Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Seite
482
Einzelbild herunterladen
 

482

Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

die Verrinen zu kennen, von denen er act. sec. 5, 72,188 p. 321 (ed. G-iles) mit den WortenCicero in Ubro XV und 4, 26, 52 p. 322 mit Cicero libro XIV anführt, woraus hervorgeht,daß er eine Hs. mit der alten Bucheinteilung der Reden kannte. 1 ) B e d a verrät nur Kenntnisder Rede für Cluentius, aus der er De orthogr. (Keil, G-L. 7) 267, 23 eine Stelle (5,12) etwasverderbt anführt; denn die Anführung eines Wortes aus de dorn. 14, 37 (Keil, GL. 7, 276,27)läßt wohl kaum auf Kenntnis der Rede schließen, obwohl die Stelle von keinem andernGrammatiker zitiert wird. Alchvine kannte außer den von Schwenke p. 404 angeführtenSchriften auch die Tuskulanen (diese, und zwar 1, 3, 6 werden auch von Einhart im Prologder Vita Karoli zitiert), aus denen er ep. 197 (MG. Ep. 4, 326, 6) eine Stelle (3, 24, 58) an-führt. Mico gibt als Vs. 118.123.183 und 412 die Verse aus Ciceros Aratea 92. 5.145. 317')(Traube, PL. 3,284.286.294). Zur Kenntnis Ciceros bei Radbert vgl. Traube, PL. 3,42 n.l.Meginhart von Fulda kennt nach dem Prolog zum Sermo über den hl. Ferrucius (MG.SS. 15,149) die Tuskulanen, da er dort 3 ) einen Satz aus Tusc. 1, 3, 6 allerdings etwas freianführt. Sehr bedeutende Kenntnisse in Ciceros Werken hatte Sedulius Scottus, der inseinem Kollektaneum mehrere Schriften exzerpiert hat, ohne daß er solche Veränderungenwie Hadoard am Texte machte. So bringt er (im Cod. Cus. 52 f. 261) Stücke aus den BüchernDe inventione (2,159167) unter dem Titel Sententia Ciceronis de virtutibus et vitüs, 4 ) ferneraus der Rede pro Fonteio, die bei Klein S. 57 abgedruckt sind, und zwar noch unbekannteStücke; Traube") hat aber nachgewiesen, daß nur Fragment 110 (Klein) dieser Redeangehören, während 1118 der Rede für Flaccus zuzuweisen sind. Auch die Exzerpte ausder Rede gegen Piso enthalten neue Fragmente (Klein 49 ff. 57 f.), Sedulius muß ein voll-ständiges Exemplar besessen haben; desgleichen ergibt sich aus Carm. 2,10, 3 (PL. 3.178)nach der Note Traubes die Kenntnis der Rede. Sonst hat Sedul noch die PhilippischenReden exzerpiert (Klein 8086). Von den philosophischen Schriften machte er Auszüge ausden Tuskulanen 6 ) (4,1180 und 5, 5 115) und den Paradoxa (Klein S. 86). Daß Hrabaneine vollständige Hs. des Orator vorliegen hatte, ergibt sich aus einer Anführung (Migne107, 408) aus Or. 69.

Heiric von Auxerre kennt die Briefe ad familiäres, wie aus seinem Brief an Karlden Kahlen (PL. 3, 431, 27) hervorgeht, wo er ad fam. 5,16. 5 anführt; 7 ) vielleicht auch dieMiloniana nach demselben Briefe (PL. 3, 429, 36), wo ein Zitat aus pro Mil. 4,10 steht, dasallerdings auch schon Hieronymus anführt. Außerdem ist hier noch auf Hss. aufmerksamzu machen, die im 9. Jahrh. in Tours geschrieben sind und Werke von Cicero enthalten,s. Chatelain, Palöographie des classiques XL A und S. de Vries, Exercitationes palaeo-graphicae (1889) S. 280. Ferner ist zu erwähnen, daß der Berol. Phillipp. 1832 s.IX X f. 83 bam Rande Tuscul. 5, 3, 89 in ziemlich reiner üeberlieferung enthält. Als karolingischesProdukt ist vielleicht auch der Prolog einer Schrift über die Rede De haruspicum responsisaufzufassen, der im Paris, nouv. acq. 340 s. X steht und den Hauröau für alt hält, 8 ) da derGorgias des Plato darin erwähnt wird. Indes wird der Gorgias auch von Priscian angeführt,und man stellt ohnehin in karolingischer Zeit gern noch Plato mit Cicero zusammen. 9 ) Ueberdas 10. Jahrh. will ich nur- kurz angeben, daß Gunzo von Novara die Topik kennt. Liut-prand von Cremona aus den Paradoxen, den Briefen ad familiäres (sehr reichlich) undden Catilinarien Anführungen macht, Everaclus von Lüttich eine Stelle der Rede fürMarcellus zitiert, Folcwin von Lobbes aus dem Lucullus anführt und Ruotger in demLeben Bruns für seinen Ausdruck eine ganze Reihe von Schriften Ciceros zu Rate gezogenhat. 10 ) Die Bekanntschaft mit Cicero nimmt im 11. Jahrh. bedeutend zu, bis dann im 12. Jahrh.die umfassende Kenntnis eintrat, die sich bei Johann von Salisbury und Otto von Freisingzeigt und im folgenden Jahrhundert von Vincenz von Beauvais und Roger Baco fortgesetztwird, während die schulmäßige Behandlung über Cicero in den zwei Hss. des Accessus ad

') Die üeberlieferung scheint allerdingsfehlerhaft zu sein, vgl.Manitius,Wiener SB.112,601.

2 ) Mit Hinneigung zu Harlei. 647 s. IX.

3 ) Mit der Einführung Neque enim mini-mum nos illa Tulliana declamatio terruit, quaetepidos sie carpens scriptores intonuit.

4 ) Kollationiert bei Klein, Eine Hs. desNie. von Cues S. 52 ff.

6 ) Abb.. d. Bayer. Akad. 19, 367 ff.

") Sie sind von Klein nicht bemerktworden; S. Hellmann, Sedulius Scottus S.99gab davon Nachricht und S. 144 die Kollation.

7 ) Mit den Worten nisi probabilis illasententia animo subvenisset.

8 ) Haureau, Notices et Extraits de quel-ques mscr. 6, 261.

9 ) Ermoldus in hon.Hlud. 1,18 (PL. 2.5).Walahfrid Carm. 5,2,7 f. (PL. 2,352). Die RedeDe haruspicum resp. wird in alten Katalogenerst in der Humanistenzeit aufgeführt, näm-lich in den zwei gewaltigen Hss. der Redenzu Fiesole s. XV (Bandini, Bibl. Leop. Lau-rent. 3, 533,90) (56 Reden) und in der die Phi-lippicae und Verrinae auslassenden, sonst aberganz ähnlichen zu Urbino vor 1482 (Giorn. stör,degli arch.Tosc.7,138, 431) (37 Reden).

10 ) Vgl. A. Mit t ag, Die Arbeitsweise Ruot-gers in der Vita Brunonis (Berl. 1896)S. 1013.