterüberliefert (Vat. 5729 s. XI), und in den Hss.des Gedichts (Ambros. B. 120 s. XV und Co-lon, capit. 45 s. X) fehlen Psalter und Brief.