464 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
im Kloster, s. den Prolog, 1 ) wonach Smaragd von seinen Schülern gebetenwurde, seine mündliche Erklärung des Donat zu einem Buche zu erweitern,in dem die Beispiele aus den heiligen Schriften genommen werden möchten,womit er selbst aber nicht recht einverstanden war, 2 ) da er von diesenBrüdern sagt nescientes quia aliud est de arte tractare aliud de deo loqiti,Der konservative Sinn des Lehrers, der die ehrwürdigen Zeugen aus demAltertum zum Unterricht für notwendig erachtete, kam hier in Zwiespaltmit moderner Zeitanschauung oder mit christlichem Übereifer. So hat ersein Buch, wie er sagt (Keil p. 20, 8 ff.), nicht mit der Autorität eines Vergüoder Cicero oder andrer Heiden gestützt, sondern mit Aussprüchen derheiligen Schrift geziert und dem Leser zugleich den Becher der Wissen-schaft und den der heiligen Schrift vorgetrunken; 3 ) das war an sich nichtsNeues, denn schon Beda hatte in seiner Metrik die Beispiele vorzugsweiseden christlichen Dichtern entlehnt. Diesen Gedanken hat er in dem Ein-leitungsgedicht Vs. 5—42 (PL. 1, 608) weiter ausgeführt, dessen Grund-gedanke Vs. 36 ausgesprochen wird: Scripturam retinet, grammatica redolet.—Smaragd hat sein Werk in fünfzehn Bücher geteilt, aus denen bisher nurkurze Stücke veröffentlicht sind. Daher kommt es, daß die Ansichten überdiesen umfänglichen Donatkommentar teilweise nicht richtig sind, da auchdas Vorwort irrige Vorstellungen erweckt. Ich benutze zu weiteren Mit-teilungen die wohl älteste erhaltene Handschrift, 4 ) die das Werk vollständigund meist gut überliefert.
Jedem der fünfzehn Bücher ist ein summarisches Gedicht vorausgeschickt,dessen erstes zugleich dem ganzen Werke zukommt. Die ersten siebenBücher umfassen das Nomen und teilen sich in vierundfünfzig Kapitel, imachten Buch wird über das Pronomen in sechs Kapiteln gehandelt. Diesehr umfänglichen nächsten zwei Bücher behandeln in dreiundsechzig Kapitelndas Verbum (Buch 10 ausschließlich De defectivis), von den letzten fünf istje eines dem Adverb, Partizip, der Konjunktion, Präposition und Interjektiongewidmet. 6 ) Diese Verhältnisse entsprechen wenigstens im allgemeinen denrömischen Vorbildern, doch hat Smaragd verhältnismäßig frei mit der Aus-dehnung des den einzelnen Redeteilen gewidmeten Raumes geschaltet, daes ihm besonders darauf ankam, einen möglichst reichen Wortschatz inseiner Grammatik unterzubringen.
Zunächst schließt er sich, wie seine Vorgänger, möglichst eng an Donatan, dessen Worte vorangestellt und dann meist zu kleineren einzelnen Ab-schnitten erweitert werden. Den Stoff hierzu lieferten ihm besonders Pris-cian, Pompeius und Isidor, doch ist auch Phocas zu erkennen. 6 ) Groß ist
') Keil, De grammaticis quibusdam etc.p. 20 Cum . . . grammaticam fratribus trade-rem . . . coeperunt me suasorio sermone can-pellere ut eocpositionis nostrae ita protelaremsermonem, ut cum auctoritatibus scripturarumocto partes exponendo concluderem et in libelliperfectione ftnirem.
Vgl. Keil a. a. 0. p. 20,12—16.
geschrieben und bis auf die letzten Zeilen, dieunleserlich sind, vortrefflich erhalten; die Hs.wurde mir durch die Güte von EL Omont nachDresden gesandt.
6 ) Sie enthalten je 16, 6, 8,10, 3 Kapitel.
6 ) Vgl. Kaiinka, Wiener Stud. 16,116.Keil, De grammaticis quibusdam med. etinf.aetatis p. 21). Der erste Vers von Phocas' Vor-
3 ) Der Ausdruck stammt aus Pauli hist. j wort wird auch angeführt, nämlich Lib. 4, 9Lang. 2, 29 (ed.Waitz p.107). f.l6a.
4 ) Nämlich Paris. 13029 s. IX, in Corbie !