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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

gehören dem Angilbert Widmung und Nachschrift für eine Hs. von AugustinsDe doctrina christiana im Paris.13359 (zwischen 796 und 810), s. Traube, Abh,d. bayer. Akad. 19,322 ff. Außerdem hat Traube, Karol. Dichtungen S. 5160nachgewiesen, daß die meisten der dem Bischof Bernowin (= Barnoin vonVienne, 1 ) gest. 899) beigelegten Gedichte, nämlich N. 626 p. 414422 demAngilbert angehören, und daß Bernowin sich diese angeeignet hat; sie stehenim Vat. reg. 2078 s. IXX f. 117149.*) Auch wegen dieser Gedichte kannAngilbert am Hofe nicht als bedeutender Poet gegolten haben, sie gehörenohnehin wegen ihres geistlichen Charakters erst in seine spätere Zeit, wozustimmt, daß N. 22 p. 420 (neu hrsg. von Traube p. 55 f.) das Epitaph darstellt,das Angilbert für sich selbst gedichtet hat; dies Gedicht hebt sich von denübrigen wegen seines Inhalts sehr vorteilhaft ab. 3 )

Karolus Magnus et Leo papa. Ohne Aufschrift steht im Turic.C 78 s. IX X f. 104114 (aus St. Gallen) ein offenbares Fragment einesgrößeren Epos. Es zählt 536 Hexameter und der Anfang 4 ) beweist entweder,daß der Dichter sich schon anderweit in Epen versucht hatte, oder, waswahrscheinlicher ist, daß wir hier das dritte Buch eines Epos über dieZeitgeschichte vor uns haben. Der Dichter beginnt mit einem begeisterndenund nicht endenwollenden Lobe Karls. 5 ) Als Lehrer, heißt es, überrageder König so sehr alle andern, wie sein Reich allen übrigen voranstelle.Es folgt die Schilderung des Baues von Aachen, genau angepaßt an denBau Karthagos bei Vergil (Aen. 1,423428), so daß hier von Forum, Senats-gebäude, Theater, Thermen und Tempel die Rede ist. Ein in der NäheAachens liegender Wald gibt dann dem Dichter Gelegenheit zur glänzendenSchilderung einer Jagd, an der die ganze königliche Familie teilnimmt; 6 )besonders lebendig wird 302 ff. die Jagdfreude Karls dargestellt. Die zweiteHälfte des Gedichts beschäftigt sich dann mit dem Mißgeschick Leos III.im Jahre 799, das der König hier sogar in einem Traumgesicht erschaut,und das hier nach dem ersten an den Hof gelangenden Gerüchte ebensoübertrieben dargestellt wird, wie in den Lorscher Annalen. 7 ) Mehr an diegeschichtliche Wahrheit hat sich der Dichter gehalten bei der eindrucks-vollen Schilderung der Zusammenkunft von König und Papst zu Paderborn,obwohl auch hier manche Züge ausgeschmückt sind. Ohne jeden Zweifelstammt das Gedicht von einem Zeitgenossen, der wohl in der Umgebungdes Königs lebte. Ob es freilich ein Augenzeuge war, bleibe dahingestellt;sehr wahrscheinlich aber ist es nicht. Die Unterwürfigkeit Karls gegenden Papst, die stark hervortritt, spricht sehr dagegen, aber sie gibt dieSicherheit, daß der Dichter ein Geistlicher war. Man hat früher öftersangenommen, daß Angilbert der Verfasser gewesen ist, aber ich möchte

1 ) Vgl. Traube S. 59.

2 ) Die meisten dieser Gedichte sind akro-stichische, telestichische und mesostichischeSpielereien.

3 ) Vs.5 Dives er am quondam, lato famosusin orbe, principibus mutto carus amore piis.

4 ) Vs. 1 (p. 366) Rursus in amhiguosgravis amtnonet anchora calles Vela dare ...Languida quae geminas superarunt membraprocellas, Ad nova bella iubet Jassos reparare

lacertos.

5 ) Darin Vs. 62 die alte Königsbezeich-nung Inluster.

6 ) Von ßertha heifit es 222 Os mores ocu-los imitantia pectora patris Fert, von Theo-drada 257 etwas geschmacklos Clara Soplio-cleoque ornatur virgo cothurno nach VergilEcl. 8, 10.

7 ) Ann. regni Franc, p. 106 ed. Kurze.