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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Angilbert. 543

Im Jahre 812 ließ Karl an die Metropoliten den Befehl ergehen, ihreSuffragane um ihre Meinung über das Taufsakrament aufzufordern. AuchTheodulf nahm an dieser Arbeit teil, seine Schrift De ordine baptismihat sich erhalten. Sie ist mit einem Briefe an Erzbischof Magno vonSens gerichtet und behandelt in achtzehn Kapiteln den Taufritus, indem' sie ihn hauptsächlich durch biblische Stellen erklärt und erläutert. Auchhier fehlt unter den Zitaten Prudentius nicht. Siehe Haureau S. 91.

Hss.: Vat. reg. 284 s. IX-X (aus Fleury). Paris. 12279 s. X. Monac. 14532 s.X, 17195s. XII. Vat. Pal. 278 s. XI, vgl. Neues Archiv 12, 283. Ausgabe: Migne 105, 223240.Ep.4,533 N. 24. Siehe P. Wiegand, Prot. Realenzyklopädie 3 19, 622 ff.

88. Angilbert.

Der Franke Angilbert hat am Hofe selbst seine Ausbildung erhaltenund war wohl frühzeitig in besonderer Gunst bei Karl und seiner Familie,so daß er in der königlichen Kapelle eine wichtige Stellung einnahm undbei dem jungen Pippin von Italien Primicerius Palatii wurde. Enge Freund-schaft verband ihn auch bald mit Alchvine, in dessen Briefen und GedichtenAngilbert, der in der Hofgesellschaft den Namen Homer erhalten hatte,eine ziemliche Rolle spielt. Als er aus Italien zurückgekehrt war, über-trug ihm Karl in den Jahren 792, 794 und 796 wichtige Gesandtschaftenan den Papst; der schriftliche Auftrag, den er zu der letzten erhielt, isterhalten, wie auch das Begleitschreiben Alchvines an ihn und AlchvinesBrief an Leo, den Angilbert zu überbringen hatte, endlich auch AlchvinesNotifizierung seiner Reise an Paulin von Aquileja und ein hübscher Brief,den Alchvine an Angilbert nach Rom schrieb. Damals war Angilbert seitsechs Jahren Abt, denn der König hatte ihm, der wohl die geistlichenWeihen nicht besaß, die Abtei St. Riquier oder Centula (nördlich von Amiens)übertragen, eine Stiftung, deren sich Angilbert ungemein annahm. Dennder neue Abt hatte die vornehme Bildung an Karls Hofe ganz in sichaufgenommen und er versah sein Kloster nicht hur mit neuen, prächtigenBauten, sondern sorgte auch ungemein für die Bibliothek, deren Bestander auf zweihundertzwei Bände brachte. So verlangte auch Alchvine imJahre 801 die Gotengeschichte des Jordanis von ihm und nach dem Katalogvom Jahr 831 wird er keine Fehlbitte getan haben. Indes ist Angilbertjedenfalls auch als Abt viel am Hofe gewesen und hat seine zwei Söhnebesucht, die er von Karls Tochter Bertha erhalten hatte; seine weltlicheGesinnung, die er in der Freude an Schauspielen äußerte, wurde von Alchvineim Jahr 799 scharf mitgenommen. Man wird sich also in Angilbert einenMann von diplomatischen und höfischen Talenten vorzustellen haben, dessenfeinere Lebensbildung noch die Spuren des klassischen Heidentums aufwiesund der zu mönchischer Askese nicht gerade geneigt war. Um so mehrmochte Alchvine ihn in den Verkehr mit rechtgläubigen Elementen hinein-ziehen, und Angilberts brieflicher Verkehr mit Arn von Salzburg zeugt ebenwohl nicht nur von der hervorragenden Stellung des Abtes. Literarischaber scheint Angilbert nicht sehr tätig gewesen zu sein, da er wohl vor-wiegend eine praktisch veranlagte Natur war. Wir besitzen einige Ge-dichte von ihm, die sich nirgend über das Maß der Zeit erheben. Dagegen