444 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Ehythmen eine Spur von dichterischer Sprache oder irgendwelche Anlehnungan Kunstpoesie. Beiträge zur Verbesserung der Rhythmen von L. Traube,Karol. Dichtungen S. 137—149, von P. v. Winterfeld, Neues Archiv 25,402bis 404; gegen Traube J. Huemer, Eranos Vindobonensis (1893) S. 113—130vgl. Becker S. 93 f.
Daß sie das Werk aus einer Reihe von Schriftstellern zusammengetragenhat, sagt die Verfasserin selbst (c. 64 p. 217). und Becker (S. 84—93) hat sichder Mühe unterzogen, eine Reihe von benutzten Stellen ausfindig zu machen;das war insofern nicht leicht, als Dhuoda meist aus dem Gedächtnisreproduziert und ihre Quellen meist bis zur Unkenntlichkeit verändert,Es ergab sich, daß sie mehrere Werke von Augustin, Gregor und Alchvine,außerdem die Synonyma Isidors und die Vitae patrum gekannt hat. Ab-gesehen von solchen unzweifelhaft häufigen Stellen des Werkes, die sichauf die Väter stützen, enthält dieses nicht wenig kulturgeschichtlich ver-wertbares Material, das von Becker S. 95 ff. herausgehoben wurde.
Zeugnisse. Ueber ihre persönlichen Verhältnisse gibt Dhuoda Auskunft in der Vor-rede ed. Bondurand p. 52 f. Zum Testament vgl. Hist. generale de Languedoc 2 preuves col. 81(nouv. edit.). vgl. Bondurand p. 16; außerdem eine Schenkung, in der Deda erwähnt wirdHist. generale de Languedoc 2 preuves col. 84. Ueber die Zeit der Abfassung des Buches s. dieSubskription p. 249, Titel: Liber Dodanae manualis quem ad fllium suum direxit Willelmum,Das Akrostichon des Epigramma operis subsequentis p. 47 ff. ergibt Dhuoda dilecto filioVuilhelmo salutem lege. Hs.: Paris. 12293 s. XVII; Fragmente in Nimes bibl. civ. s. IX.Einzelne Kapitel hrsg. von Mabillon, Acta SS. 4, 1,750—757; Baluze, Marca Hispanicacol. 777 f.; Migne 106, 109—118; vollständig von E. Bondurand, Le manuel de Dhuoda,Paris 1887. — Vgl. Hist. litt, de la France 5,17—20. L. Delisle, Comptes rend. de l'Acad. desinscr. 10 Juil-1. 1885; bes Phil. Aug. Becker, Ztschr. f. roman. Philologie 21,73—101 (mitNachträgen 22,392), W. Meyer, Gott. Nachr. Phil.hist. Kl. 1908 S. 58—70.
63. Aurelian von Moutier-St.-Jean.
Aurelian 1 ) war Mönch im Kloster Moutier-St.-Jean oder Reome umdie Mitte des 9. Jahrhunderts, als ein Verwandter des kaiserlichen Hausesund Enkel Karls des Großen namens Bernhard die Abtswürde dort besaßund wegen seiner musikalischen Kenntnisse Vorsänger war; man bezeichneteBernhard damals schon als künftigen Erzbischof, doch scheint es zu dieserErhebung nicht gekommen zu sein. Aurelian aber muß aus irgendeinemGrunde aus dem Kloster entfernt worden sein; die Anspielungen, die erin seinem Briefe an Bernhard macht, sind durchaus dunkel und unverständ-lich. Jedenfalls tröstete er sich täglich mit dem Spruche Mich. 7,9 undhoffte auf baldige Restitution. Wahrscheinlich war er zur Strafe in einemandern Kloster untergebracht und in dieser Zeit widmete er seinem früherenAbte das von ihm verfaßte Werk Musica disciplina, dem er drei Distichenan die Spitze stellte. In dem kurzen Gedicht spricht er sich über griechische(Pythagoras) und lateinische Quellen des Werkes aus und bezeichnet sichin der Anrede an Bernhard als Verfasser. Darauf folgt ein ausführlicherBrief an den Abt: Die Brüder hätten ihn aufgefordert, über die Regeln derTöne und deren Namen zu schreiben, und da er ihn als einzigen in der
*) Daß er ein Romane war. ergibt erstensder Name und dann die Sprachform ad deoim Brief an Bernhard (MG. Ep. 6,130,31).
Wiss. zu Göttingen, Phil.hist. Kl. 1908 S. 58bis 70, besonders S. 65 f.; S. 69 f. neue Aus-gabe von De temporibus tuis (c. 68).