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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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422 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Sein Glaubensbekenntnis hat Albar in einer ziemlich umfänglichenConfessio niedergelegt, die vielleicht erst aus der letzten Zeit seines Lebensstammt. Aber auch die Gedichte, die unter seinem Namen erhalten sind in Gemeinschaft mit Eulogius unternommene Jugendversuche haben beidevernichtet, um sie nicht auf die Nachwelt kommen zu lassen, sind erstspäteren Datums und erst nach 851 geschrieben. Die lateinische Dichtungfristete damals, als sie im Frankenreiche längst zu einer außerordentlichenAusbreitung gelangt war, in Spanien ein kümmerliches Dasein, wie überhauptum die Mitte des 9. Jahrhunderts noch kaum von einer spanischen Literaturzu sprechen ist, denn die Aufgaben der hiesigen Kirche waren durchweg prak-tischer Natur geworden, seitdem der Islam den größten Teil der Halbinselunterjocht hatte. Wie wenig formgewandt die lateinische Dichtung hierwar, zeigt die spanische Anthologie, die sich im Paris. 8093 aus dem 8. Jahr-hundert erhalten hat, aus der zwei Dichter Ascaricus und Ildemudis bekanntsind (N. 7 und 8). 1 ) Jedenfalls haben Eulogius und Albar die lateinischeDichtung in Spanien in gewisser Weise wieder erneuert, wenn sich auchvon Eulogius nichts erhalten hat; von ihm rühmt Albar, daß er im Ge-fängnis die metrischen Gesetze, die den Gelehrten Spaniens unbekanntwaren, studiert und ihn dann selber darüber belehrt habe; denn in derJugend hatten sie beide anscheinend nur rhythmische Versuche gemacht,die aber, wie schon berichtet, wieder vernichtet worden waren. Ereilichsind die Gedichte Albars, die er uns hinterlassen hat, aus metrischen undrhythmischen Bestandteilen gemischt, ganz wie in jener spanischen Anthologie,obwohl sich Albar nicht wenig auf seine Metrik zugute tut (vgl. Carm.4, 20 ff.p. 129). Es zeigt sich, daß Albar stofflich wie sprachlich durchaus abhängigist von den Gedichten des Eugenius von Toledo, die ja auch außerhalbSpaniens vielfach zu Vorbildern dienten. Außerdem kennt er das GedichtAldhelms über die Jungfräulichkeit, 2 ) sowie Martial 3 ) und Isidors (?) Versusin bibliotheca und eine Fassung der Voces animantium. Wichtiger ist jedoch,daß er Theodulfs Gedicht über seine Bibliothek (PL. 1, 532) ungemein starkausplündert; da Theodulf Spanier war, so ist es sehr wahrscheinlich, daßEulogius sich auf seiner Reise im Frankenreich Gedichte des berühmtenBischofs verschaffte und sie nach Spanien mitbrachte. Albars Gedichtesind fast sämtlich im Hexameter geschrieben, nur wenig Distichen findensich, und ein einziges Gedicht, ein Hymnus auf den Eulogius, verwendetdie asklepiadeische Strophe nach dem Vorgang des Spaniers Prudentius(Cathem. 5); so ist das formale Element ein sehr einfaches.

Falsch ist die Zuerteilung des Liber scintillarum an Albarus, die imMatrit. A115 s. XI geschieht. Das Buch enthält eine christliche Ethik,indem es eine große Reihe von Aussprüchen der Bibel und ihrer Ausleger

J ) Hrsg. von De Rossi, Inscr. christ. urb. j vorhanden; danach wohl auch in Oviedo beiRoraae 2,1, 293296. Vgl. auch die Gedichte ! Becker 26,32 Adelhelmi episcopi Ib. I. Sonst

im Berol. Meerm. 167 s. IX (aus Angers) beiV. Rose, Die lat. Hss. d. kgl. Bibl. zu Berlin1,461, die aber formal weit über denen derspanischen Anthologie stehen.

2 ) Es war jedenfalls in den von Eulogiusmitgebrachten Adhelmi epigrammatum opera

begegnet Aldhelm in spanischen Katalogennur noch in Leon 927 (Wiener SB. 125, III. 66)Les poesies d'Aldhelme.

3 ) An Lucretius (1,237) erinnert ungemein8, 22 (p. 131) In nicilum, credens Herum meposse reverti.