Aedilvulf. Ermoldus Nigellus. 553
I und war vielleicht Mönch. Seine ziemlich genauen Kenntnisse aus der ZeitKarls des Großen und die vielfältige Benutzung der höfischen Dichtungjener Zeit lassen aber eher in ihm einen Weltgeistlichen vermuten, derdem Hofe nicht ganz fern gestanden haben kann. Mindestens muß er inVerbindung mit dem aquitanischen Hofe gewesen sein, sonst ließe sichseine genaue Berichterstattung über den Feldzug Ludwigs gegen die spanischeMark, über den Reichstag zu Aachen 813 und über die der ThronbesteigungLudwigs folgenden Verhältnisse nicht erklären. Ermold blieb in der Gnadedes neuen Kaisers und auch in dessen Sohne Pippin fand er einen Gönner,in dessen Gefolge er den Feldzug gegen die Bretonen 824 mitmachte, wobei
I er sogar in Waffen erschien; freilich hat er, wie er selbst sagt, niemandverletzt und als der junge König ihn sah, lachte dieser und bedeutete ihn,lieber zu den Büchern zurückzukehren. Bald darauf wurde jedoch Ermoldbeim Kaiser verklagt, daß sein Einfluß auf den König kein guter sei, undLudwig verbannte ihn zu Bischof Bernold nach Straßburg. Hier hatte erZeit, über seinen Sturz zu klagen, und wahrscheinlich hatte er schon mehrmalsbrieflich den Kaiser um Verzeihung für sein Vergehen gebeten, als er sich 826entschloß, ein großes Lobgedicht in elegischer Form auf Ludwig zu schreiben.Am Schlüsse des vierten Buches bekennt er durchaus nicht unschuldig zusein, aber sein Vergehen sei, wie er das auch am Ende des zweiten Gedichtsan König Pippin ausspricht, durch andere Personen vergrößert worden.Das große Gedicht trägt fast den Stempel von Fortunats höfischer Poesie,durch die der gewandte Romane den literarisch mehr oder weniger naivenFrankenkönigen schmeicheln wollte und konnte. Das Lob ist faustdick auf-getragen, und wüßten wir nur durch Ermold etwas über Ludwig den Frommen,so würde dieser in der Geschichte keinen geringen Glorienschein besitzen.So leicht hatte es aber der versgewandte Aquitane bei dem Frankenkaisernicht mehr, Ludwig ließ sich nicht zur Verzeihung bewegen. Daher betratErmold nunmehr einen mittelbaren Weg, den Kaiser umzustimmen. Erwandte sich in einem weiteren Gedicht an König Pippin und verband jeden-falls damit die Hoffnung, daß dieser ihm beim Vater Verzeihung erwirkenwerde; denn im Schlußabschnitt des zweiten Buches verweist der Dichterden Sohn auf des Vaters Tugenden und ruft ihm zu: „Nicht anderwärts,sondern im Vater suche dein Vorbild; nur das tue, was er vollführt hat,und was er jetzt tut, das nimm dir zum Muster." Das ist eine deutliche,nicht mißzuverstehende Sprache. Aber auch dieser Versuch scheint mißglücktzu sein, und Ermold wird wohl erst im Kampfe der Söhne gegen den Vaterseine Befreiung aus der Straßburger Haft erlangt haben, wenigstens er-scheint im Jahre 838 in Pippins Nähe ein Kanzler Hermold, der wohl mitdem Dichter identisch sein dürfte. Merkwürdig bleibt aber, daß weder diePerson Ermolds noch seine Gedichte bei irgend einem Zeitgenossen erwähntwerden; dazu stimmt, daß die Überlieferung der Gedichte eine ungemeinspärliche ist. Obwohl also diese das Lob so stark auftragenden Gedichteaus dem Gedächtnis der Menschen für viele Jahrhunderte fast verschwanden,so sind sie doch keine unverächtlichen literarischen Erzeugnisse. Einmalgeben sie Kunde von der Fortsetzung der höfischen Poesie im 9. Jahr-hundert mit allen ihren Schwächen und dann enthalten sie ein gutes Stück