454 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
sein, vgl. cod. Einsidl. 203 f. 88b die Randbemerkung omnia verba infinitkimodi ponit pro praeterito perfecto indicativi modi sicut et Solinus et Pliniutnee non Tertullus; das Wort artibus bezieht sich jedenfalls auf die Artetliberales, vgl. die Worte in der Grammatik (Hagen, Anecd. Helv. 161, 19Transeamus adartium etymologiam und 22 f.); s.hierzu W. Meyer, Münch. Sitz-ber. 1882, 1, 81 N. I, 7. — Gedicht N. 13 p. 50 zeigt, daß von dem poetischenBriefwechsel mindestens je ein Gedicht des Petrus und des Paulus verlorenist, vgl. 13 Sed causas mentis clausisti fronte sepulchro Demissa tres, de quibushaut responsa dedisti und Vs. 1 misisti ... versus . . . In quibus exultans calamote ludere posse Dixisti, quoniam nostro es suseeptus honore. Die drei Fragen 1 )werden hier mit Hinzufügung eines Rätsels wiederholt; auch dies Gedichthat Petrus im Auftrage Karls geschrieben. Ein drittes Gedicht N. 15 p. 52,ebenfalls an Paulus gerichtet, erzählt diesem eine Vision mit Aufgabe einesneuen Rätsels und daran geknüpfter Ermahnung zu christlicher Gesinnungdem Bruder gegenüber. N. 40 p. 73 (aus Bern. 522 s. IX—X f. 68) ist dasWidmungsgedicht an Karl für die Grammatik, das auch im Ambros. 0 95sup. f. 34 s. XI steht. In dem letzten der erhaltenen Gedichte rühmt PetrusKarls Erfolge im Langobardenkriege und verweist ihn unter Anführungbiblischer Beispiele auf christliche Gottesfurcht; das Gedicht ist vor Be-endung der Sachsenkriege geschrieben, vgl. 20 Qui rigidas errore diu baptis-mate gentes Perfundis. Die Sprache 2 ) in diesen Gedichten erscheint wenigergelenk und frei als die des Paulus und auch die Prosodie ist keineswegsrein zu nennen (vgl. z. B.Vs. 15. 18).
Hss.: Paris. 528 s. IX, Sangall. 899 s. X, Bern. 522 s. IX—X, Ambros. 0 95 sup. s.XI.Kritische Ausgabe (mit den Gedichten des Paulus) von Dümmler, MG. PL. 1, 48 ff. und vonK. Neff, Die Gedichte d. Paulus Diaconus (München 1908) S. 57 ff.
Grammatik. In dem einleitenden Gedicht N. 40 spricht Petrus erstin ganz allgemeinen Ausdrücken und fährt Vs. 5 (13) fort Desinat (sc. lector)infandas mentis servare tenebras, Desinat et verbis bella eiere suis. In denSchlußversen erfolgt die Widmung, die allerdings nicht ganz deutlich ist:Hoc opus ... Iam Petrus domini fecit amore sui, und es scheint fast, alswäre dem Werke noch ein eigentlicher Widmungsbrief vorangegangen.Über seine Arbeit selbst sagt Petrus nur Hoc opus exiguo quod cernis tramite,lector und hierzu stimmt (Hagen, Anecd. Helv. 162, 11) multa dicenda suntquae ne longo stilo onerosa videantur brevitatis causa omittimus und p. 164, 22quae nunc declinando percurrere utile non videtur; vgl. hierzu p. 166, 6 f. undaußerdem p. 162, 26—29 und 163, 18 f., wo er ein ausführlicheres Werk inAussicht stellt. Danach wollte Petrus nicht eine Grammatik, sondern nureinen Auszug schreiben, s. Hagen p. XCVn. Wenn Petrus p. 164, 7 sagtHas nos posuimus sicut a viris eruditissimis manet conpertum und p. 1 68, 29sed auetores artis yrammaticae hoc refutant (vgl. p. 167, 6), so deutet er damitseine Quellen an, die er allerdings nicht mit Namen nennt. Nur solcheAutoren werden außer dem stark benützten Donat erwähnt, denen er einzelnes
) Nämlich ob Paulus lieber schwere j fer (Sigifrit); 15,12 ventifer [mundus); 15,27
Ketten oder hartes Gefängnis dulden oder
ob er den Dänenkönig Sigifrit taufen wolle.
2 ) Seltene Ausdrücke sind 13,17 pompl-
lihripotens (mit dem Wort wird Paulus an-geredet).