490 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Limoges s. XII eine Handschrift auf, in welcher Mela, Justin, Sueton, Mortisund Valerius Maximus vereinigt waren (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 496 ffN. 48 = p. 498 ff. N. 179 = p. 495 N. 22). Da Sueton und Valerius sicherund Mela wahrscheinlich unter die von Lupus behandelten Autoren gehörtso ist es möglich, daß in jener bedeutenden Historikerhandschrift die Mehr-zahl der von Lupus behandelten Texte zusammengestellt war. Justin wenig-stens war in karolingischer Zeit stark verbreitet, s. Manitius, Philol. a. alt.Biblkat, S. 38, und Florus war wenigstens in Lorsch vorhanden, ib. S. 72und zwar durch den heute wieder in Heidelberg befindlichen Vat. Pal. 894s. IX. Auf eine ähnliche Hs. in Pontigny s. XIII (Cat. gen. dep. (4°) 1, 714),die Valerius Maximus, Sueton, Cäsar, Solin, De mirabilibus mundi enthieltund bei der Zugehörigkeit von Pontigny zu Auxerre sicher mit (Lupus und)Heiric zusammenhing, machte Traube (Münch. Sitzber. 1891, 401) aufmerksam.
Metra des Boethius. In Nachschrift nach Diktaten des Lupus hatsich endlich eine kleine Schrift über die Metrik bei Boethius erhaltenGenera metrorum in libro Boetii qne domnus Lupus ut facilius studiosus lectoraccipere potuisset in htcem produxit, so im Valentian. 288 s. XI f. 84 (ausLaon), vgl. auch Valentian. 393 s. IX f. 69, ohne Überschrift Sangall. 844s. IX p. 6 und 826 s. XV. Der Traktat verzeichnet 27 Metra, er ist benutztworden von Papias s. v. Carminum varietas apud Boetium und in den metri-schen Aufschriften vieler Hss. zu den Gedichten des Boethius, vgl. Peiperp.XXIV. Ausgabe: Boethius ed. Peiper p. XXV— XXVIIII.
Über andre Kritiker der Zeit s. F. Marx, Rhein. Mus. 43, 394. Außer-dem ein mit Justin interpolierter Orosius, s. Zangemeister, Comment. in hon.Mommseni S. 715. Dicuil interpolierte die Mensuratio orbis mit Orosius.Über philologische Kritik im Paris. 10314 s. IX vgl. Lucan ed. Hosius 2p. XXXIV n. 2.
76. Erchanbert von Freising.
Erchanbert, Lehrer in Freising, wurde nach dem Tode Hittos im Jahr 836Bischof von Freising. Er beschäftigte sich als Lehrer eingehend mit Gram-matik und seine darauf bezüglichen Untersuchungen legte er in seinemKommentar zum Donatus minor und maior nieder. Dieses Werk ist, wiesich aus der verhältnismäßigen Häufigkeit seiner Abschriften und derendeutscher Glossierung ergibt, zum Unterrichte verwendet worden und ge-hört zu den ausführlichsten Donaterklärungen des 9. Jahrhunderts. Viel-leicht hat gerade Erchanberts Unterricht zu der hohen Blüte der gramma-tischen Studien in Freising beigetragen, die sich aus der großen Anzahlvon grammatischen Handschriften erschließen läßt, die dort im 9. und10. Jahrhundert entstanden sind. Später lernen wir Erchanbert in seinerbischöflichen Zeit durch einen Brief als unerschrockenen Verteidiger derWahrheit bezüglich des Reliquienbetrugs kennen, der sich bei der großenAusbreitung der Kirche in jener Zeit oft genug kundgab; sein Autographhat sich erhalten. Im Jahr 854 ist er gestorben.
Zeugnisse. Ausführlich hat über Erchanberts Leben als Bischof gehandelt Jaeckbei Ersch u. Gruber, Realenzykl. 1, 36, 252; vgl. zur Identität des Lehrers mit dem BischofSeb. Güthner, Gesch. d. lit. Anstalten i. Bayern 1,156. Wattenbach 1, 287. Erwähnt wird