Gunzo von Novara. 531
erzählt der König über sich selbst, und zwar ohne jeden Übergang von dereinen Form zur andern.
Wichtig ist Leos Alexanderroman besonders dadurch geworden, daßdurch ihn eine ganze Reihe von mittelalterlichen Bearbeitungen namentlichin Gedichtform angeregt worden sind, nämlich die Alexandreis des Alberichvon Besancon, der Baseler Alexander und vor allem der Alexander desRudolf von Ems. 1 )
Zeugnisse. Den ganzen Sachverbalt bezüglich der Uebersetzung berichtet Leo selbstim Prolog zu dem Werke, ed. Landgraf S. 27 f. Zur Zeit der Herzoge-) Johann und Marins.Chron. duc. Benev. Salerni Capuae et Neapolis, MG. SS. 3, 213,1 sowie die Mirac. s. Agrippinic. 11 ed. Waitz SS. rer. Lang, et Ital. p. 464,13 ff. Zur Sorge Johanns für Bücher s. LeosProlog S. 27. 22 ff. Zum italienischen Ursprung des Bamberg. E. III. 14 s. Waitz, Archiv 9,674f. Daß die Bamberger Hs. von Heinrich II. mitgebracht wurde, macht Hartwig, Zentralbl.f. Biblw. 3,165 wahrscheinlich. Zur Sprache Leos vgl. Ausfeld, Ueber d. Quellen zu Rudolfsvon Ems Alexander S. 3 und Landgraf S. 16 f., wo auch S. 16 über Italianismen. Interessantist übrigens der durchaus geistlich gehaltene Anfang der Vorrede ed. Landgraf S. 25 f.Für die üeberlieferung und ihre Benutzung ist wichtig, daß die späteren Hss. sich ebenso vonLeos ursprünglicher Uebersetzung 3 ) entfernen, wie die verschiedenen Passungen des griechi-schen Originals, vgl. Ausfeld S. 4 f. und Landgraf S. 10 ff. Die wichtigste Hs. ist Bam-berg. E. III. 14 s. XI f. 192—219 a; Waitz (Archiv 9, 674), AusfeldS.3 und Landgraf S.13meinen, daß ihre Entstehung unmittelbar auf die Bücherfabrikation am Hofe des HerzogsJohann zurückzuführen ist,' 1 ) und das ist insofern wahrscheinlich, als hier dem Leben Ale-xanders eine ganze Reihe von kleineren Schriften der Alexandersage folgen. Diese ältereKezension ist auch vertreten im Monac. 23489 s. XII — XIII, der Abschrift von B ist. Dieweiteren Hss. (Rez. II und III) sind für die späteren Bearbeitungen der Alexandersage inden Volkssprachen wichtig geworden. Aufzählung (nebst den alten Drucken) bei LandgrafS. 9 f.; für die Gestaltung des ursprünglichen Textes tragen sie sehr wenig bei. KritischeAusgabe (nach B und M) von G. Landgraf, Die Vita Alexandri Magni des ArchipresbytersLeo (Historia de preliis), s ) Erlangen 1885. Neben Landgrafs Einleitung S. 3—22 ist wichtigA. Ausfeld,Ueber d. Quellen zu Rudolfs von Ems Alexander, Donaueschingen 1883, S. 2—13,wo S.7—13 über die Benutzung Leos durch Rudolf 6 ) ausführlich gehandelt und dargelegtwird, daß der von Rudolf benutzte Text dem im Alexanderbuch Hartliebs verwendetennahestand.
86. Gunzo von Novara.
Gunzo, Diakon in Novara, hatte in seiner Jugend, wie er selbst erzählt,sich sehr viel mit Dichtkunst abgegeben und war, wie sein Brief an dießeichenauer beweist, in der antiken Poesie ganz zu Hause. Ebenso wußteer bei den alten Grammatikern gut Bescheid. Außerdem besaß er einegewandte Feder und da er hiermit ungewöhnliche literarische Kenntnisseverband, so mag er in der Heimat eine bekannte Persönlichkeit gewesensein, wie ja überhaupt Oberitalien während des 10. Jahrhunderts manchenKleriker hervorgebracht hat, der es hinsichtlich des Wissens und der Bil-dung mit allen deutschen und französischen Geistlichen aufnehmen konnte.Aber auch in theologischen Dingen, besonders vielleicht in kirchenrecht-lichen, muß Gunzo keine geringe Erfahrung besessen haben, da er von einem
') Vgl. Ausfeld, Ueber die Quellen z. Ekkehard von Aura (MG. SS. 6, 62—75) s.
Rudolfs von Ems Alexander S. 5 f. Landgraf S. 12.
2 ) Kaiser Konstantin und Romanos herr- 5 ) Daß dieser frühere Titel zu verwerfensehen zusammen von 920—944, Herzog Jo- ist, zeigt Landgraf S.7.
bann und Marinus gemeinsam seit 942. °) Ueber Leo als Quelle vgl. Rudolf Vs.
3 ) ZurUebersetzungvgl.LandgrafS.17f. 12882 und 12909—12924 bei Zacher, Ztschr.
4 ) Zur Benutzung des Bamberg, durch | f. deutsche Philol. 10,100 f.
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