Hadoardus. (Fortleben Ciceros.)
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Scipio folgen. Den Beschluß machen einige Auszüge aus Martianus Capella
'. und Sprüche des Publilius Syrus unter der Aufschrift Sententiae philo-
sophorum, die der Exzerptensammlung eines Censorinus entnommen wurde.
Der wichtigste Teil der Sammlung sind die Ciceroexzerpte. Sie beweisennämlich, daß Hadoard das alte Corpus der philosophischen Werke vorliegenhatte, das heute noch, mehr oder weniger vollständig, in einigen Hand-schriften erhalten ist, und das sich im Mittelalter etwa aus der doppeltenAnzahl alter Kataloge nachweisen läßt und zuerst in Bec erwähnt wird.Denn Hadoards Auszüge erstrecken sich auf Lucullus, De natura deorum,De divinatione, De fato, Paradoxa, De legibus und Timaeus, 1 ) außerdemaber werden exzerpiert die Tusculanae disputationes, Cato maior, Laelius,De ofüciis und De oratore. Hadoard erreicht hiermit die bedeutendsteCicerokenntnis seines Jahrhunderts, weder Lupus noch Sedulius kommenin dieser Beziehung an ihn heran. Allerdings besitzt Hadoard nicht denwissenschaftlichen Sinn dieser beiden Gelehrten. Er hat sich nämlich fürseine Auszüge neunzehn Kategorien angelegt, denen er Überschriften gab;und wenn er auch für jede Kategorie ein Werk Ciceros besonders bevor-zugte, so mischt er doch häufig andere Exzerpte hinein. 2 ) Daraus erkenntman, daß er weniger philosophische, als moralische Zwecke mit seinerArbeit verband. Und das tritt noch viel schärfer in der Art hervor, inder er seine Auszüge machte, worüber P. Schwenke 3 ) vor seiner sehr ver-dienstlichen Ausgabe eingehend gehandelt hat. Er beseitigte nämlich allesreligiös Anstößige, ferner alles Persönliche und fast alles Historische, sodaß nur der moralische Kern für den christlichen Leser zurückblieb. Zu-weilen hat er den Text auf eigne Faust, aber ohne Glück geändert; leichteÄnderungen, besonders wegen der Verknüpfung der Sätze, hat er vielfachvorgenommen. Wenn daher auch sein Text nur mit Vorsicht für die Cicero-kritik verwendet werden darf, so ist er doch für die Überlieferungsgeschichtein hohem Grade wertvolll schon aus dem Grunde, weil er wohl etwas älterals die heute vorliegende Überlieferung ist.
Zeugnisse. Zur westfränkischen Abstammung s. P. Schwenke, Philol. Suppl.5,401,daselbst über verschiedene Träger des Namens s. IX. 4 ) Schwenke macht mit Recht auf-merksam auf eine Aufschrift in Rebais s. XII (B. 132,154) unus Hadoardi de virtutibus qua-tuor, und damit scheint zu vereinigen zu sein Bamberg s. XII (Neues Archiv 21. 146, 69)Liber Ragohardi qiü dicitur laicalis norma. Die Zeit ergibt sich aus der Hs.Vat. reg. 1762s. IX; hierbei kommt freilich in Betracht, ob sie Original (Schwenke p. 400) oder Abschriftist, was nämlich aus vielen Korrekturen 5 ) des vorgestellten Gedichtes wie auch des Texteshervorgehen könnte. Es scheint allerdings bei genauer Prüfung der Sprache des Gedichtsdem Hadoard eine ziemliche Barbarei im Latein zuzuschreiben zu sein; der Ausdruck istnicht nur wegen absonderlicher Konstruktionen sehr dunkel, 6 ) sondern auch die grammatischeRichtigkeit leidet an erheblichen Mängeln. So könnte die Schrift wohl das Autograph sein.
') Die Tppica, die ja auch in einigen Hss.des Corpus fehlen, sind nicht exzerpiert wor-den, vgl. Schwenke S. 523.
2 ) Vgl. besonders Cap. 8, wo Lucullus mitDe ofüciis, De nat. deorum und den Tuscul.disputationes vermischt wird.
3 ) Philologus, Suppl. 5, 411 ff.
4 ) Zur Umgebung oder Gefolgschaft desLupus scheint er nicht zu gehören, sein Stilunterscheidet ihn doch hiervon zu sehr. Ich
glaube, daß er eher zur Frühzeit des 9.Jahrh.zu rechnen ist.
5 ) Es sind zwei korrigierende Hände tätiggewesen.
6 ) Besonders undeutlich wird der TraumVs. 63—98 berichtet, wo der Bezug der Verbaund Pronomina sehr schwierig ist; fernerVs. 101 f. Höchst auffällig und Ungeschicktist die Wortstellung.