542 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
epistel an Modoin hing er daher zwei Gedichte über ähnliche Materien an,N. 72, II und III, wo er zuerst über das plötzliche Ausbleiben des Wassersin der Sarthe bei Le Mans schreibt und dann nach dem Bericht einesGairardus eine sehr merkwürdige Vögelschlacht an der Grenze von Toulouseund Cahors schildert; im Anhang dazu beschreibt er einen ähnlichen Vor-gang zwischen Saöne und Ehone, den eine Rompilgerin einem PresbyterArlald und dieser dem Theodulf erzählt hatte. Alle diese Gedichte sindlebendig geschrieben und die darin erzählten Vorgänge mit besonderemGeschick dargestellt, allerdings unter starker Anlehnung an Ovid, dessenWerke für Theodulf eine außerordentliche Anziehungskraft besaßen.
Portleben, Handschriften, Ausgaben. Die hohe Wertschätzung der GedichteTheodulfs, die sich in den Urteilen des Modoin und Fiducia (s. oben) ausspricht, blieb auchnach dem Tode des Dichters in Geltung. Vor allem muß man die prosodiscbe Richtigkeitseiner Verse bewundert haben, denn Lupus sagt in ep. 20 (MG. Ep. 6, 27, 30) Nundinas inTheodulfi carmine legi producta paenultima und meint Carm. 69,47 p. 559. Mico von St. Riquierführt in seinem prosodischen Werke Praef. bibl. 103 als Vs. 79 unter dem Namen Paulinus(PL. 3, 282) und 201 als Vs. 129 (ib. p. 284) mit dem richtigen Namen an. Ein Dichter inLe Mans (um 835) eignet sich in einem längeren Gedichte über den Bischof Aldrich (Vs. 53,MG. PL. 2, 630) einen Vers aus dem Gedicht an Modoin an, vgl. Dümmler, PL. 2,701. DerVerfasser der Quaest. gramm. im Bern. 83 f. 72b führt (Hagen, Anecd. Helv. 186, 21) an atstudebamus corripuit Teudulfus et mederetur Sedulius.') Ille loquebatur nos stupebamus alt,Carm. 33, III, 8. Hincmar von Rheims erwähnt De divortio Loth. regis (opera ed. Sirmond1, 602) Et hinc ex sanctis scripturis et catholicorum dictis quidam orthodoxus et hisignis poeiainter alia scripserit dicens und führt Contra iudices 833—844 an. Und Ermenrich von Ell-wangen übernimmt in ein Gedicht seines Briefes an Grimald eine ganze Reihe von Versenaus Theodulfs Gedichten an Ajulf, s. die Noten von Dümmler, MG. Ep. 5, 568 f. NachSpanien ist einiges von den Gedichten wohl durch Eulogius gelangt, denn dessen FreundPaulus Albarus benutzt in einem Gedicht N. 9 (PL. 3, 132 ff.) die Versus in bibliotheca inganz ungewöhnlicher Weise, s. die Noten von Traube. In alten Katalogen erscheint Theo-dulf s. IX in Lorsch (B. 37, 542 = 38, 127), in Murbach (Straßb. Philvers. S. 272, 12), s. X—XIin einer unbekannten französischen Bibliothek (Catal. gen. des mscr. des dep. 1 (4°), 349) undin St. Oyan s. XI (Delisle, Le cab. des mscr. 3, 386, 86 = Paris. 2832 s. IX). 2 ) — Hss.: Leid.Voss. Q 15 s. X. Paris. 2832 s. IX, 18557 s. X, 5941 A s. XI, 8319 s. XL Sangall. 263 s. X,899 s. IX. Turic. civ. C.78. 451 s. IX. Ambros.C,74 sup. s. X; Mus. Brit. Harlei. 3685 s. XVist für die Kritik wichtig, s. Traube, Karoling. Dichtungen S. 66 f. Die beiden Haupthss. vonunbekannter Herkunft jedoch, die Sirmond und Mabillon benutzten, sind verloren, und derText der meisten Gedichte stützt sich daher auf die alten Ausgaben, nämlich Theodulfiopera ed. Sirmond 1646 und Mabillon, Vetera analecta 2 p. 410 ff., vereinigt in Sirmondi op.var. 2,1029—1128. Migne 105, 283—380. Kritische Ausgabe von Dümmler, PL. 1, 445—581,vgl. Neues Archiv 7, 401.11, 80 n.7. Contra iudices ed. H. Hagen, Bern 1882. N. 23 hrsg.von Cuissard im Anhange nach Bern. 212 s. X.
Theologisches. Für das Konzil von Aachen 809 bearbeitete Theodulf
im Auftrage Karls eine Schrift, in der er die Hauptstellen der Väter über
den Ausgang des heiligen Geistes zusammenstellte, da diese Frage, die im
Orient angeregt war, auf dem Konzil zur Verhandlung kommen sollte. Die
ganze Schrift besteht nur aus Anführungen, und es ist bezeichnend für die
hohe Geltung des Prudentius, daß Theodulf auch Stellen aus drei Dichtungen
dieses Spaniers bringt. Mit einem kurzen Widmungsgedicht sandte er
die Schrift De spiritu sancto an den Kaiser. Siehe Haureau p. 99.
Hauck 2,335.
Hss.: Mus. Brit. Harlei. 3024 s. IX (aus Arnstein), Paris. 1687 s. XL Turon. 113. Aus-gabe: Migne 105,239—276 (mit dem Gedicht).
') So ist wohl zu interpungieren, undstupebamus scheint für studebamus einzusetzenzu sein.
2 ) In der großen Dichterhs. Ambros. C 74
sup. s. X, die im alten Katalog von Bobbio(B. 32, 498) genannt wird, steht das GedichtContra iudices, doch hat der Armarius imKatalog nur die längeren Dichtungen erwähnt.