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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
des heiligen Hilarius, gesehen habe, in dem Matthäus und Johannes gegendie Gewohnheit an der Spitze standen, und daß er den Griechen Euphemiusnach der Bedeutung dieser Reihenfolge gefragt habe. Hierauf folgt (nachIsidor Et. 2, 24) die Einteilung der Physik, Ethik und Logik, deren Be-deutung für das Bibelverständnis an mehreren Beispielen klargelegt wird, 1 )sowie die Erklärung des Titels Liber generationis Iesu Christi mit paläo-graphischen Hinweisen auf die Schreibung. Dann erst beginnt die Erklärungdie sich zunächst wegen der Namen auf rein sprachlichem 2 ) Gebiete hältund mancherlei von Elementarkenntnis des Griechischen verrät. Spätergeht sie neben dem sprachlichen auch auf das historische und sachlicheGebiet ein. Man kann nicht sagen, daß Christian hierbei ungewöhnlichesWissen zeigt, denn er hatte natürlich keine andern Quellen, als sie dieZeit bot. Aber es weht doch ein freierer Geist aus seinen Darlegungen,die manches aus dem täglichen Leben und nicht selten auch die eignenAnschauungen des Verfassers über weltliche und geistliche Dinge über-liefern. In dieser Beziehung ist auf die sorgsamen ZusammenstellungenDümmlers 3 ) zu verweisen, aus denen sich auf eine nüchterne Klarheit undwohltuende Besonnenheit Christians schließen läßt. Freilich wird der Zu-sammenhang seiner Darlegungen oft genug durch allegorische und moralischeErläuterungen durchbrochen, aber sie erscheinen in dieser Umgebung mehrfremdartig und gehören auch nicht zum geistigen Eigentum Christians.
Zeugnisse. Sigebert Script, eccl. 72 (p. 141 ed. Miraeus) Christianus ab Aquitania inGallium 4 ) veniens nomen snum scribendo notificavit. Exposuit enim evangelium Matthaei, pro-mittens etiam de aliis evangeliis se tractaturum. Der Anonymus Mellicensis 102 (ed. Ett-linger p. 90) kennt ihn auch, vermischt aber seine Person mit der des Erzbischofs Wimundvon Aversa: Gioimundus qui et Christianus primo in monasterio Stabulaus monachus fuit,tibi dum abbas constitui atque ad alterum locum regendum mitti debuisset ... nomen mutavitin melius ... scripsitque fratribus supradicti monasterii explanationem egregiam super ewan-gelium secundum Mattheum, in cuius explanationis prologo super Iohannem quoque se scrip-turutn pollicetur, sed utrum mininie scripserit an certe scripserit quidem, quod ad nos mininupervenerit adhuc a nobis ignoratur. Scripsit tarnen explanationem super ewangelhtm secun-dum Lucam. Ohne Zweifel aber hat Trithemius de Script, eccl. 280 zu den Angaben Sige-berts den Beinamen Druthmarus und die Worte presbyter Corbeiensis ordinis Benediäihinzuerfunden, s. Dümmler, Berl. SB. 1890, 936 f. Daß er Lehrer in Stablo war, ergibt sichaus dem Widmungsbrief an die dortigen Mönche (Ep. 6, 177, 26) Nam quia perspexi iuvenibusvestris post expositum bis textum evangelii Mathei oblivioni habere, statui apud nie ipsamexpositionem eo tenore literis mandari, quo coram vobis verbis digessi. Zum Vergleich mitHieronymus s. p. 177, 29 ff., zur einfachen Ausdrucksweise 35 ff. Zur historischen Erklärungs-weise p. 178, 4 Studui autcm plus historicum sensum sequi quam spiritalem, quia inrationabikmihi videtur spiritalem intellcgentiam .. . quaerere et historicum penitus ignorare, cum histo-rica fundamentum omnis intelleg•entiae sit. Ueber sein Buch s. p. 178, S ff., zur Erklärung deranderen Evangelien p. 178, 12—20. Zur Zeit der Abfassung s. Dümmler S. 939. ChristiansName begegnet in einer Urkunde Hildebalds von Stablo 880, s. Ritz, Urkunden z. Gesch. d.NiederrheinsS.il Signum Cristiani decani; außerdem vgl. Notkers von Lüttich Vita S. Hada-lini 5 (Mabillon, Acta SS. ord. S. Ben. 2, 1015) Christiamis quoque sapientissimus. Die Hss.seiner Erklärung besitzen zwar ganz kurze Kommentare zu Lukas (Migne 106,1503—1514)und zu Johannes 5 ) (1515—1520); diese sind aber mit dem Matthäuswerke gar nicht zu ver-
') So auch später, z.B. cap. 2 (Migne106,1285 D).
2 ) Das hat wohl auf den Beinamen gram-maticus gewirkt, den ihm der Verfasser desLütticher Katalogs s. XIII (Jahrb. d. Ver. f.Altertumsfreunde i.Rheinlande 50 und51,230)gab.
3 ) Berl. SB. 1890, 943-949.
4 ) Daß er romanischer Abkunft war, istwohl sicher nach Dümmler S. 938 und n.5.
5 ). Der Schlußabschnitt col. 1520 C (InDraconitida — Genesar) ist fast wörtlich ausAdamnanus de locis sanctis 2, 19 (ed. Geyer,Itinera Hierosol. 268) genommen, das Weitere(De locustis — in silvis repertum) aus 2, 2B.(p. 272). Die Schlußworte stammen aus 2,24.