Ars grammatica Bernensis (Floriacensis). Micon von St. Riquier. 469
daß dieser Grammatiker der karolingischen Zeit nicht fremd war, ergibt! sich außer durch die Hs. Valentian. 393 s. IX auch daraus, daß SeduliusScottus im Collectaneum einige Sätze aus ihm anführt. 1 ) Die Anführungenaus Marius Plotius finden sich aber nicht in der Wiener Handschrift undHagen hat daraus geschlossen, daß sie auf eine vom Bobiensis verschiedeneRezension zurückgehen. 2 ) Ebenso wird eine Anzahl Stellen aus Sergiusangeführt, die sonst unbekannt sind (wie bei Clemens Scottus) und auf einreicheres Quellenmaterial hindeuten; 3 ) und dasselbe ist der Fall bei einigenAnführungen aus Isidor, die sich in dessen Etymologiae nicht finden (ebensobei Clemens). 4 )
Dieser Befund könnte auf eine gewisse Verwandtschaft der Ars mitdem Werke des Clemens Scottus schließen lassen. Endlich gibt die Arseine Stelle aus Valerius (Probus), die sonst nicht erwähnt zu werden scheint(p. 128, 5); daß man zu jener Zeit den Pseudo-Valerius Probus gut kannte,ergibt sich allein aus vier Aufschriften des Werkes von s. IX. 5 ) Außer dengenannten Grammatikern benutzte der Verfasser aber auch noch den Asper,Caper, Charisius, Consentius und Eutyches; dazu werden Dichterstellen zitiert.
Die Zeit ergibt sich aus der Anführung des Flaccus (d. h. Alchvines) p. 134,10 ItemFlaccus dicit: vidimus ex Hebraeis virum elegantem et admirati eum sumus atque amplexi;das konnte nur zu Lebzeiten oder bald nach dem Tode Alchvines geschrieben werden, alssein Beiname Flaccus noch verständlich war. Diese Zeit dürfte zu einem Verfasser, der demClemens nahe stand, recht gut passen, und hierzu kommt, daß beide Altes in derselben Hs.stehen und durch die Ars Alchvines getrennt werden (s. Hagen, Anecd. p. XXXII. XXXVII);wir haben hier also ein grammatisches Corpus, das räumlich und zeitlich einander nahesteht, und es ist daher immerhin möglich, daß diese Ars Bernensis das von Clemens demLothar versprochene größere Werk in seinem ersten Teile darstellt (PL. 2,670 Vs.9) Sic tuuseximius crescet dum sensus et aetas, Dogmuta distribuam tunc potiora tibi. Original ist dieHs. für die Ars jedenfalls nicht, da vielfache Fehler die Abschrift beweisen, und auf Fleuryals Entstehungsort deutet nichts unmittelbar hin.
Hs.: Bern. 123 s.X f.78b—117a (aus Fleury, s. Hagen p. XXXII). Ausgabe: Hagen,Anecdota Helvetica p. 62—142.
72. Micon von St. Riquier.
Micon lebte in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts als Mönch undDiakon in St. Riquier, wo er in der Schule Lehrer war 6 ) und wohl besondersüber Grammatik und Metrik vortrug und Anleitung zum Verfertigen vonGedichten gab. Hierauf beziehen sich nämlich alle seine erhaltnen Schriften,die eine nicht unbedeutende Kenntnis der antiken Literatur voraussetzen,was ja bei dem Bestand der Klosterbibliothek an grammatischen Schriftennicht zu verwundern ist. Von besondrer Wichtigkeit ist Micons prosodischeVerssammlung, deren Geschichte auch in andere Zweige dieser Gattunghinübergreift und daher hier zu erwähnen ist. Ein älteres langobardisches
1 ) Im Cusan. 52 f. 248 b abgedruckt bei I Biblkat. S. 51) genannten kommt hinzu St. Ri-J. Klein, Eine Hs. des Nicolaus von Cues quier 831 (Traube, PL.3,266 N.3). — AuchS. 33, s. Hellmann, Sedulius Scottus S. 96. Malsachanus (ed. M. Roger p. 50, 27) kennt
2 ) Vgl. Hagen, Anecd. p. LXXXVI f. mehr von Probus, als heute vorliegt, s. Ars
3 ) Vgl. Hagen, Anecd. p. CXCIII adn. Malsachani publ. par Roger p. XII n. 2.
*) Nämlich p. 82, 2; 86, 27 und 140, 24, 6 ) Vgl. Carm. 167 (PL. 3, 366), 1 0 socii,
s.Hagen p.CCLVI. mecum studeatis ludere, quaeso, Non trocho
5 ) Zu den von mir (Philologisches a. alt. infantum, sed calamo iüvenum.