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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Erklärung der christlichen Literatur beschäftigt, vgl. p. CHI. Dieses Corpusgrammatischer Erklärungen, das Hagen, Anecd. Helv. 172188 (vgl. CILCV)nur zum kleinen Teil herausgegeben hat, muß erst noch genau auf seineQuellen untersucht werden, da die Ausgabe von Hagen wohl die meistenAnführungen untergebracht, aber den Text fast nirgends berücksichtigthat. So möchte erst das ganze Werk gedruckt erscheinen, damit derQuellenuntersuchung die nach dem Verfasser folgen könne. Jedenfalls wirddie Herausgabe des Ganzen manches neue Licht auf die Bestrebungen dergrammatischen Wissenschaft in der Karolingerzeit werfen, und es würdevon großem Interesse sein zu erfahren, ob das zwischen beiden Teilenstehende vierte Buch des Nonius in irgendwelchen Zusammenhang mit derPerson des Verfassers oder mit dem Orte zu bringen ist, wo er geschrieben hat,

74. Hadoardus. (Fortleben Ciceros.)

Der Westfranke Hadoard, dessen Persönlichkeit unbekannt ist, hat im9. Jahrhundert eine größere Exzerptensammlung verfaßt, die zu etwa zweiDritteln aus Cicero besteht. Eingeleitet wird diese Sammlung durch einGedicht, aus dem hervorgeht, daß Hadoard Presbyter und Bibliothekar ineinem Kloster war und während dieser Zeit seine Exzerpte machte, indemer die Auszüge erst auf die Wachstafel schrieb und dann in ein Buch ein-trug. Er wünscht, daß das Buch vernichtet werde, ehe es in unrechteHände komme, denn er fürchte, daß es von denen gelesen werden könne,die den rechten Glauben nicht besäßen. Durch einen Traum habe er voneiner Person, die er für einen Augur gehalten hatte, erfahren, wie derverborgene Schatz gehoben werden könne, und eine Taube habe ihm denSchatz unter den Wurzeln einer alten Weide gezeigt, der allerdings nichtaus Gold, wohl aber aus einem Stoffe bestanden haben, aus dem die KunstGold erzeugen könne. Zugleich aber habe er mit Gold verzierte Bücher-kapseln gefunden, die wertvollen Inhalt geborgen hätten. Im Anfange be-sagt das Gedicht, daß der Inhalt der Handschrift mit Tullius über die Naturder Gottheit beginne, dann zu Plato über die Weltschöpfung fortschreite,hierauf Cicero 1 ) über die göttlichen Gesetze in der Weltregierung folge,mit einigen eingestreuten Aussprüchen aus Sallust; dann folgten Macrobius,Martianus Capella und Censorinus, vermischt mit anderem.

In Wahrheit verhält es sich mit dem Inhalt so, daß f. 4155 Exzerpteaus Cicero mit geringer Beimischung von Macrobius, Sallust, Servius undAugustin gegeben werden, f. 156213 solche aus Macrobius zum Traum des

*) So wird Tullius anscheinend von Ciceroliier ebenso geschieden, wie bei Ermoldus inhon. Hludow. 1,18 (PL. 2,5) Tullius et Macer,Cicero sive Plato. Hadoards Plato ist dieUebersetzung des Timaeus von Cicero. Ichbemerke hier zu Schwenke, Philol.Suppl.5,578. daß Richard von Fournival c. 1250 (De-lisle,Lecab.desmscr.2,524ff.)tab.7,75itoMeiusdem Über de tmiversalitate qui vocatur Thi-meus Tullii hat und daß die Sorbonne 1338(Delisle 3, 87 N. P.l.) besaß Thymeus eius-

dem de universitate. Der Timaeus wird in derwirklichen Einzelüberlieferung von den Schrif-ten des Corpus nur genannt s. XII in Bec (Ca-tal. gen. dep. (8°) 2. 396, 66) et Timeus Piato-nis ab ipso Tullio translatus, in Rolduc s. XIII(v. Gils [Handelingen van het 5e Nederl. Phi-lolcongres] Een. opmerkingen over de middel-euwsche boekenlist der Abdij Rolduc p. 28,192 Tullii Ciceronis thimeus) und bei SixtusIV.(Müntz et Pabre, La bibl. du Vatican etc.p. 219) Thimeus Ciceronis.