Ermoldus Nigellus. 555
beginnt mit dem Reichstag zu Aachen 813, wo auf Veranlassung EinhartsLudwig zum Nachfolger des Kaisers bestimmt und gekrönt wird. Ausführ-lich wird dann Ludwigs Regierungsantritt erzählt und besonders bei demBesuche Stephans IV. in Rheims und der Wiederholung der Krönung durchden Papst verweilt. Hieran schließt sich eine durch andere Quellen bestätigteDarstellung der kirchlichen Reformen vom Jahr 817 und die Stiftung desKlosters Inda an. Das dritte Buch ist in der Hauptsache dem Feldzuggegen die Bretonen im Jahr 818 gewidmet, bei dem Ermold als Augenzeugezu berichten scheint, da er hier eingehender als alle übrigen Quellen erzählt.Dichterisch anziehender ist das letzte Buch, das von der Mission bei denDänen und von der Taufe des Dänenkönigs Heriold handelt, wobei erstdie Tätigkeit Ebos von Rheims zur Sprache kommt und der Bretonenfeldzugvon 824 eingeschoben wird. Besonders wichtig aber ist hier ein längererExkurs über einen Aufenthalt Ludwigs zu Ingelheim, der kunsthistorischvon Wert ist. Es werden nämlich hier Vs. 191—218 und 221—242 vier-undzwanzig Bilder aus der Kirche in je einem Distichon kurz berührt, vondenen dreizehn auf der linken Seite befindlich waren und Szenen aus demAlten Testament darstellten, während die elf Bilder auf der rechten Seiteneutestamentliche Gegenstände behandelten. Wir finden hier im allgemeinendieselben Stoffe, die das Dittochaeon des Prudentius in Vierzeilen gab, dochhat sich Ermold nur einmal an dessen Text angelehnt (Vs. 227 vgl. mitDittoch. 114). Und eine zweite Serie von Bildern folgt dann Vs. 247—282,deren erster Teil bekannte Szenen des Altertums darstellte, bei deren Er-wähnung sich Ermold an Orosius 1 ) anschloß; der andere Teil der Bilderbot geschichtlich wirksame Tatsachen aus dem Leben Konstantins 3 ) undTheodosius des Großen und schloß mit Darstellungen aus dem FriesenkriegeKarl Martells, dem Aquitanenkriege Pippins und den Sachsenkriegen Karlsdes Großen. Dann erst folgt in ausführlicher Schilderung die Taufe Haralds,aus der sich als recht anschauliches Bild der Kirchgang nach vollzogenerTaufe heraushebt; auch die sich an die Festlichkeit anschließende kaiser-liche Jagd ist eindrucksvoll und lebendig dargestellt, sie scheint ihr Vorbildin der Jagd zu haben, die sich in dem Epos über Karl und Leo findet.Das Gedicht schließt mit der Erwähnung von Straßburger Kirchen und mitder Bitte an Ludwig und an Judith, dem Dichter Verzeihung zu gewähren.Gedicht auf König Pippin. In dem zweiten Gedicht fordert Ermolddie Muse Thalia 3 ) auf, zur Charente zu eilen und den König mit seinerGemahlin in einer prächtig gebauten Pfalz (wahrscheinlich Andiacum) auf-zusuchen. Dort möge sie von dem Dichter in der Verbannung sprechen,dann werde sie sicher von einem seiner Freunde vor den König gestelltwerden. Vor ihm müsse sie sich niederwerfen und seine Füße küssen. Mitder Frage des Königs, wer sie sei und wer sie gesendet habe, beginnt nundas Gedicht, das sich sehr stark an die frühere Hofpoesie anlehnt, zurEkloge zu werden, denn es besteht nun aus einem Wechselgespräch, an
>) Nämlich an Oros. 2, 6, 2 f. 2,7, 6. 1,20. 3 ) Sie gilt in der karolingischen Zeit
2,4. | schlechthin als die Muse der Dichtkunst; eine
-) Die Vs. 271 erwähnte Tatsache gehört | andre Muse wird selten genannt, so Erato
allerdings den geschichtlichen Fabeln an. | von Walahfrid de cult. hört. 237.