Modoin von Autun.
549
zum Lobe des Kreuzes mit Anlehnung an Fortunatus, Carm. spur. 3 (ed.Leo p. 381).
Hs.: Bern. 212 s. IX—X. Ausgabe: H. Hagen, Carmina medii aevi p. 116 ff. Gesamt-ausgabe: Dummler, PL. 1,150 ff. Vgl. Hauck 2,154.
90. Modoin von Autun.
Modoin oder Muadwin, von unbekannter Herkunft, hat jedenfalls inLyon seine Ausbidung erhalten und wurde dort Abt in dem Kanonikat vorSt. Georg. Ludwig der Fromme erhob ihn 815 zum Bischof von Autunund Modoin blieb dem Kaiser auch in der Stunde höchster Gefahr auf demLügenfelde im Jahr 833 treu. Er ist aber schon zur Zeit Karls am Hofegewesen, denn er (Naso) feierte in einem Doppelgedicht die glückliche undruhmreiche Zeit des großen Kaisers und rühmt dabei die bedeutendsten Dichterseines Hofes. Damals war er in ein engeres Verhältnis zu Theodulf ge-treten, der ihm später (nach 817) ein größeres Gedicht aus seiner Ver-bannung sandte, das Modoin 820 mit einem Trostgedicht beantwortete.In den Kriegsjahren wandte sich Walahfrid mehrmals an ihn und bat ihnum ein Gedicht; wahrscheinlich erfüllte Modoin diese Bitte, denn Walahfridschickte später an Prudentius die wohl von diesem erbetenen GedichteModoins und erbat sich hierfür andere Bücher. Aber auch mit Angilbertverband ihn jedenfalls Freundschaft, denn in jener Aufzählung der Dichterstellt er ihn voran und nennt ihn „mein Homer". In den letzten Zeitenseines Lebens unterhielt Modoin regen Briefwechsel mit dem Diakon Florusvon Lyon, der ihn in einem Gedicht auffordert, den poetischen Gehalt derheiligen Schrift und nicht die alten Dichter zu studieren, während er ihmin einem anderen ernste Vorstellungen wegen seiner Übergriffe in die LyonerKirche macht und in einem dritten sich für Geschenke und einen Briefbedankt. Innerhalb der Jahre 840 und 843 ist er gestorben.
Zeugnisse. Modoinus beißt der Name bei Theodulf (PL. 1, 563) und in Modoins Ant-wort p.569, bei Walahfrid (PL. 2,404, 356; und 355 im Vat. reg. 469), Moduinus bei Florus(PL. 2, 553. 555) und im Lorscher Katalog (B. 37, 542 = 38,127), Motvinus im ReichenauerVerbrüderungsbuche (Libri confraternitatum S. Galli Augiensis Pabariensis p. 257), danach un-richtig Mortvinus in Cluni (Delisle, Le cab. des mscr. 2,470 N. 319), Muaduuinus 821 inBeichenau 1 ) (B. 6,402), Muatwinus bei Walahfrid (PL-2, 355); danach scheint Muadwin dieeigentliche, Modoin die angenommene, latinisierte Namensform zu sein. Zur Herkunft: Ebert(Ztschr. f. deutsch. Altert. 22, 328 ff.) vermutete angelsächsische Abstammung (vgl. Diimmler,PL. 1, 382 f.), doch ist mit Diimmler (Neues Archiv 11, 80) wohl an fränkischer Herkunftfestzuhalten. Seine Zugehörigkeit zur Lyoner Kirche und die Abtstellung ergibt sich ausdem Eintrag ins Reichenauer Verbrüderungsbuch (Mabillon, Analecta vetera p. 426, Libriconfraternit. p. 257) und aus dem eindringlichen Gedicht des Florus als Anwalts der Kirchezu Lyon Carm. 27 (PL. 2, 555 ff.; s- besonders Vs. 37 O fili Modwime tibi — nam pignus et ipseEs nostrum, nostro fotus et in gremio). Bischof von Autun s. Gallia christiana 2, 35 undep. Odonis Ferrar. an Jonas 2 ) (MG. Ep. 6, 33, 28 f.). Zur Treue gegen Ludwig s. Ann. Berti-niani 833, Randnote im Audomar. 706 Drogo vero frater imperatoris et Modoinus ... epi-scopi... cum illo remanserunt (ed. Waitz p. 6); über Modoin und Ludwig s. B. Simson,Jahrb. d. fränk. Reiches unter Ludwig d. Fr. 1, 248. 289; 2, 50. 128. 134.
Das Doppelgedicht sind die Eklogen PL. 1, 385. 387, die durch einen Prolog und Epilogdem Kaiser gewidmet wurden; dort 1, 85 ff. (p. 387) Erwähnung von Homer us, Flaccus, Theu-
') Daß der Name des Dichters noch zudessen Lebzeiten in einem Katalog aufgeführtwird, bezeugt das hohe Ansehen, in dem Mo-doins Dichtungen standen; vgl. Walahfridi
Carm. 6 (PL. 2, 356) Vs. 23.
2 ) Dieser Brief des Abts Odo von Fer-neres stammt vom 11. Aug. 840.