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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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530 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Italien 1022 mitgebracht worden, um der neuen Stiftung geschenkt zu werden,sie stammt ohne Zweifel aus Italien.

Der Alexanderroman Leos stammt, wie sein Text erweist, nicht ebenvon einer besonders guten und die ursprüngliche Fassung bewahrenden 1 )Handschrift des Pseudo-Callisthenes, da sich namentlich in der Schreibungder Eigennamen sehr zahlreiche Irrtümer und Versehen finden. Denn wennauch Leo manche Partien zusammengedrängt hat, so möchte man doch beider von Johann befohlenen Genauigkeit bezüglich der für ihn angefertigtenBücher annehmen, daß Leo sich sonst ziemlich eng an sein griechischesOriginal hielt. So finden wir also auch in Neapel um die Mitte des10. Jahrhunderts ein durch Fürstengunst erblühendes literarisches Leben,das sich nicht nur auf die lateinischen Werke der Vergangenheit erstreckt,sondern auch die griechische Literatur in seinen Bereich zieht, und zwarbei einem Werke, das seinem Inhalte nach weit absteht von dem gewohntenVorstellungskreise.

Die Arbeit selbst ist als mäßig zu taxieren und man gewinnt aus ihreinen ziemlich klaren Einblick in das Bildungsniveau des süditalienischenKlerus jener Zeit. Die Sprache des Werkes gehört nämlich durchaus derBichtung des alten Volkslatein an, das in den Bibelübersetzungen eine sogroße Bolle spielt. Gerade hier, wo es sich um einen antiken Stoff handelt,yermißt man die antike Form ungemein: die Reden und Briefe Alexanderslesen sich so, als ob sie von einem biblischen Helden stammten. Mir istin dem ganzen Werke auch nicht eine Anlehnung an die römische Historio-graphie, ja nicht einmal an Vergil aufgefallen, der doch sonst überall be-kannt war. Man muß danach annehmen, daß der Unterricht in Süditalienfast ohne Zusammenhang mit der antiken Literatur und deren Spracheerteilt wurde, wie das ja auch ober- und mittelitalienische Schriften des9. Jahrhunderts deutlich erweisen. Auch fehlt bei Leo die sonst nicht selteneVorliebe für Reimprosa sowie die Hinneigung zu rhythmisch oder metrischgebauten Stellen. Dagegen verrät der Verfasser deutlich seine Herkunft,da er nicht selten Italianismen in rücklatinisierter Form anwendet. DieGrammatik zeigt bei ihm aber auch andere Merkwürdigkeiten. 2 )

Die Übersetzung Leos' benutzt nun nicht mehr einen verhältnismäßigso reinen Text, als wie Julius Valerius, und sie ist daher zur Rekonstruk-tion der griechischen Vorlage in ältester Fassung nicht wohl zu benutzen.Sie beginnt mit der fabelhaften Geschichte der Abkunft Alexanders vomägyptischen König Nectanebus und überspringt dann seine ganze Kindheitbis zum 12. Jahre, um zu seinem Regierungsantritt und zu seinem sagen-haften Taten zu eilen. Einen sehr großen Teil der ganzen Erzählung nehmendie Briefe der Hauptpersonen ein und Leo führt seine Erzählung bis zumTode des Königs; er schließt mit einer allgemeinen Komputation und zähltzuletzt die von Alexander gegründeten Städte auf. Merkwürdig ist dieErzählungsweise. Nämlich meist wird von Alexander berichtet, vielfach aber

l ) Trotzdem steht die von ihm benutzte I Donaueschingen 1883, S. 3.Vorlage der Ueberlieferung A' ziemlich nahe, 2 ) Wie die häufige Form der Anrede

vgl.LandgrafS.17f. und A.Ausfeld,Uebei' ' Magnissime Imperator, z. B. p. 68, 4. 79,1 ed.

die Quellen zu Rudolfs von Ems Alexander, | Landgraf.