Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Seite
445
Einzelbild herunterladen
 

Aurelian von Moutier-St.-Jean.

445

musikalischen Kunst Erfahrenen kenne, so widme er ihm das Werk, zudem er die Aussprüche der Alten wie auch seine (des Abtes) und andererBelehrung benutzt habe. Am Ende seiner Arbeit wendet er sich von neueman Bernhard, den er nicht aufhören werde zu lieben und zu loben; seinName werde unsterblich bleiben, da er mit dem Buche für immer verknüpftsei. 1 ) Mit der Versicherung, daß er jeden, der vom Abte Übles denkenoder sprechen werde, für seinen persönlichen Feind halten wolle, schließtdieses Nachwort. Es scheint aber, daß Aurelian noch eine zweite Ausgabeseiner Schrift veranstaltet hat. Denn die Handschriften setzen vor jenesNachwort ein zweites, das einen ganz ähnlichen Anfang wie das an Bern-hard gerichtete hat 2 ) und im Anfang von der Widmung des Werkes anBernhard berichtet; dann Aurelian wendet sich hier an jeden tüchtigenSänger, dem das Werk in die Hände kommen werde verbreitet es sich,zunächst an der Hand Isidors, über die Wichtigkeit und Bedeutung derMusik und erzählt einige wunderbare musikalische Ereignisse vom MonteGargano und aus Auxerre und schließt mit einer aus Gregors Dialogen (4, 26)genommenen Erzählung.

Zeugnisse. Aurelian nennt sich in der Widmung p. 128,16 Aurelianus vernaculusqnondam monasterli saneti Iohannis Reomensis nunc autein abiectus sed tarnen vester, des-gleichen im poetischen Vorwort mit der (aus Eugenius von Toledo bekannten) Tmesis Auretuus legi compsi scripsique Hanns, Pastor Bemarde, munus hoc exiyuum. Sigebert scr.eccl. 110 (p. 147) Aurelianus clericus Remensis*) ecclesiae scripsit ad Bernardnm archi-euntorem postea episcopum de regulis modulationum, quas tonos sive tenores appellant et deearum vocabulis, er kannte jedenfalls nur das Buch, 4 ) denn alle Angaben lassen sich darausbelegen (vgl. Ep. 6,128,22 f., woher die Inhaltsangabe bei Sigebert); auch die beiden bekanntenalten Katalogaufschriften aus Arras und Cluni nennen den Namen, eine auch monachis. Iohannis Reomensis. Das Kloster gehörte zum Sprengel von Langres. Abt Bernhard istbekannt aus einer Urkunde 843 bei Mabillon, Acta SS. 4, 2, 251, seine Abstammung ergibtsich aus Mus. disc. 8 (Gerbert 1,41 B) Unde pius Augustus avus vester Carolas paterqne totiusorbis und aus der Anrede p. 128,14 simidque imperiali dignitate decorato. die Würde ausdem Nachwort zur zweiten Ausgabe p. 129,33 f. dom.no et abbati meo reverentissimo Bemardonunc vocato futuro vero archiepiscopo, vgl. p. 128,16. Vorsänger vgl. p. 128,15 archicantori;zu den Kenntnissen in der Musik p. 128, 20 et artificiali doctrina cluentem prae ceteris vosmetsolum agnovi in armonica philosophia und 129,2 Huius autem fateor nisi vos solum nieneminem artis vidisse peritum. Die Anspielungen auf seine Entfernung aus dem Klosters. p. 129,1127. Den Titel des Werkes s. p. 128,12 Incipit praefatio musicae diseiplinaeund p. 129,31 Explicit Über de diseiplina musicae artis; die Aufschrift in Arras de laudemusice discipline h ) (ähnlich in Cluni) 6 ) ist vielleicht durch die Worte des zweiten Epilogsp. 130,5 sicut et supra in laude musicae diseiplinae . . . diximus oder durch die gleichlautendeUeberschrift von Kap. 1 (Gerbert p.29B) entstanden. Das Gedicht steht PL. 2, 679 N. 31 (ausValentian. 141 s. IX). Die Widmung mit den Nachworten MG. Ep. 6,128131.

Musica diseiplina. Das Werk beginnt mit einer Einleitung überden Wert der Musik und kommt dann auf Namen und Erfinder (nach IsidorEt. 3,14 und 15) zu sprechen. Es folgen abstrakt theoretische Abschnitteüber Einteilung der Musik, über die Namen der Stimmen, über Herleitung

') Dümmler (MG. Ep. 6,131,9f.) hatübersehen, daß die Worte Sexus uterque senexiuvenis puer advena cieis einen Hexameterergeben.

2 ) Vgl. p. 129, 31 Über . . . editus procaptu meo und p. 131,1 Editum pro captumeo libellum. Daß es sich um ein Nachworthandelt, ergibt sich p. 129,31 aus dem Ex-plicit und p. 130,5 aus den Worten sicut et

supra in laude musicae diseiplinae proutpotuimus diximus.

') Reomensis ist wohl zu schreiben.

*) Aus Bruxell. 10078100951 93 (wohls. XI Ende), der aus Gembloux stammt.

5 ) Vgl. Becker 125,18.

6 ) Vgl.Delisle, Le cab. des mscr. 2,477N. 464 Note et laus sive musice diseipline.