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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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548
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548 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

bat ihn um Nachricht in betreff König Karls und um Ausführung ver-schiedener Aufträge; in einem zweiten Briefe tröstete er ihn wegen seinesKrankseins. Um dieselbe Zeit widmete Joseph ihm seine Abkürzung desHieronymuskommentars zu Isaias, die er auf den Wunsch seines Lehrersverfaßte. Am fränkischen Hofe aber war Joseph, der wohl hier die Würdeeines Abts erlangt hatte, zum König in ein näheres Verhältnis getretenund richtete an Karl vier Figurengedichte, die in der Weise der von Por-firius Optatianus an Konstantin gerichteten Gedichte gehalten sind. Außer-dem verband ihn Freundschaft mit dem Friesenapostel Liudger, an den ereinige Verse richtete. Außerdem scheint Joseph Rätsel gedichtet zu haben,die aber verloren sind. Nicht lange nach 791 muß er gestorben sein, daAlchvine zwischen 791 und 796 den Bischof Remedius von Chur in einemkurzen Schreiben bittet, für das Heil von Josephs Seele zu beten.

Zeugnisse. Die Abstammung Josephs ergibt sich aus der Aufschrift von Carm. 3(PL. 1,152) loseph abbas Scottus genere und aus der Aufschrift in Lorsch s. IX (B. 37, 370)excerptlo super Esaiam Iosephi Scott. Verhältnis zu Colcu (über diesen s. Simeon Dunelm.hist. reg. Angl. 794) s. Ale. ep. 7 p. 32, 22 (an Colcu) quod ego fihus tuus et loseph vernaculmtuus ... sani sumus und ep. 8 p. 34,14 (an Joseph) Sarins est magister vester Colcu; Verhältniszu Alchvine s. Ale. ep. 8 p. 33, 14 Flaccus Älbimis filio Iosepho salutem und ep. 14 p. 40, 6Dilecto filio Ioseppo Albinus salutem. Da die Abtswürde nach der Aufschrift von Carm. 8feststeht, Alchvine aher in beiden Briefen keine Anspielung darauf macht, so wäre die Er-hebung zu dieser Würde vielleicht erst nach den Briefen anzusetzen; dem widerspricht aberwohl ep. 14 p. 40, 22 Valde placet quod domum dei renovare coepisti. Stude ut et istam per-ficias et alteram, de qua praesens dixi, da Joseph hiernach eine hohe Kirchenstellung habenmußte. Die Widmung (Brief und zwei kurze Gedichte) des Jesaiaskommentars ist ge-druckt PL. 1,151 und MG. Ep. 4, 483; das Werk ist von Alchvine gewünscht, s. Carm. 2,7p. 151 Sic placet Albino talem nos ferre laborem und 2, 2, 5 Sic ideirco tuis parens, caris-sime, iussis, Haec, Albine, tibi strictim collecta dieavi und Ep. 4, 483, 24 sicut, dilectissimemagister Albine, iussisti, devotus excerpsi. Das Werk ist erhalten im Paris. 12154 s. IX (ausCorbie) und im Sangall. 254 s. IX. Alte Aufschriften: Fulda s. IX (B. 13, 18), Lorsch s. IX(B. 37, 370) und Corbie s. XII (B. 79, 203 = 136, 212 = Paris. 12154). Das Verhältnis zumKönig ergibt sich aus den vier Gedichten, vgl. Carm. 4, 1. 14 und 40 (Pauca tibi scripsi...Carmina, si iubeas sedplus, superaddo camenas); 5, 42 f. Das Gedicht an Liudger hat dessenBiograph Altfrid in sein Leben aufgenommen (Vita Liudgeri 1,19 ed. Diekamp, Geschiclits-quellen d. Bist. Münster 4, 22). Die Rätsel werden 903 in Passau genannt (B. 28, 37) Enig-mata Symphosii et Älthelmi et Ioseppi, welche Namensform mit der in Ale. ep. 14 p. 40, 6stimmt. Der Brief Alchvines an Remedius ist ep. 77 p. 118, wo 119, 6 Iubeas, obsecro, orarepro anima Ioseppi diseipuli mei. Dieser Wunsch Alchvines und die Aufbewahrung derRätsel in Passau scheinen zu erweisen, daß Joseph nähere Beziehungen zu Alamannien undBayern gehabt hat.

Gedichte. Das Gedicht an Liudger preist den Freund in jeder Be-ziehung und Joseph erbittet sich am Ende einen Stock als Gegengeschenk;Hss. Leid. Voss. Q. 55 s.X51, Cassel. theol. qu. 29 s. XXI, Mus. Brit.Harlei. 2800 s. XIII. Von den Carmina figurata an Karl behandelt das ersteden typologischen Gegensatz von Eva und Maria. Im zweiten rühmtder Dichter den König wegen der Weisheit seiner Lebensanschauung.Das dritte besteht aus 96 Beiwörtern und Benennungen für Christus (38 Bisde nominibus per quae scriptura vocare Iesum saepe solei) und schließt mitdem Wunsche 43 Tuque memento mei, dicor qui nomine loseph; solcheZusammenstellungen von Beiwörtern aus der Bibel und den Kirchenväternwaren schon in früherer Zeit nicht selten. 1 ) Das vierte ist ein Gedicht

2 ) Vgl. Ambrosius de virginitate 16, 99 I Orientio tributa 2 und 3, 96146 (ed. Ellis(Migne 16,305). Ausonius Ephem. 81 f. (ed. \ p.243ff. 247ff.). Ennodius Carm. 1,9 (ed.Har-Peiperp. 11). Silvius Anth. lat. 689a. Carm. | tel p. 2529).