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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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446 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

aus den Zahlen und über die acht Töne. Dies gesamte Material ist fast

ganz aus älteren Quellen entlehnt, nämlich, wie Brambach erwies, aus

Cassiodor, Boethius und Isidor, sowie aus der Alchvine zugeschriebenen

Musik. 1 ) Der zweite Teil der in zwanzig Kapitel zerfallenden Schrift gibt

nach Brambach eine Lehre von der Anwendung der Tonarten und ist

selbständig; 2 ) es finden sich darin die ältesten Zeugnisse für Übertragunf

antiker Tonartennamen auf Kirchentöne. Jedenfalls ist die Schrift insofern

nicht unwichtig, als hier anscheinend zum erstenmal die Tonlehre reichlich

Bezug auf die Kirchenmusik nimmt, so daß eine Verbindung theoretischer

und praktischer Elemente stattfindet, wie auch die Schrift am Ende den

Sängern empfohlen wird.

Vgl. zu der Musica disciplina Gerbert, SS. de mus. sacra l,bl und b2 und besondersW. Brambach, Die Musikliteratur des Mittelalters S. 6f. und 3. Benutzt wurde Aurelianvon Regino, vgl. Brambach S. 9. 3 ) Erwähnt wird das Werk nur in den alten Katalogens.XII von Arras (B. 125, 18) und Cluni (Delisle. Le cab. 2,477 N.464). Auch die Ueber-lieferung ist spärlich: Valentian. 141 s. IX f. 57b89. 4 ) Brusell. 1007810095 s. XIXII (s.H.Müller, Hucbalds echte und unechte Schriften über Musik S. 15), Florent. Laur. 29,48 s.XY, 5 )Pommersfeld. 2805 s. XL Auszüge stehen im Monac. 19489 s. XI p. 5056 (= c. 8 und 20),sowie in 14836 s. XL Ausgabe von Gerbert, SS. eccl.de musica sacra 1,2863; Widmungund Epiloge bei Martene et Durand, Vet. Script, ampl. coli. 1,121126, in kritischer Ausgabevon Dümmler, MG. Ep. 6,128131. Das einleitende Gedicht auch bei Pertz, Archiv 8, 436,und bei Mangeart, Catal. de Valenc. p. 131. Die Ausgabe von Gerbert abgedruckt beiMigne 106,1521 ff. Vgl. Hist. litter. de la Erance 5, 98.

64. Helperic von Auxerre.

In die gelehrte und literarisch tätige Brüderschaft von Auxerre gehörtder Mönch Helperic, der um die Mitte des 9. Jahrhunderts lebte und zuAuxerre Lehrer für Grammatik und komputistische Wissenschaft war. Alsdie Schüler ihn inständig baten, ein Werk über den Komputus zu verfassen,setzte er ihren Bitten erst Widerstand entgegen, da es ja, wie er sagte,eine ganze Reihe Werke darüber gebe. Er wies sie auf Bedas grundlegendeSchrift hin und fügte hinzu, daß er selbst nicht die Eigenschaften zumSchriftsteller habe; doch sie entgegneten ihm, sie wollten kein neues Werk,sondern er möge aus den einschlagenden früheren Schriften das Haupt-sächliche herausziehen und gewissermaßen eine Blütenlese vorlegen; sieverzichteten auf Schmuck und Anmut in der Darstellung und wünschtenbesonders die Erklärung schwieriger Partien. Da entschloß er sich zurAbfassung des Werkes, das er dann seinen Schülern zum Lesen gab undzwar besonders einem von ihnen, der ihn am hartnäckigsten um die Durch-führung der Arbeit gebeten hatte und dem er die Schrift später auch vomKloster Grandval aus übersandte. 6 ) Helperic scheint nämlich eine un-

') Bei Gerbert p. 26 f.

2 ) Doch finden in c. 8 p. 40 f. deutlicheAnlehnungen an Macrobius und Boethius statt.

3 ) Aber auch die Erwähnung von Orpheusund die der Musen deuten auf Verwendungbei Regino.

4 ) Vgl. Neues Archiv 23, 659.

5 ) Danach der Druck von Gerbert.

6 ) Wer das gewesen ist, läßt sich nicht

ermitteln; Helperic sagt nur (MG. Ep. 6,117,26N. 7) um praeeijpue eoriim qni me pertinatioriinportunitate ad hoc praesumendum impu-lerat et cui illud iam Grandivatte posttus (soTraube aus posito) direxeram. Die Ver-besserung Traubes involviert den obigenZusammenhang. Sonst müßte man annehmen,daß sich das Werk in Auxerre bei HelpericsFortgang überhaupt nicht befand und daß