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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
ihrem Recht kommen lassen. Er steht in dieser Beziehung allerdings nichteinzig da, da auch der Verfasser der Quaestiones im Bern. 83 seine Zeitberücksichtigt hat (Hagen, Anecd. Helv. p. 178, 6. 184, 35), aber er nimmtdoch insofern eine Sonderstellung ein, als er das in sehr ausführlicherWeise getan hat. Besonders benutzte er den Abschnitt 2,10 (De patronomiciset possessivis) hierzu, 1 ) wo er zuerst an einer Reihe gotischer und dann anfränkischen Namen ihre lateinische Bedeutung und darauf ihre latinisierteForm erweist; dann geht er auf die Appellativbildung in der fränkischenSprache weiter ein. Doch auch an andern Stellen seiner Erklärungen überdas Nomen findet er Gelegenheit, über gotische und fränkische weibliche undmännliche Eigennamen kurz zu sprechen. Bezüglich der Sprachkenntnisseist zu erwähnen, daß Smaragd Interesse für Hebräisch zeigt. So hat erdem Lautausgange der lateinischen und hebräischen Nomina einen eignenAbschnitt (4,7 f. 15 a) gewidmet mit der Überschrift De Hebraeorum etLatinorum nominum esitibus, wo er sich über hebräische Worte ziemlichunterrichtet zeigt. Und außerdem scheint die Schreibweise ädron auf Kennt-nis der richtigen Aussprache zu deuten. Dagegen weist nichts darauf hin,daß er Griechisch verstanden hat, wie schon Haureau 2 ) bemerkt hat. DieserMangel kann indes zufällig sein, da nämlich Smaragd nirgends Gelegenheitnimmt, auf Griechisch einzugehen.
Und doch ist die Beschaffenheit der wohl ältesten Handschrift, desParis. 13029, derartig, daß man Smaragd für einen Iren, wenigstens aberfür einen Mann insularer Abstammung halten möchte. Denn seine lateinischeSchreibweise, vor allem die Orthographie, 3 ) kommt mit der irischen gänzlichüberein und schließt eigentlich aus, daß er Lateinuntemcht auf fränkischemBoden oder wenigstens durch Kleriker fränkischer Abstammung erhaltenhat, während andere Elemente in seiner Grammatik dartun, daß er sichvollständig als Franke gefühlt hat. Merkwürdig ist jedenfalls auch, daßder Name Smaragd in alten Katalogen in solchen Namensformen mehrfacherscheint, die als keltische zu gelten haben. Außerdem finden sich imParis. 13029 und zwar von der Hand des Schreibers keltische Glossen, die,wie mir E. Windisch gütigst mitteilte, wahrscheinlich dem Altkymrischenangehören und die vielleicht von Smaragd selbst hinzugesetzt worden sind.Endlich ist zu erwähnen, daß dieser, wie auch andre Grammatiker seinerZeit, mehrmals sprachliche Unmöglichkeiten ersinnt, die als Unformen auchhingestellt werden, wie 4, 5 jjatra matra sorora oder 10,1 tollitus oder tültus. i )Nach der Benutzung des Werkes bei den Zeitgenossen und nach seinerHäufigkeit in alten Katalogen und nach der Zahl der Handschriften muß
*j Dieser Abschnitt ist von Massmannaus Paris. 14089 veröffentlicht worden inHaupts Ztschr. f. deutsch. Altert. 1,389—392,nachdem Mabillon, Vet. anal. 2 p. 358 einiges(aus Paris. 13029 und 14089) herausgegebenhatte. Doch ist Massmanns Druck durchausungenügend. Nachträge und Verbesserungenvon Hagen, Anecd. Helv. p.CCXLIIf. Voll-ständig von Manitius, Neues Archiv 36,62 ff.
2 ) Singularites bist, et litt. p. 109 f.
3 ) Ich stelle hier einiges wenige zusam-
men : aenuchus, aetiam, braevis, comesatio, difi-nitio, disperando tapescit, Habraham, hyrctis,Isiodorus und Isodorus, Michahel (Rafatyl),monopstjllabus und •psyllaba (sehr häufig), pa-tronomicus, poscibum, prerumtus und pre-rumptus, speties, sylva, tragoaedia.
4 ) Merkwürdig ist hier (f. 44 a) nemo enimdicit tollitus ant tultus, quamquam in usu sitcommunis locutionis stulto homini dicere ,tnl-tus'.