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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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558 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

einteilung und leitet zum eigentlichen Stoffe über. Das Martyrologium selbstin 871 Hexametern zählt innerhalb der nach dem römischen Kalender vor-geführten Tage die Heiligen auf, wobei jedem Monat ein allgemein gehaltenesDistichon vorausgeschickt wird. Das Gedicht ist, wie es der Stoff mitsich bringt, in hohem Maße eintönig und gleichförmig, zu irgendwelchervariierenden Belebung wird gar nicht der Versuch gemacht. Die größteSchwierigkeit bestand hier für den Dichter darin, die dem Metrum oftgänzlich widerstrebenden Namen in den Vers zu bringen; wegen etwa hierunterlaufender Fehler hatte er sich schon in der Propositio entschuldigt. 1 )An das Ende hat er eine Conclusio gestellt, die in gemischt metrischenStrophen an Christus gerichtet ist und in der der Dichter erklärt, er stehe jetztim fünfunddreißigsten Jahre und habe noch nichts Rühmenswertes getan; wegendieses Gedichts erbitte er aber Christi Gnade. Dann ertönt ein Hymnus insapphischen Strophen zum Lobe Christi und aller Heiligen. Hieran schließtsich ein längeres Lehrgedicht in 366 Hexametern, in dem mit Anwendungvieler Literaturkenntnis hauptsächlich sind es die Gedichte Vergils,Ovids Fasten und Metamorphosen sowie einige Gedichte der lateinischenAnthologie und Isidors Etymologien über die Namen und Himmelszeichender einzelnen Monate sowie über die Witterungserscheinungen und Be-schäftigungen der Menschen gehandelt wird. Die Naturschilderung ist teil-weise hübsch und anschaulich (vgl. Vs.8893) und das Gedicht dient vorzugs-weise praktischen Zwecken, man könnte es einen Kalender für Landleuteund Jäger nennen, in dem auch das Medizinische nicht fehlt. 2 ) Es ist daseinzige der von Wandalbert erhaltenen weltlichen Gedichte, das sich mitWalahfrids De cultura hortorum vergleicht. A. Riegl 3 ) hat darauf hin-gewiesen, daß sich in dem Gedicht ein Fortschritt in der Darstellungsformgegenüber den römischen Vorbildern geltend macht, indem bei den Monatendie persönliche Auffassung fast gänzlich hinwegfällt. Auch vom kunst-historischen Standpunkt aus betrachtet, ist das eigentliche Martyrologiumwichtig. Jedem Monat ist nämlich im Vat. reg. 438 (aus dem Anfang des10. Jahrhunderts) zu den Versen aus Anthol. lat. 640 ein Bild beigegebenworden, und Riegl 4 ) wies nach, daß wir in diesem ältesten außerbyzan-tinischen bildlichen Monatszyklus die Elemente zur mittelalterlichen Kalender-illustration finden. Es gehen nämlich nicht alle Bilder auf die Antike zurück(Juli, August, November, Dezember), und wenn die Bilder auch antike Formaufweisen, so ist doch ihr Inhalt ein neuer, er schließt sich dem Lebender Gegenwart an.

Hierauf folgt ein kurzes Gedicht über die gleichen Monatspaare undüber die Stunden, welche gleichen Schatten besitzen, während in einemweiteren die Tagesstunden durch die Länge des menschlichen Schattensbestimmt werden. Daran schließt sich als letztes Stück ein Gedicht in

"Vs. 10 veniam pietute merebor. | des 9. Jahrh. für typisch. S. 288290 gibt

») Vgl.Vs. 118121. 154 f. Das Ge-dicht ist übersetzt von P. Herzsohn, West-deutsche Ztschr. 1, 280288. Im Vorwort zudieser Uebersetzung nennt es Th. v. Inama-Sternegg ein Wirtschaftskalendarium undhält es für das mittelrheinische Landleben

Herzsohn nützliche Anmerkungen zur Erläu-terung des Gedichtes.

3 ) Mitteilungen d. Instituts f. österr. Ge-schichtsforschung 10, 36.

4 ) A. a. O. S. 41 ff. 47.