Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Seite
441
Einzelbild herunterladen
 

Invectiva in Komam. Italienische Gedichte. 441

von Verona und der Vorstädte und umliegenden Dörfer um den Tod desGrafen Walfred eingeführt wird, der 896 starb. Diese Klagen aber, heißtes, stillt unser Bischof Adelard (Adalhard), der durch das Tosen der Elementeunberührt bleibt, 1 ) sondern mit dem Helm und Schild des Glaubens, derHoffnung und der Liebe allen Gefahren widersteht und die Feinde schreckt.Das ganze folgende Gedicht ist im allgemeinen, bis auf die Schlußstrophen,ein Loblied auf die christlichen Tugenden Adalhards, mit Ausnahme dervierzehnten Strophe, in der der Dichter wünscht, daß dem Bischof nicht Gold,Edelsteine und Purpur und andre gleißenden Dinge gefallen möchten, sondernnur die Steine, aus denen Gott Jerusalem gebaut habe (Tob. 13, 20 f.). Wahr-scheinlich bezieht sich dieser Wunsch auf reale Vorkommnisse im Lebendes Bischofs, wie auch in der sechsten Strophe wohl persönliche Verhält-nisse angedeutet werden, indem dort das Kloster wohl das zu Veronaals in Trauer befindlich geschildert wird, da die Mönche durch den Zahndes grimmigen Löwen zerfleischt würden. Der Verfasser nimmt hier viel-leicht Bezug auf geschichtliche Verhälteisse, die durch den Formosusstreitbedingt worden sind.

Zeugnisse. Da der Tod der rechtmäßigen Karolinger Ludwig und Karl beklagt wird,so hat man wohl an Karl den Kahlen zu denken (Vs. 14) und bei Papst Johann (Vs. 18 f.)an Johann VIII., der Karl gekrönt hatte. Nicht recht verständlich sind die Worte 19 f. rdbierepidsum Demonis atra; ist hiermit etwa Formosus, der Feind Johanns, gemeint? Zu Wal-fred vgl. Dümmler, Gesta Berengarii S. 64 f., zu Adalhard von Verona S. 62 f. Das Gedichtsteht im Vatic. 5751 f. 62 b s. X (aus Bobbio). Ausgaben von Baronius, Annal. Ecclesiast.ed. Mansi 15,480, von Biancolini, Dei vescovi e governat. di Verona p. 3537 und be-sonders von Dümmler, Gesta Berengarii imperatoris S. 134ff.; 2 ) vgl. daselbst S. 6165.Daß die Hs. nicht das Original darstellt, ergibt sich aus dem Fehler in Vs. 43 (DümmlerS. 135).

Hieran wäre ein kurzes Gedicht an den Bischof Azo von Ivrea 3 )anzuknüpfen, das um 876 entstanden ist. Es findet sich im Epored. 83 s. Xund widmet dem Azo eine Handschrift der pseudoisidorischen Dekretalen.Die Verse sind hexametrisch gedacht und sollen wahrscheinlich langobardischeHexameter darstellen, doch spottet ihr Bau allen Regeln. Eine rhythmischeNachschrift ergibt einen Agifred als Verfasser, während in einigen voraus-gehenden Versen das Glück des Schreibers über seine beendete Arbeit zumAusdruck kommt.

!) Die Stelle 33f. (Dümmler, Gesta Be-rengarii S. 135) Fhictibtis ponti qnatiatur et siRaptus e portu aquilonis arte geht im Ge-danken und auch in Worten (quati, aquilo)zurück auf Horat. Carm. 3, 3, 48.

2 ) Dümmlers Aenderung Vs.7 anlielare(statt anelare) ist unnötig, vgl. Vs. 29 Ade-lardus.

3 ) Hrsg.vonDümmler, Gesta Berengariip. 159 f. und von Traube, PL. 3, 402 f.