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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Theodulf von Orleans.

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nicht ganz, wie der Titel De eo quod tempöris Status et locus et causa etI motio Ingenium tractatoris adiuvat (N. 19 p.476). In späterer Zeit scheintTheodulfs Freude an der Dichtung zu wachsen, er behandelt jetzt den Hof,\. die Gesellschaft, die königliche Familie und dichtet Epitaphien. 1 ) Unddies persönliche Element, das sich seiner Dichtung jetzt zugesellt, machtdiese tatsächlich interessant, zumal der Dichter über subjektive Töne ver-fügt, die den andern Hofdichtern fehlten. Besonders wichtig ist dasfarbenreiche Gedicht Nr.25, 2 ) in dem er Karl zum Siege über die Avarenbeglückwünscht (796), und N. 27 an Corvulus, in dem Theodulfs Gelehrsam-keit sonderbar zur Schau tritt.

Kulturgeschichtlich von hohem Wert ist das Gedicht Contra iudices(N.28), 3 ) wo Theodulf von seiner im Verein mit dem für Lyon designiertenBischof Leidrat (Vs. 119 f.) unternommenen Amtsreise und der gemeinsamenTätigkeit ausgeht und die Gelegenheit zu Ermahnungen an die "Richter be-nutzt, wobei eine Menge moraltheologischer Exkurse einfließen; das Gedichtschließt mit der Forderung einer guten und gerechten Rechtsprechung.Und in einem andern Stück N. 29 beschwert sich Theodulf über die imFrankenreiche geübte strenge Strafjustiz gegenüber milderen Anschauungenim jüdischen Altertum. In dem Einleitungsgedicht zur Bibel N. 41,1 gebendie ersten 68 Distichen in kurzem den Inhalt der biblischen Bücher an,in der zweiten Hälfte des Gedichts spricht Theodulf als Theologe und Lehrerüber den Bibeltext; im Schlußgedicht hingegen spricht Theodulf über denInhalt derjenigen Schriften, die er dem Bibeltexte anhängte, nämlich dieChronographiab.Isidori, Eucherius de interpretaticne Hebraicorum nominumet Grecorum, Melitonis episcopi clavis und das Speculum domni Augustini.Von größerem Interesse ist das Gedicht über die Lektüre TheodulfsN. 45, das zuerst die lateinischen Kirchenväter aufzählt darunter dendamals noch nicht sehr verbreiteten Cyprian, von dem auch ein Werk inCarm. 14 p. 468 f. benutzt wird, dann von den Schriften der heidnischenWeisen, ohne Namen zu nennen, spricht, die christlichen Dichter nenntund dann im Anschluß an die Aufzählung von Pompejus, Donat, Vergil undOvid sich in rationalistischer Weise 4 ) gegen die alten Mythen wendet, eineStelle, die als Vorbild für das Gedicht des Theodulus gedeutet werden kann.Mitunter hat Theodulf Vorkommnisse des täglichen Lebens poetisch behandelt,wie in dem humoristischen Gedicht N. 50, wo er von einem Fuchse erzählt,der eben eine Henne geraubt und dann sich selbst gefangen hatte, odervon der Überlistung eines Pferdediebes N.51. Solche Dinge darzustellenreizte den Theodulf auch in seiner Klosterhaft zu Angers und seiner Klage-

1 ) Im Epitaph. Hadriani p. 489 ist Vs. 7 f.merkwürdig wegen des fünffachen Reims auf-ens,

2 ) Hier wird Vs. 97 eine Stelle ans einemGedicht der Anthologie im Leid."Voss. Q 86(Anth. lat. 393, 8) und 234 ein Vers aus Mar-tial benutzt (8, 20, 2); in heiden ist auch Lu-pus von Ferneres später zu Hause. Martialist aus zwei Aufschriften in alten Katalogensowie aus Paris. 8071 und eben jenem Leid.Voss. Q 86 für s.IX bekannt. Beide Hss. stehen

wohl in Verbindung mit Fleury, dessen hu-manistische Bedeutung wie die von Orleansim Zusammenhang mit Theodulf steht, vgl.Cuissard p. 169 ff.

3 ) Ausführlich handelt über das GedichtHaureauS.7175. G.Monod, Revuehistor.35,120.

4 ) 19 In guorum dictis quamquam sintfrivola multa, Flwima sub falso.tegmine veralatent.