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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Bovo II. von Korvei. 527

gewesen ist; allerdings starb sein abgesetzter Vorgänger Godescalc erst 910,aber der Korveier Abtskatalog gibt dem Bovo sechzehn Jahre Amtszeit.Nämlich Widukind berichtet an einer allerdings chronologisch nicht einwand-freien Stelle seiner Sachsengeschichte, daß Bovo einst vor König Konradeinen griechisch geschriebenen Brief vorzulesen und zu verstehen imstandewar, was ihm nicht wenig Ruhm eingebracht habe. Ein gleichnamiger,aber viel jüngerer Verwandter war unter ihm in Korvei als Mönch ein-getreten und hatte die Vorträge des Abtes über Boethius angehört; als erBischof (von Chälons-sur-Marne) geworden war, bat er den Bovo, ihm dieErklärung zum neunten Gedicht des dritten Buches auch schriftlich zuübermitteln, die er ehedem bei ihm gehört hatte. Bovo kam dieser Auf-forderung nach, bemerkt aber in der Vorrede, daß ihm die Erklärung schwergenug gefallen sei bei seiner außerordentlich großen Beschäftigung undbei den schweren gegenwärtigen Zeiten, vor allem aber, weil es sich beidem Gedicht nicht um einen christlichen Stoff, 1 ) sondern um die nichtigenAnschauungen Piatos handle; doch sei seine Liebe zu dem durch weiteEntfernung von ihm getrennten Verwandten nicht geringer geworden, unddeshalb sei er der Bitte nachgekommen. Und er glaube, daß sein Zurück-gehen auf die profanen Autoren ihm nicht schaden werde, da ja auch derArzt Gifte verwenden müsse, und da sich Augustin genaue Kenntnis derheidnischen Religionen wie der häretischen Sekten habe verschaffen müssen.Im Eingange der Schrift, die an den Anfang von Beda de metrica arteanklingt, legt Bovo dar, daß in Boethius' Werk mancher Gegensatz zumkatholischen Glauben auftauche, trotzdem Boethius auch christliche Schriftenverfaßt habe. Trotzdem nun Bovo in dem Kommentar mehrfach die Wortedes Boethius, die christlichen Anschein haben, auch zum christlichen Stand-punkt hinüberzieht, 2 ) ist er doch insofern dem philosophischen Werk ge-recht geworden, als er häufig mit Begriffen der alten Philosophie operiertund sie zu definieren sucht. Dabei bedient er sich freilich Isidors, dener z. B. (Etym. 7,1,15) zur Definition der Ewigkeit 3 ) benutzt, aber ererklärt den Autor aus sich selbst. 4 ) Zwei Abschnitte (c. 8 und 14) entnimmter (8 wörtlich, 5 ) 14 paraphrastisch) 6 ) der Erklärung des Somnium Scipionisvon Macrobius, und wenn er dabei auch zögernd und vorsichtig zu Werkegeht und die Diskrepanz von der christlichen Auffassung der Schöpfungim voraus betont, so erkennt man doch deutlich, daß eine gewisse Liebezum Stoff ihn beseelt, und mit ziemlicher Breite gibt er seine Erklärungenaus dem verfänglichen Gebiete. So deckt er sich auch im Vorwort gewisser-maßen mit der Autorität des Bischofs Bovo, denn er rät diesem, das Werkmit nur einem äußerst kenntnisreichen Manne sofort geheim durchzugehen,

J ) So auch Mai, Class. auct. 3, 337,12 | 8 ) Mai, Class. auct. 3, 333, 5. Zu337,12

Quapropter etiam sequentia .. . cum ingentiscrupulo tractare aggredimur. Und so amSchluß c. 24 p. 345 Fateor tarnen videri mihiquaedam in his verba philosopJiorum redolerevenenuni. Sed quoniam ea catholicae auresnctius accipere .. . söhnt etc.

2 ) Vgl. Mai, Class. auct. 3, 334, 6 sedtan-dem eis visum est, quod et nostri secunturauctores.

vgl. 14,1,1.

") p.334,7 s.Consol. phil. 3,12 p. 81,17 f.

6 ) 1, 6, 23. 24 mit einigen kleinen Ab-weichungen (p. 489 Eyss. 7 ter duo. 15 et foe-derari fehlt. 16 iungerentw).

°) Nämlich 1,2,14. 1,5, 8 f. Außerdemstammt die Einteilung des vovg und seinegriechische Benennung in c. 15 p. 339 aus 1,14,7 mit wörtlicher Anlehnung.