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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
s. X f. 69 ff. 1 ) Da nun die engste Verwandtschaft zwischen den Kapitel-überschriften der Via regia und denen dieser Versgruppen besteht, da dieProsodie der Mahnverse mit der Smaragds sich völlig deckt und Smaragdauch vier Verse des einen Gedichts (15 Vs. 93—96) in den Collectiones(Migne 102, 546 B) mit der einfachen Einführung Hie convenit illud poeticumzitiert, so gehört das Mahnschreiben unbedingt mit den Versen zusammen,indem beides einen Fürstenspiegel darstellt, der wohl von Smaragd an Lotharoder an Ludwig den Deutschen jedenfalls vor dem Tode ihres Vaters ge-richtet wurde. Das Mahnschreiben aber ist nach W.Levison (Neues Archiv 13,664) eine meist oberflächliche Umarbeitung des Schreibens an einen Mero-vingerfürsten 2 ) etwa aus dem Jahre 645. Vielleicht sind auch die zwei-zeiligen Strophen der Cambridger Hs., 3 ) deren Überschriften allerdings voll-ständig mit denen Alchvines in seinem Werk De virtutibus et vitiis adWidonem comitem übereinstimmen, von Smaragd gedichtet, da W. MeyerS. 52 ff. nachweist, daß sie unmöglich von Alchvine stammen können.
71. Ars gramtnatica Bernensis (Floriacensis).
Eine weitere Erklärung zu Donat findet sich in einem für die Über-lieferungsgeschichte der alten Literatur wertvollen Werke, das im Bern. 123s. X f. 78b—117 a steht und vielleicht noch der Frühzeit des 9. Jahrhundertsangehört. Leider bricht das Werk bei der Erörterung über die Kasus derPronomina ab, so daß also nur ein kleiner Teil erhalten ist. Diese Schriftüberragt die zeitgenössischen Werke über Grammatik bei weitem. IhrVerfasser hat sich nicht damit begnügt, zu den Fragen Donats ein kümmer-liches Material beizubringen, sondern er schöpft aus dem Vollen und bringtungewöhnlich reichhaltigen Stoff zusammen, der nicht nur unser Wissenvon der Überlieferung der lateinischen Grammatiker im allgemeinen ergänzt,sondern auch die Kenntnis der Quellen erweitert.
Der unbekannte Grammatiker stützt sich in seiner Donaterklärungbesonders auf Priscian, Pompeius und Virgilius Maro, und es scheint, daßder von ihm eingesehene Prisciantext stellenweise vollständiger 4 ) war, alsunsere heutige Überlieferung; das gleiche gilt von seinem Texte des VirgiliusMaro. 5 ) Von andern wichtigen Quellen wird Opilius genannt (p. 75, 33ff.),der zuletzt von Priscian und einem unbekannten Donaterklärer im Leid.Voss. 0. 37 angeführt wird, dann eine neue Stelle aus dem grammatischenWerk des Plinius von ziemlichem Umfang (p. 135, 1—8), die der Verfassereinem unbekannten Kommentar des Sergius entnahm. Hierzu kommeneinige Anführungen aus Marius Plotius Sacerdos und zwar unter dem NamenClaudius, wie in der singulären Überlieferung im Vindob. 16 (aus Bobbio); 6 )
') Mit Bevorzugung dieser Hs. hrsg. vonP.Vollmer, MG. Auct. ant. 14,271—275, vgl.XXXVIII ff., XL VIII; p.XLVI meint er, daßsie an König Wamba gerichtet sind.
2 ) Gedruckt aus Vat. reg. 407 s. X—XIin MG.Ep. 3, 457 ff.
3 ) Siehe Du mm ler, Ztschr. f. deutsch.Altert. 21,75 f. und Vollmer, Auct. ant. 14,XLVII.
4 ) So ist das bei Hagen, Anecd. Helv.p. 103,2 gegebene Zitat aus Cato vollständigerals in den Priscianhss.
6 ) Wie Hagen zu Anecd. 63,10 und 134,12 bemerkt.
6 ) In dem Doppelkatalog von 1493 (s.Zentralbl. f. Biblw. 5, 356 und 358,19) heiltder Name Casuus sacerdos und Cassii sacer-dotis.