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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
andern Kunst ungemein erfahren sei, so daß er zuweilen sogar auf demKothurn der Komödie und manchmal mit dem siebenfachen Gewände, dasdie Weisheit gewebt, umherwandle. Dann kommt der Verfasser auf denUnterschied von Seele und Geist zu sprechen, ein Thema, das im Homilien-tone auf verwandte Begriffe übergeleitet wird. Von dort geht er zur Philo-sophie über, zur heiligsten Mutter aller Tugenden. Zunächst gibt er ander Hand des Anhangs von Alchvines Dialog über die Rhetorik eine Ein-teilung der Dialektik, will aber nicht weiter auf die Logik eingehen, daer daran gedacht habe, etwas genauer hierüber an den König J ) zu schreiben,doch reizt es ihn, nach Alchvines Dialog sich ausführlicher über die Rhetorikzu ergehen. Da er nun zum Schlüsse des Briefes eilen will (!), ergeht ersich an der Hand Priscians und Alchvines (Dialektik) über den BegriffNomen und kommt ohne jeden Übergang auf die Quantität der Vokale zusprechen, wozu er sich mehrerer grammatischen Werke und der Dichterbedient. Der enge Zusammenhang zwischen Nomen und Verbum läßt ihndann auf diesen Begriff kommen, wobei er die Form petü ausführlich er-läutert. Nachdem er auf die Verschiedenheit biblischer Ausdrucksweiseund grammatischer Sprache hingewiesen, gibt er nach Consentius Er-läuterungen über die Buchstaben. Ohne jeden Übergang handelt er dannüber die Verba auf -icio und -leo, denen er solche auf -io und -eo an-schließt, indem er sich ganz dem zehnten oder elften Buch Priscianshingibt. Obwohl er aus diesem Dickicht entfliehen will, reizt es ihn doch,hier weiter vorzudringen, und er verliert sich gänzlich in allerhand gramma-tischen Fragen, wobei er sogar noch dilatorische Fragen an Grimald richtet(c. 17) und eigne grammatische Studien anknüpft (c. 18) und außerdemdas fünfzehnte und achte Buch Priscians reichlich ausbeutet, sowie eingrößeres Zitat aus Lucretius gibt. Er entschuldigt dann dies Simmelsammel-surium mit der Seltenheit der Lehrenden und der Trägheit der Lernenden,denn Grimald solle ja nicht glauben, daß es an seine eigne Unwissenheitgerichtet sei. 2 ) Von hier geht er dann gleichsam wie vom tätigen Lebenzum beschaulichen über, um zu zeigen, wie in der vita theorica Gott undin der via practica der Nächste geliebt werden solle. Das wird in breitesterWeise durch lange Stellen aus Gregors Ezechielhomilien erwiesen. Umseine Rechtgläubigkeit darzutun, erzählt er dann c. 24 von einer VisionVergils, die er gehabt, als er dessen Werke nach ihrer Lektüre im Schlafunter dem Kopfkissen liegen hatte. Aber mit einer gewissen Freude ander Sache berichtet er alsbald von den mythologischen Erzählungen deralten Dichter und bedient sich hierbei reichlich der Vergilerklärung desServius. Und er kann sich trotz aller Verwünschung nicht von seinemgeliebten Maro trennen, aus dessen Leben er c. 25 nach Donats Vita Vergiliüber literarische Dinge berichtet, um ihn dann in den Styx und zu allemHöllengesindel zu wünschen. Wegen dieser mythologischen Digression ent-schuldigt er sich übrigens damit, daß die Werke der alten Dichter doch
') D. h. an Ludwig den Deutschen.
2 ) Cap. 19 (MG. Ep. 5, 556, 44) Quod nepropter tuam inscitiam me facere pntes, quinpotius ob duas angustias instantes. Una est
quia cerno docentium raritatem, altera qniadiscentium crescere video tarditatem, in tantutnut nee de talibus vel interrogare dignentur.