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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
dem erst der König und Thalia teilnehmen, an dem sich aber auch baldder Rhein und der Wasgau beteiligen. Dem König gefällt nämlich dieAntwort Thaliens und auf seine Frage nach dem Dichter offenbart sie ihm,daß dieser sich im Elsaß befinde. Sie erwähnt hierbei den Rhein und denWasgau, die nun ebenfalls beide auftreten und ihre Vorzüge anführen,wobei der Wasgau den Rhein beschuldigt, daß er das Getreide und denWein des Elsasses ausführe, dessen Bewohner nun hungern und durstenmüßten; der Rhein erwidert hierauf, daß er dafür von den Friesen schöneStoffe und viel Geld erhalte. Thalia macht diesem Streit ein Ende undwendet sich dann nach Straßburg und preist den Bischof Bernold, bei demder Dichter ein so günstiges Exil gefunden habe, daß er von Verbannungnichts verspüre. 1 ) Freilich sei er aus der Heimat vertrieben und könneden König nicht sehen, was er als seinen wesentlichsten Mangel erachte.Hierauf antwortet der König, daß viele große Männer die Verbannungertragen hätten; damit solle sich der Dichter trösten. Im zweiten Buchwendet sich Ermold selbst an Pippin. Nachdem er dem Könige die stärkstenLobeserhebungen gemacht, besinnt er sich auf seine Rolle als Geistlicherund läßt eine Menge Ermahnungen folgen, die er der Bibel und der Heiligen-legende entnahm. Hierauf führt er die Mitglieder des Herrscherhauses vonPippin von Herstal an bis auf Kaiser Ludwig vor, dessen Ruhm und Preisins Unmäßige geht; ihm solle der junge König nachstreben und ihn zumBeispiel nehmen. Mit den aufrichtigsten Segenswünschen für Pippin undseine Gemahlin Irmgart schließt dies ungemein lobrednerische Gedicht,dessen poetische Stärke durchaus im ersten Buche im Wettstreit zwischenRhein und Wasgau zu suchen ist.
Die Form der Gedichte ist nicht stets korrekt. Prosodische Verstößefinden sich allerdings nicht häufig 2 ) (s. PL. 2, 2 n. 6), in griechischen Wortens. Hlud. 4, 525 und 683, aber es begegnen Wortformen wie Caesera (Kaiserin)Hlud. 4, 515, copia als acc. plur. neutr. Pipp. 1, 85, vgl. PL. 2, 2 n. 5, wodie Abweichungen vom Sprachgebrauch aufgeführt werden. Gern bedientsich Ermold archaistischer Formen wie induperator, induperans, inditperatrix,vgl. Hlud. 2, 435. 451. 488. 557; 4, 361. 428, auch läßt er die Tmesis zu,vgl. Hlud. 3, 554; 4, 13. 179; Pipp. 2, 221; Frcmcicus gebraucht er nebenFranciscus Hlud. 2, 550; 3,14; 4, 630 — 3, 232, 344. 435 usw. Der Reimtritt nicht sehr häufig auf (vgl. Hlud. 4, 627), nicht selten ist der Flexions-reim im Innern, vgl. Hlud. 1, 229. 493; 2, 43; 3, 317. 403; 4, 38. 172. 596;Pipp. 1, 43. Die vielfachen wörtlichen Anlehnungen an Vorbilder s. in denNoten zu Dümmlers Ausgabe, ferner PL. 2, 699. Benutzung bei späterenSchriftstellern scheint sich nur in der Vita b. Leudegarii 3 ) zu finden, 4 ) dieGedichte blieben lange Zeit unbekannt.
s ) 1,169 Plura quid hinc referam? solose nomine profert, Cetera namque simul prae-sul et extil habent. Inde tibi potius debentw,rex pie, grates, Haec quia cuncta facit certein amore tuo.
2 ) Natürlich wenn man von den üblichenLizenzen der Zeit absieht, wozu vgl. Hlud. 1,22. 32. 34. 76 usw. Sehr häufle sind mono-
syllabische Verse (echte Hlud. 2, 553. 3, 453.609. Pipp. 1.143).
s ) Vgl. Traube, PL. 3, 3. 4 und die An-merkungen zur Ausgabe.
4 ) Denn Ecbasis captivi 514 Heu male fidacohors ist wohl ein zufälliger G-leichklang mitHlud. 2, 365.