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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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470 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Florileg, das prosodischen Zwecken diente, ist, kurz nachdem Walahfridsein Leben des Mammes geschrieben hatte, nach Reichenau gekommen undhat hier einige Erweiterung erfahren. 1 ) Auf einer Abschrift des ßeichenauerExemplars beruhen die Exempla diversorum auctorum, die in einer zu Laongeschriebenen Handschrift erhalten sind, von denen es abermehrereExemplaregab. Eine zweite Abschrift aus Reichenau scheint alsbald nach St. Riquiergelangt zu sein und wurde 825 von Micon mit weiteren, ähnlichen Bestand-teilen verbunden. Sein Florileg ist alphabetisch angelegt und enthält linksdas zu belegende Stichwort, dann den betreffenden Vers, durch den esbelegt wird, und rechts den Namen des Dichters, dem der Vers gehört.Außerdem werden diesem Namen öfters noch andere Stichworte hinzugefügt,zuweilen mit weiteren Dichternamen; dadurch macht das Werk stellenweiseden Eindruck des Entwurfs oder der Vorlage für den Unterricht, denn fürdie Hand des Lehrers war es zusammengestellt, da Micon im Kloster weiteresschlechtes Aussprechen der Buchstaben und falsche Prosodie beim Lesenverhüten wollte. 2 ) Die Vermehrung in diesem Werke gegenüber dem altenFlorileg ist beträchtlich, falls nämlich der Reichenauer Redaktor nicht etwaviele Verse unterschlug; und daß künftige Erweiterung sehr bald eintretenkonnte, sieht man deutlich durch die Überlieferung, die Micons Werk nichtrein wiedergibt, sondern es um einige Verse aus Audrad, Milo und Wandalberterweitert. Auch noch in späteren Zeiten finden sich solche poetische Quanti-tätslehren. Diese Arbeit genügte aber dem Micon nicht, er schrieb indemselben Jahre auch noch ein viel ausführlicheres Prosawerk über Prosodie,das er besonders aus Priscian kompilierte; doch benutzte er, wie er in derVorrede angibt, auch Werke der zeitgenössischen Grammatiker. Gleich imAnfang dieser Schrift polemisiert er gegen eine falsche Etymologie desEutyches, die sich in dessen Ars nicht mehr findet. Auch dies Werk solldem Unterrichte dienen, es wendet sich in dem poetischen Nachwort andie Knaben und Jünglinge; 3 ) bisher ist es noch nicht herausgegeben worden.Außer diesen beiden Schulschriften hat Micon aber noch ein wichtigeresWerk geschrieben, nämlich ein umfängliches Glossar, das sich in der gleichen,aus Gembloux stammenden Handschrift 4 ) seiner andern Werke ez'halten hat.Es ist alphabetisch geordnet und beginnt mit Exzerpten aus dem Auszugeaus Festus von Paulus. Hier hat Micon seine eigentliche Gelehrsamkeitund seine Literaturkenntnis zeigen wollen; freilich ist das Werk wenigselbständig. Verloren ist endlich eine Schrift, in der er die vier Evangelienkommentiert hat und die er zu seinem eignen Gewinn und mehr noch zumNutzen der Knaben, also der Schüler anlegte. In ihr folgte er wohl be-kannten Quellen, wie Beda, Alchvine und Hraban. Als eine sehr wichtigeErgänzung zu diesen Schriften aber ist uns in der Gemblouxer Handschriftdie Hauptmasse der kleinen Gelegenheitsgedichte Micons erhalten, die hier,obwohl mit anderen verbunden, doch räumlich zusammengeschrieben sind.

') Mindestens Vita Mamm. 4,16, wahr- [ 61, 4 p. 318 einen Heptameter,scheinlich auch Pauli diac. de S. Bened. 93. 4 ) Sie ist aber jetzt in zwei Teile (Bru-

2 ) Vgl. PL. 3, 279, 1, 2 ff. und p. 294 Vs. 4Ut foret accensis suffugium pueris.

3 ) Einer seiner Schüler schreibt Carm.

xell. 1047010473 und 10859) zerlegt undzwischen beiden Teilen fehlt ein Stück von546 Zeilen, s. Traube, PL. 3, 265