Wandalbert von Prüm. 557
So ist auch die Ueberlieferung ganz spärlich: Vindob. 614 s. X enthält das Gedicht aufLudwig; daraus ist wohl kopiert Mus. Brit. Harlei. 3685 s. XV f. 55—92, der aber f. 30 auchdie zwei Bücher auf Pippin enthält. Ausgabe aus dem Vindob. von Muratori, SS. rer. Ital.2,2,3—80 (danach Bouquet, Rec. des hist. des Gaules 6,1—66. Migne 105, 551—640), ausbeiden Hss. Pertz, MG. SS. 2,466—523 und besonders Dümmler, PL. 2, 5—91. KritischeNachlese von L. Traube, PL. 2,722 und Karolingische Dichtungen S. 65. Uebersetzung vonPfund in Geschichtschreiber d. deutschen Vorzeit 1856. 1889 (mit kurzer Einleitung).
93. Wandalbert von Prüm.
Wandalbert ist im Jahre 813 wahrscheinlich in Westfranken geboren.Er wurde Mönch im Kloster Prüm unter dem Abt Marcward, dem Freundund Korrespondenten des Lupus. Marcward bat ihn, das Leben des heiligenöoar, dessen am Rhein gelegene Zelle Pippin dem Kloster geschenkt hatte,in reineres Latein zu bringen und die Wunder an seinem Grabe hinzu-zufügen. Diese Arbeit vollendete Wandalbert um 839 und widmete sieseinem Abte. Außerdem trat er frühzeitig als Dichter auf und er scheintnicht selten Gedichte weltlichen Inhalts gemacht zu haben, durch die erauf die Menge wirken wollte. Doch erhielt seine Dichtkunst eine andereRichtung, als er wohl im Jahre 847 bei dem Kölner Kleriker Otric weilte,der ihn bat, ein metrisches Martyrologium abzufassen. Wandalbert erhieltzu dieser Dichtung ausreichende Hilfe und Unterstützung durch seinenFreund Florus von Lyon, der selbst ein solches Werk Bedas mit Zusätzenversehen hatte. Wandalbert fand nämlich in den ihm vorliegenden Quellen,den Martyrologien des Hieronymus und des Beda, große Verschiedenheitbei den Heiligentagen. So wandte er sich an Florus, der ihm den Stoffin alten und korrekten Handschriften schickte und wohl auch seine eigneArbeit sandte. Hierauf fußte der Dichter und verfaßte in der nächstenZeit, d. h. bis 848, r ) ein größeres Dichtwerk, in welchem auf das eigent-liche Martyrologium nicht ganz die Hälfte kommt. Er umgab es nämlichmit einem ganzen Kranz von Gedichten von sehr verschiedenem Inhalt undmannigfacher Form. Das eine richtete er an Kaiser Lothar, dem er hiermitdas Werk überreichte, und der ganzen Dichtung stellte er einen längeren,besonders die Versmaße erläuternden Brief voran, mit dem er das Werkseinem Kölner Freunde Otric widmete. Das Martyrologium wird eröffnetdurch eine Invocatio an Gott in asklepiadeischen Versen. Es folgt eineAllocutio an den Leser in angeblichen katalektischen daktylischen Tetra-metern, die sich aber als katalektische Asklepiadeen erweisen. 2 ) Hieraufbeginnt eine Commendatio an Otric in Hendekasyllaben, der sich das Ge-dicht an den Kaiser in adonischen Versen anschließt. In einer kurzenPropositio in Hexametern erklärt dann der Dichter, daß er sich jetzternsteren Stoffen zugewandt habe, um die Gunst des Himmels zu erwerben.Die Comprehensio der Monats-, Tages- und Stundenzeiten in Hexameterngibt in einem kurzen Lehrgedicht oberflächliche Orientierung über die Zeit-
l ) Mit dieser Zeit stimmt, daiä das letzteim Martyrolog 683 ff. (p. 597) erwähnte Fak-tura die Translation der Heiligen Chrysanthusund Daria (844) ist. Vs. 354 f. (p. 588) wirdLudwigs des Frommen Tod (840) erwähnt.
2 ) Wie die Verse des Candidus an Mode-stus (PL. 2, 96) und in der Vita Aeigili 2,124—127 (PL. 2,111) sowie die Verse HrabansDe transitu monachorum (PL. 2, 204 N. 40).