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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Den Schluß bildet eine metrische Erörterung über das s. Die Zeit der Voll-endung der Schrift bestimmt sich nach Vs. 3 des Schlußgedichts, dessenzwei letzte Verse in der Rouener Handschrift fehlen, auf 825. Der Stoffist großenteils aus Priscian entnommen, außerdem sind Victorinus, Donatund Servius benutzt. Ohne Zweifel ist das kleine Werk nicht unwichtig,denn es bezeichnet eine in gewissem Sinne selbständige Weiterbildung derantiken Metrik. Denn wenn es auch auf deren Grundlage aufgebaut ist,so äußert Micon doch auch selbständige und von seinen Quellen abweichendeAnsichten. Außerdem gewährt die Schrift Ausblicke auf drei nicht erhalteneWerke Micons. Im einleitenden Gedicht spricht er nämlich über ein astro-nomisches Werk, nach dessen Beendung er De primis syllabis fortsetzenwolle. Bei Gelegenheit des Wortes revivisco erinnert er sich an einen Versin einem von ihm geschriebenen poetischen Briefe, der in der Sammlungvon St.Riquier nicht steht. Und später gedenkt er bei dem Worte quadrilibm,daß er es in seiner Epistola censuum prosodisch abweichend gebraucht habe.Auch dieser anscheinend poetische Brief ist nicht erhalten.

Die Schrift scheint nicht viel benutzt zu sein, die Ueberlieferung ist spärlich. Viel-leicht befand sie sich 1276 mit dem poetischen Florileg zusammen in St. Pons de Tomieres(Delisle, Le cab. des mscr. 2, 547 N. 232) Liber ex diversis versibus compositus in quo con-tinetur similiter tractatus de metrificatura. Hss.: Bruxell. 1047010473 f. 13 b s. X; Roto-mag.1470 f. 98a107a s. XXI (von mir benutzt). Manitius, Neues Archiv 36,51ff.

Wahrscheinlich gehört dem Micon aber auch noch ein anderes prosodiseh-grammatisches Werk an, das im Rotomag. 1470 unmittelbar auf das Explicitder Schrift De primis syllabis ohne Überschrift steht und keine Unterschrifthat. Es macht den Eindruck von nachgeschriebenen Vorträgen, 1 ) denn esfehlt jede Einführung und der Stoff ist regellos durcheinander gemischt,wie in den Berner Quaestiones grammaticae. Der Verfasser zeigt haupt-sächlich Interesse für prosodische Schwierigkeiten und für orthographischeDinge, und bringt hier eine ziemliche Menge Stoff zusammen. Er benutztbesonders Priscian, 2 ) außerdem Servius, Victorinus, Papirius, Cominian,Isidor (gegen dessen Etymologie von tunica er polemisiert), Beda und Avianund Optatianus Porfirius. Da er nun zweimal die Orthographie Alchvinesund einmal Paulus' Auszug aus Festus anführt, so gehört er in die karo-lingische Zeit. Der mehrfache Gebrauch des Worts bannita (= Silbe) wiebei Micon, sowie der mit Micon fast wörtlich gleichlautende Hinweis aufdie Quantität von suffocat,*) sowie die ganze Tendenz und der Ton derSchrift ergeben zusammengenommen das Zeugnis für Micons Autorschaft.Hierzu stimmt auch eine gewisse Bekanntschaft mit dem Griechischen, dieMicon wie auch der Verfasser dieses philologischen Quodlibets zeigen.

Hs.: Rotomag. 1470 4 ) s.X f. 107 a112 b. Daß man es mit einer zu bestimmtem Zweckverfaßten Schrift zu tun hat, ergibt der Satz f. 108 a Inter hec pauca inserenda sunt verba,donec in mei manent memoria, quae a lectoribus sepe confusa leguntur. Post hec ceptus ordosequendus. Freilich ist diese Disposition nicht zu erkennen.

*) Doch die Stelle Ne dubiteris, lector,suffocat dicere penultima longa spricht da-gegen. Wahrscheinlich ist die Schrift nur frag-mentarisch oder exzerptweise überliefert.

2 ) Gleich der erste Satz stammt daraus(K. 2, 465, 26466, 2).

3 ) Ne dubiteris, lector, suffocat dicere pen-ultima longa quia componitur ex sub et fauee,et illud au dyptongon convertitur in o longuni,vgl. Micon bei Traube. PL.3,295 N. III, 8ff.

4 ) Vgl.Catal.gen.mscr.depart.in8 0 1,440.