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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Hogers von Werden Musica Enchiriadis. 451

Melodien und Beispiele durch Linien unterscheidet und die Ganz- oder Halb-tonbezeichnungen sowie die Dasiazeichen als Schlüssel vor die Linienzwischen-räume setzt. So war Hoger der erste, der die Linien mit beigeschriebenenSchlüsseln in die Praxis einführte. Wenn daher Guido Neumen auf undzwischen die Linien setzte und den Text zusammenhängend unter die Notenund nicht mehr in zerstückten Worten zwischen die Linien schrieb, so istwohl anzunehmen, daß er für diese Versuche das in der Musica enchiriadisgegebene Vorbild benutzte. Ferner macht H. Müller (S. 74) darauf aufmerk-sam, daß in dem im Paris. 7202 befindlichen Traktat De organo sich aufdie Linien gesetzte Striche und Punkte finden, die als längere und kürzereTöne unterschieden werden sollen; dieser Uranfang der heutigen Noten-schrift ist nach Müller dem Verfasser dieses Traktats, nämlich einem Be-arbeiter der Musica enchiriadis, zu danken, die also wohl den Grundgedankenzu dieser gewaltigen Neuerung abgegeben hat. Vielleicht hat Hoger auchzur Anwendung des musikalischen Alphabets von A bis G den Anstoß ge-geben, 1 ) da eine ähnliche Anwendung von sieben Buchstaben in Wieder-holungen für die einzelnen Oktaven erst seit dem Ende des 9. Jahrhundertsnachweisbar ist; allerdings beginnt die Pestsetzung der Oktave von A bis Gals Grundlage des ganzen Tonsystems erst mit dem Beginn des 11. Jahr-hunderts, und Hoger bat zur Einführung der Oktaventeilung keinen un-mittelbaren Anstoß gegeben. Endlich aber ist hervorzuheben, daß Hogerzuerst im Mittelalter über die Anfänge der Harmonie und über die Mehr-stimmigkeit der Gesangskunst ausführlich und klar berichtet hat und daßnoch Guido von Arezzo fast gar keinen Fortschritt in harmonischer undpolyphoner Beziehung gegenüber der Musica enchiriadis verrät. So er-gibt sich aus diesen Untersuchungen von H. Müller, daß der Verfasserjenes Werkes in musiktheoretischer Beziehung wichtige Neuerungen ein-gsführt hat und seinen Zeitgenossen auf diesem Gebiete durchaus überlegengewesen ist.

Zeugnisse und Ueberlieferung. Die Aufschrift von St. Amand steht bei Man-geart, Catal. des mscr. de Valenc. p. 33 N. 22, es ist Valentian. 325 s. IX ex.; die von Canter-bury steht bei M. R. James, The anc. libr. of Canterbury and Dover p. 8 N. 44. Die Ueber-schrift im Valentian. 325 heißt Commentum musicae artis ex opusculis Boetii excerptum et avenerabili abbate Nogero elaboratum (f. 4279). Die Angabe von Boethius als Quelle stammtwohl aus dem Ende der in 19 Kapitel zerfallenden eigentlichen Schrift (Gerbert, SS. de mus.1,173) Pandit multa musicae artis miracula praestantissimus auctor Boetius, magisterionumerorum enucleatim cuncta comprobans. Cuius, si deus annuerit, sequens opusculumaliquod continebit excerptum und bezieht sich auf die Scholia enchiriadis, die in kateche-tischer Form Gespräch zwischen Schüler und Lehrer die nötige Auskunft über die Theorieder antiken Musik, aber mit Verwendung der von Hoger eingeführten Notation, gibt. Daherberührt sich dieser Teil des Werkes ziemlich eng mit den andern zeitgenössischen Arbeitenüber Musik. Wichtige Hss. des Werkes sind: Valentian. 325 s.IX; Chartres 130 s.IX X;Bruxell. 1007810095 s. XIXII; Paris. 7210 s.XI, 7212 s.XII; Monac. 14649 s. XI, 14272s.X XI, 6409 s.XI, 14372 s.XI, 18914 s.XI; Vindob.55 s.X; Vat. Pal. 1342 s.X/XI; Colon. 331s.XI. Von einigen anderen, nämlich Paris. 7202 s. XI, Brug. 531 s.XI und Plorent. Magliabecch.1, 406 s.XV wies H. Müller a. a.O. S.36 nach, daß sie eine Bearbeitung der Schrift enthalten,während sich eine andre Bearbeitung im Casin. 318 s.XI findet. Die Ausgabe bei Gerbert,SS. eccl. de musica sacra 1,152212 ist nach H. Müller S. 70 ff. mehrfach irreführend undungenügend. Zur Textkritik s. Ph. Spitta, Vierteljahrsschr. f. Musikwiss. 1889, 453 f.

*) Vgl. hierzu Ph. Spitta, Vierteljahrsschr. f. Musikwissensch. 1889, 457 ff.

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